Mit Herzblut für andere da sein

"Handwerk mit Herz" kümmert sich um benachteiligte Kinder

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Seit 20 Jahren geht es für Kinder aus dem Kinderheim St. Alban im September für drei Tage in den Europapark Rust. Möglich machen das Ernst Höss, Olga Tenschert (links stehend), Werner Tenschert (dahinter mit Brille), Franz Lanzinger (fehlt) und viele ehrenamtliche Helfer und Unterstützer von „Handwerk mit Herz“.

Landkreis – „Wir sind ein Team“, betont der pensionierte Friseurmeister Ernst Höss. Nach Hierarchien sucht man bei den Beteiligten von „Handwerk mit Herz“ vergebens. Dafür erlebt man Menschen, die mit viel Leidenschaft und Herzblut dabei sind. Benachteiligten Kindern aus dem Landkreis zu helfen, ist keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ernst Höss sowie Olga und Werner Tenschert, haben dem KREISBOTEN von den Anfängen des Vereins erzählt und was sie letztlich antreibt, anderen zu helfen.

Am 26. November feiert „Handwerk mit Herz“ sein 20-jähriges Jubiläum. Tatsächlich hat alles schon viel früher angefangen. Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung war der Startschuss für das Engagement der Landsberger Handwerker. „In unserer Partnerstadt Waldheim gab es viele junge Menschen, die man nicht in ein Ausbildungsverhältnis unterbringen konnte“, erinnert sich Höss. „Franz Lanzinger war damals Kreishandwerksmeister in Landsberg und meinte, da müsse man doch was machen.“ Gesagt, getan. Nach einem Ausflug in die sächsische Stadt, hat man quasi 50 Jugendliche eingeheimst und in Landsberg in verschiedenen Betrieben untergebracht. „Medial ist das leider völlig untergegangen. Obwohl das eine tolle Geschichte war“, bedauert Höss.

Auf nach Disneyland

Die nächsten Schritte bis zur Gründung von „Handwerk mit Herz“ waren die Handwerksmessen 1990 und 1995. Dort standen überall Spendenkassen in Herzform. Und auch der Eintritt floss dort hinein. „Keiner von den beteiligten Handwerksgewerken wollte was von dem Geld haben“, lächelt Höss. Und so habe man sich entschlossen, etwas Gutes mit dem Erlös zu tun. Genauer gesagt, wollten Höss, Tenschert und Lanzinger – quasi die Männer an vorderster Front – benachteiligten Kindern aus dem Landkreis helfen. Und wer kann Kindern ein größeres Strahlen in die Augen zaubern als Mickey Mouse & Co? Mit 50 Kindern der Lebenshilfe, Regens Wagner Holzhausen und dem Kinderheim St. Alban ging es deshalb ins Disneyland Paris.

Für die Initiatoren war klar, dass man gerne regelmäßig solche Aktionen durchführen möchte. „Wir wussten, mit unseren Mitteln können wir viel mehr machen.“ 1999 wurde der Verein „Handwerk mit Herz“ gegründet. Seitdem geht es jedes Jahr für drei Tage mit einem Bus voll Kindern von St. Alban in den Europapark Rust. „Wir dachten eigentlich, dass wir das nur zwei- oder dreimal machen können“, erzählt Werner Tenschert. Doch mittlerweile waren es eben schon 20 Ausflüge in den Freizeitpark.

„Wir müssen immer kämpfen, um die Veranstaltungen möglich zu machen“, meint Höss. Neben Rust hat „Handwerk mit Herz“ auch schon Ausflüge nach Brüssel, in den Tierpark Augsburg oder den Besuch eines Kindertheaters organisiert. Das geht natürlich ins Geld. „Wir müssen von Jahr zu Jahr schauen, ob wir wieder etwas machen können“, sagt Werner Tenschert. Dass es bisher immer geklappt hat, liegt auch an der Unterstützung durch zahlreiche Menschen. In vielen Handwerksbetrieben im Landkreis stehen die Spendeherzen. „Ich kenne einen Handwerker, der seinen Mitarbeitern den Kaffee spendiert. Die geben das Geld, dass sie normalerweise dafür ausgeben würden, in die Spendenkasse“, berichtet Olga Tenschert. Sie erzählt außerdem von einem Sicherheitsmann in Rust, der jeden Monat Geld überweist, einem Getränkemarkt, der jedes Jahr seinen Kühlschrank verleiht, damit sich die Truppe auf dem Campingplatz in Rust selbst versorgen kann, und von einem Kutschfahrer, der die Kinder im Europark kostenlos herumfährt. „Man muss sich wundern, was Menschen alles möglich machen“, freut sich Werner Tenschert.

Natürlich bekommt der Verein auch Unterstützung von Unternehmen. So auch von der VR Bank, die unter anderem den Kindern nach ihrem Besuch in Rust immer ein kleines Taschengeld spendiert. Bei der Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses im Landkreis wird „Handwerk mit Herz“ von der Sparkasse unterstützt.

Geld bleibt in der Region

Ganz wichtig ist Höss zu betonen, dass die Spenden zu 100 Prozent den Kindern zugute kommen. „Alle Beteiligten machen das ehrenamtlich. Für Verwaltungs- und andere Kosten kommen wir privat auf.“ Werner Tenschert erklät das Engagement so: „Bei uns ist jeder stolz, dabei zu sein.“ Deshalb stecke man auch gerne viel Arbeit in die Organisation der Veranstaltungen. „Wenn man die Freude der Kinder sieht, dann tut uns das sehr gut. Man weiß dann, dass die ganze Arbeit nicht umsonst ist“, erzählt Werner Tenschert. Damit auch die Spender und Unterstützer ihre Wertschätzung bekommen, schreibt Olga Tenschert jedes Jahr per Hand Dankesbriefe an alle. „Da sitze ich schonmal einen ganzen Tag dran.“ Für sie sei das aber selbstverständlich.

Anderen zu helfen, damit tut man auch sich selbst etwas Gutes. Davon sind alles drei überzeugt. Höss empfiehlt deshalb auch jedem ein Sparschwein für Zuhause. „Jeden Morgen nach dem Aufstehen, werfen Sie da ein Zehnerl oder so rein. Sie werden den ganzen Tag ein gutes Gefühl haben.“ Und egal wo das Geld dann letztlich hingehe, man würde sich darüber freuen, dass man mit so einer Kleinigkeit etwas für andere tun konnte.

Damit auch in Zukunft weitere Aktionen stattfinden können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Wer helfen will, kann mit dem Verwendungszweck „Handwerk mit Herz“ unter folgender Bankadresse der Kreishandwerkerschaft Landsberg spenden:

VR-Bank Landsberg-Ammersee

IBAN: DE64700916000

000822841
Stephanie Novy

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