Nach zehn Jahren Sanierung im Landsberger Agrarbildungszentrum

Klosterstadel im neuen Glanz

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Glaswände sorgen für lichtdurchflutete Büros im ehemaligen Jesuitenkloster, wo das Agrarbildungszentrum die nach zehnjähriger Sanierung eingeweiht wurde.

Landsberg – Wer den Ostflügel samt Zehentstadel des Agrarbildungszentrum vor der Sanierung gesehen hat, staunte: Die dunklen Räume auf dem „Berg der Bildung“ sind Geschichte. Glastrennwände lassen Licht fluten. Ehemaligen Chemielabors sind moderne Büros. Ein Bierstüberl (konsequent in der ehemaligen Brauerei beheimatet), Billardtisch und Tischkicker im Lounge-Bereich. Sogar ein Fitnessraum findet unter dem Klostergewölbe Platz. In den Einzelzimmern mit eigenem Bad liegt ein Bonbon auf dem Kopfkissen. Und im ausgebauten Dachstuhl des Zehentstadels können sich die Gedanken der Schüler frei entfalten. Am liebsten würde man gleich selbst einziehen.

„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“, zitierte Bezirkstagspräsident von Oberbayern ­Josef ­Mederer Benjamin Franklin zur Feier der nun abgeschlossenen Sanierung. Besonders herausfordernd war die Maßnahme am Zehentstadel aus dem Jahr 1554. Im ehemaligen Jesuitenkloster wurde 1873 die Königlich landwirtschaftliche Kreiswinterschule gegründet. Und 1878 kam die Ackerbauschule dazu – der Name, der nach knapp 140 Jahren bis heute hängengeblieben ist, selbst wenn es seit 2001 Agrarbildungszentrum heißt.

Ganz billig ist die zehnjährige Sanierung der Gebäude für den Bezirk Oberbayern nicht gewesen, gibt Mederer zu: Kostete das Internatsgebäude samt Speisesaal noch schlappe 2,7 Millionen, schlägt der Ostflügel samt Zehentstadel mit 8,2 Millionen Euro zu Buche. Die Sanierung sei in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege erfolgt, berichtet ­Mederer. Wie immer bei Altbausanierungen seien archäologische Fundstücke aufgetaucht: Knochen und Keramikscherben. Aber auch bauliche Wunder wurden entdeckt: Die Säulen trugen den Bau jahrhundertelang – ohne Fundament auf bloßem Lehm. Alle Maßnahmen fanden bei laufendem Betrieb und somit auch unter starker Lärmbelastung der Lehrenden und Lernenden statt. Jetzt wird es wieder ruhig.

Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner betrachtete die Fotos von Bau und Fertigstellung „mit Angst und Neid“. Neid, dass die Sanierung fertiggestellt sei, Angst, wenn er die Kosten betrachte. Denn hinter der Küchenwand beginne der städtische Bereich und da beginne nächstes Jahr der Bau. Neuner sieht dafür bereits die ironisch als „innig“ bezeichnete „Freundschaft zwischen Architekt und Denkmalpfleger voraus, wenn es um Aufzüge oder Fluchtwege geht“. Hingegen freue er sich, wenn die „Kreisumlage über die Bezirksumlage doch wieder zurückkommt“. Der Bezirk habe ja auch in das Klinikgebäude investiert. „Aber wir sind immer offen für weitere Beiträge.“

Der für die Sanierung des Stadels verantwortliche Architekt Martin Hirner bestätigte die gelungene Maßnahme, selbst wenn Altbausanierung immer „ein Ratespiel ist, bei dem das Prinzip Hoffnung bestimmt – auch was die Kosten angeht.“ Das Fundament wurde mittels Paraffininjektionen trockengelegt, im Erdgeschoss gibt es eine Fußboden- und Wandheizung, Glaswände im Gewölbe wahren Offenheit. Die vormals vielen kleinen Zimmer im Stadel wurden zugunsten eines großen Raumes aufgelöst. ­Denkmalschutz ist Hirner ein wichtiges Anliegen. Denn In alten Gebäuden stecke die größte Energie.

Neben der Einweihungsfeier öffnete am Wochenende das Bildungszentrum seine Tore für die Öffentlichkeit: Besucher konnten kluge Kühlschränke bewundern, im Labor selbst pipettieren sowie Informationen zu den Ausbildungsberufen einholen. Und neben der großflächigen Landmaschinenausstellung lockte den Mutigen ein Kranflug in die strahlende Herbstsonne. In luftige 45 Meter Höhe.

Susanne Greiner

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