Protest gegen den Protest

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Kaum war das vielen Bürgern zu braun angehauchte U in Heimatschutz mit einem A überklebt, schien die Sonne über dem Ammersee-Westufer mit dem „Heimatschatz“ Holzhausen. Die Protestaktion könne nun deutlich „romantischer“ weitergehen, so die Initiatoren.

Utting-Holzhausen – Was ein einziger Buchstabe ausmachen kann! Als nach dem vielfach geäußertem Unmut gegen das Wort „Heimatschutz“ auf Plakaten und Bannern gegen das geplante Polizeibootshaus in der Holzhauser Bucht über Nacht „Heimatschatz“ wurde, ging sogar die Wintersonne auf und glättete die Sorgenfalten der verärgerten Bürger. So wie bei Franz Wegele vom Vorstand der Grünen Alternativen Liste (GAL) in Utting.

Auch ihm und seinen Partei­freunden ist es ein Anliegen, dass der über 100 Jahre alte „Schatz“ Holzhauser Bootssteg nicht mit dem geplanten Polizeibootshaus verschandelt wird. Aber ihm missfiel die Wortwahl „Heimatschutz – Keine Polizeistation“ auf den Protestplakaten. Rund ein Dutzend davon wurden gut sichtbar entlang dem Ammersee-Westufer an der Staatsstraße St2055 zwischen Dießen und Schondorf sowie im Bereich Utting-Holzhausen aufgestellt, zum Teil auf Anhängern.

„Gibt es denn kein anderes Wort für einen ortsansässigen bodenständigen Verein?“ gab er gegenüber dem KREISBOTEN seinen Unmut kund. „Mit dem Begriff Heimatschutz werden ungute Erinnerungen an schreckliche Vorkommnisse wach. Ist das gewünscht? Sicher nicht.“ Aber der Begriff stelle alle Bootshausgegner unter Verdacht, mit solchem Vokabular einverstanden zu sein. Die vom Verein „Unser Dorf“ und von der Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ begründete Ironie könnten Wegele und seine Mitstreiter nicht nachvollziehen: „Bei diesem Wort ist Ironie völlig fehl am Platz.“

Daniel Fusban von der Initiative „dampferstegholzhausen.de“ ging auf den Protest gegen seine Plakate umgehend ein: „Natürlich sind wir bemüht, auf sensible Meinungen zu reagieren und eventuelle Verletzungen zu vermeiden.“ Deshalb habe man beschlossen, aus dem „U“ ein „A“ zu machen und damit „deutlich romantischere Töne“ zu instrumentalisieren. Fusban könne sich allerdings nicht der Auffassung anschließen, die Bevölkerung sei mehrheitlich unfähig, ironische Zwischentöne sowie „das schildbürgerhafte und von bürokratischer Macht geprägte Verhalten des Innenministeriums zu erkennen und zu werten.“

Tabus und Verbote im Sinne der geforderten Sprachhygiene lehne er aber zu Gunsten offener Diskussionen ab. Fusban hoffe nun, dass die Plakate nach der Korrektur keine weiteren Fragen offen lassen. Die Problematik des als angeblich alternativlos angepriesenen Standorts Holzhausen für das Dießener Polizeiboot müsse weiterhin kritisch hinterfragt werden. Daniel Fusban will zusammen mit dem Verein „Unser Dorf“ gegen die „sinnfreie Zerstörung unserer Heimat und die damit einhergehende Verstaatlichung“ kämpfen. Die Ausgrenzung der breiten Bevölkerung von einem mehrere Kilometer langen Uferstück stünden auf dem Spiel.

Wie mehrfach berichtet, plant das Innenministerium, zeitnah am Dampfersteg in Holzhausen ein Bootshaus für das bislang am Dießener Dampfersteg unter freiem Himmel stationierte Polizeiboot WSP7 zu bauen. Trotz Protesten der Bevölkerung und dem vom gesamten Gemeinderat geäußerten Missfallen sind die Planungen bereits in einer sehr konkreten Phase. Das Schondorfer Architekturbüro Wolf-Eckhart Lüps hat einen Entwurf ausgearbeitet, der demnächst öffentlich vorgestellt werden soll. Auf einen Antwortbrief des Innenministeriums gegen das vor Monaten geäußerte Bedenken der Gemeinde wartet Bürgermeister Josef Lutzenberger übrigens immer noch.

Dieter Roettig

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