Akte Jesus neu aufgerollt

Das hohe Gericht tagt im Sitzungssaal des Dießener Rathaus: Bei der Pressekonferenz stehen als Gesprächspartner zur Verfügung (von links) Nicolai Setoodeh, Helbert Häberlin, Bürgermeister Herbert Kirsch, Jürgen Gerum, Andreas Kloker, Gabi Fischer, Katalin Fischer, Yasmin Afrouz, Eva Lüps und Bettina Balk. Foto: Bentele

„Ich eröffne die Sache Jesus von Nazareth, ein Strafverfahren, in dem es um ein Todesurteil zum Tod durch Kreuzigung eines gewissen Rabbi Jehoschua, alias Jesus, genannt der Gesalbte, also Christus, also Messias geht. – Jetzt darf die Presse Fragen stellen.“ Überrascht waren die Journalisten ob des unerwarteten Auftritts vom Hohen Gericht: Richter, Staatsanwalt, Verteidiger eröffneten die Pressekonferenz im Dießener Rathaus, die Katalin Fischers neues Theaterstück „Schuld – Wiedervor-lage der Akte Jesus“ vorstellte. Die aktuelle Produktion der Virtuellen Companie mit Sitz im Dießener Ortsteil Dettenschwang feiert zweimal Premiere: am Ammersee und am Starnberger See.

Kein geradliniges Stück habe sie geschrieben, erklärt Katalin Fischer, sondern ein Drama, in dem sich verschiedene Realitäten kreuzen. Sie will die „Akte Jesus“ neu aufrollen. Die Ereignisse vor nahezu 2000 Jahren eignen sich für ein Gerichtsdrama, ist sie sicher. Angeregt wurde die Journalistin, Schauspielerin und Regisseurin durch ein Interview mit Christian Stückl. Fasziniert hätte sie vor zwei Jahren die Passionsspiele Oberammergau verlassen, begeistert von Stückls unkonventioneller und frischer Art mit dem historischen Stoff modern umzugehen. „Es hat mir keine Ruhe gelassen“, berichtet die stark von Recherche lebende Autorin, dass ihr dann das Buch „Der Prozess Jesu aus Sicht des Jüdischen Rechts“ von dem Historiker Chaim Cohn in die Hände fiel, der „mit großer Genauigkeit die Indizien um den Schuldspruch zerpflückt“ auf dem Weg zu den Überlegungen welcher Vergehen Jesus eigentlich angeklagt wurde. Waren die „Taten“ strafrechtlich greifbar, wer zog die Fäden? Juden, Römer, Pharisäer? – Sie las auch die Bibel, „und dann erstickte ich in einer Flut von Literatur.“ Ein Jahr Quellenforschung zeigte Fischer, „dass die Akte Jesus den Stoff für ein neues Gerichtsdrama bietet.“ Katalin Fischer beruft sich auf diese Quellen, „ich habe nichts erfunden.“ Mit ihrem Theaterstück möchte sie erreichen, „dass die Menschen Lust kriegen, selber nachzulesen“. Ihr zentrales Anliegen ist es, das Publikum zur Erkenntnis zu bringen, „wie schnell die Wahrheit ans Kreuz geschlagen wird – trotzdem müssen wir immer weiter nach ihr suchen. Wir müssen die Menschen anstiften zur Wahrheitssuche – man muss selber denken wollen können.“ Das Stück bewegt sich auf drei Ebenen: Das Hohe Gericht, das historische Figuren in den Zeugenstand ruft, tritt streng in schwarz und weiß auf. Es wird kontrastiert vom munteren Passionsvolk, das wie „bunte Streiflichter“ die Ereignisse zur Zeit Jesu quasi einblendet. Die dritte Ebene sind Kunstfiguren: Der Mann und der Joker. Beide streuen mit ihrem Subtext zeitgemäße, avantgardistische und kritische Perspektiven ein. Geprobt werde derzeit auf Hochtouren, berichten die Schauspieler der Virtuellen Companie, einer Theatertruppe, die aus dem Wagen-Schmierentheater sowie dem Faust und Feen Theater von Katalin Fischer hervorging und seit 25 Jahren aktiv ist. Bekannte Darsteller von Münchner Bühnen sind dabei. „Schuld – die Wiedervorlage der Akte Jesus“ wird aufgeführt: Im Traidtcasten Dießen am Samstag, 22. September, Sonntag, 30. September, Beginn immer 20 Uhr. Tickets im Vorverkauf bei der Buchhandlung Oswald in Dießen, Platzreservierung bei Katalin Fischer, Telefon 08807/7228.

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