Afrika in Gedichten erleben

Man kennt sein Gesicht unter dem weißen Sonnenhut. Angetan mit einer dunklen Sonnenbrille zum Schutz der kranken Augen und gekleidet in farbenfrohe Afrikahemden geht der Arzt und Schriftsteller Mathias Schröder gerne am Seeufer spazieren. Im Rahmen des Uttinger Kulturfestivals im Summerpark hat er in Wort und Bild über seine Arbeit für die Ärmsten der Armen in Kamerun berichtet und dabei auch seine neue CD „Mein Afrika“ vorgestellt.

„Im November 2002 erlebte ich mit Erschütterung, wie in einem Krankenhaus in der Sahelzone Kameruns, in dem ich damals arbeitete, 20 Kinder an der gefürchteten Malaria tropica starben“, erzählt Schröder: „Jedes einzelne Kind könnte noch leben, wenn die Eltern die kostenlos angebotene Behandlung nur wenig früher angenommen hätten; aber sie schämten sich ihrer Armut.“ Dies war ein Schlüsselerlebnis, das den heute 68-Jährigen veranlasste gegen die Armut in Afrika anzukämpfen und die Armen als Arzt und Schriftsteller zu unterstützen. Zwei anstrengenden Jahren in verschiedenen westafrikanischen Krankenhäusern folgte die Gründung der Hilfsorganisation „Adams Association des Amis de Mathias Schröder“ (Verein der Freunde Mathias Schröder), die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Armen auf ihrem Weg in soziale und wirtschaftliche Selbstständigkeit zu helfen. Einen Beitrag dazu soll auch die neue CD des schreibenden Arztes leisten, dessen Werk schon mit zahlreichen Auszeichnungen, darunter auch mit dem Förderpreis des Landes Bayern und dem Förderpreis der Landeshauptstadt München bedacht wurde. Sie trägt den Titel „Mein Afrika“. „Mein Afrika“, lautet auch der Titel des langen Gedichtes, das dem Tonträger seinen Namen gab. Ganz im Gegensatz zum CD-Cover, das Bambushütten und einen malerischen Sonnenaufgang zeigt, zeichnet Schröder in seinen Gedichten kein erbauliches Bild von Afrika: „Hutu gegen Tutzi / die Machete saust geführt von verführten Kindersoldaten im Haschischwahn“, oder „Löcher wollen gestopft sein / Fass ohne Boden die Korruption für Reiche / den Armen Hunger, Krankheit, stummer Tod“. Deutlich wird die Liebe des Dichters zum schwarzen Kontinent, seine Wut gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Ungerechtigkeit auch im Subtext jener Gedichte, die sich explizit deutschen Themen widmen. Die Frage nach dem Sinn Darin geht es um Bombennächte, die zu den frühesten Erinnerungen des Arztes gehören, um seine Mutter („Der Krieg machte sie knochig, zog die Falten tief…“), die während des Krieges und danach das Familienleben ohne den Vater meistern musste und nicht zuletzt um die Sinnfrage, die für Schröder als tief religiösen Menschen über den Tod hinaus weist. Schwere und schwierige Themen also, aber angefüllt mit einprägsamen, poetischen Bilder zu denen die Beethoven-, Chopin-, Mendelsohn Bartholdy- und Schumann-Interpretationen des Pianisten Michael Ponti sehr gut passen. Das New Yorker Life Magazin nannte den Musiker einst „den Horowitz seiner Generation“. Heute lebt Ponti bei Garmisch. Nach einem Schlaganfall kann er nicht mehr konzertieren. Die Rechte für seine letzten Livemusik-Aufnahmen, die somit Seltenheitswert besitzen, stellte er seinem Freund Mathias Schröder als Hilfe für Afrika kostenlos zur Verfügung. Erhältlich ist die CD „Mein Afrika“ im Buchhandel, über die Edition Rester www.edition-rester.de oder direkt bei Mathias Schröder auf der seite www.mathiasschr.de.

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