Anpacken statt zusehen

Aktion gegen den Fachkräftemangel

+
Beim Schnuppertag der 6. Klasse dürfen die Schüler richtig anpacken. Die Azubis stehen ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Landsberg – 20 Sechstklässler der Johann-Winklhofer-Realschule bohren, feilen und schleifen. Was sich nach ganz gewöhnlichem Werkunterricht anhört, ist tatsächlich ein ganz besonderes Projekt: „come with(me)“ hilft seit zehn Jahren jungen Menschen auf dem Weg zu ihrem Traumberuf. Was genau es mit diesem Projekt auf sich hat, haben nun Schüler, Auszubildende und Lehrer vorgestellt.

„Ihr seid unser bestes Aushängeschild“, erklärt iwis-Geschäftsführer Ulrich Bach seinen Azubis. Schließlich repräsentierten sie das Unternehmen auch im Ausland, wie etwa den USA oder China. Um allerdings auch genügend Nachschub an Auszubildenden zu haben, müssen als Unternehmen heutzutage ziemlich anstrengen: Thema Fachkräftemangel. Den spürt auch die Landsberger Firma iwis. „Wir bekommen schon deutlich weniger Bewerbungen als früher“, erklärt Ausbilder Sascha Rill. Das von dem Bayerischen Unternehmensverband Metall und Elektro gesponserte Projekt „come with(me)“ soll dem entgegenwirken und für eine gelebte Berufsorientierung sorgen. Von der fünften bis zur neunten Klasse gibt es verschiedene Projekte und Angebote, bei denen die Schüler in die Welt der Technik hineinschnuppern können.

Und so kommt es, dass 20 Sechstklässler einen Tag in den Produktionshallen verbringen dürfen. Nur zusehen ist aber nicht. Selbst anpacken lautet die Devise. Dabei entstehen dann zum Beispiel Tischventilatoren, Geschicklichkeitsspiele oder Werke aus dem 3D-Drucker. Den Schülern scheint das gut zu gefallen. „Es ist klasse, wenn man am Ende des Tages sieht, was dabei herauskommt und man auch was in den Händen hält“, berichtet die Auszubildende Simone, die zuvor als Schülerin ebenfalls durch „come with (me)“ auf den Beruf der Industriemechanikerin aufmerksam geworden ist.

Was allerdings auffällt: Unter den jungen Nachwuchskräften in der Werkshalle sind nur vereinzelt Mädchen zu sehen. Deshalb gibt es im Zuge des Projekts auch einen Girls Day. Aber warum entscheiden sich so wenige Mädchen für einen Beruf im Bereich Technik? Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro, erklärt das so: „Da sind begabte junge Mädels und die machen dann einen sozialen Beruf, weil´s halt immer schon so war.“

Ein Beispiel, dass die Schülerinnen locker mit ihren männlichen Kollegen mithalten können, ist die Auszubildende Simone. Sie ist jetzt im zweiten Lehrjahr. Wie sie dazu gekommen ist? Über den Girls Day. „Das hat mir damals super gefallen.“ Allerdings habe sie schon Zweifel gehabt: „Kann ich das als Mädchen? Kann ich da mithalten?“ Ihre Antwort nach zwei Jahren Ausbildung: „Ein Mädchen kann es super schaffen.“

Neben dem Schnuppertag und dem Girls Day gibt es für die neunten Klassen auch noch eine dreitägige Aktion. Für viele Schüler ein Höhepunkt, wie die Lehrerin Meier-Pomp berichtet. Drei Tage dürfen sich 15 Schüler voll und ganz einem Projekt hingeben. Beim letzten Mal war es der Bau eines kleinen Elektromotors. Und den haben die Schüler tatsächlich von Grund auf selbst gebaut – mit Hilfe der Azubis. Für einen der Schüler, der daran teilnahm, ein beeindruckendes Erlebnis: „Es ist schon toll, wenn man am Ende seinen eigenen Elektromotor in den Händen hält.“

Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Landsbergs Stadthistoriker Anton Lichtenstern ist tot
Landsbergs Stadthistoriker Anton Lichtenstern ist tot
Landkreis Landsberg: 50-Jähriger für Besitz von 5.000 Kinderporno-Dateien verurteilt
Landkreis Landsberg: 50-Jähriger für Besitz von 5.000 Kinderporno-Dateien verurteilt

Kommentare