"Barrierefreiheit stößt an Grenzen"

Die Stadt gestalten

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„Komm, wir gestalten unsere Stadt!“ war das diesjährige Motto des „Europäischen Protesttages zur Gleichstellung behinderter Menschen 5. Mai“.

Landsberg – „Was ist das hier eigentlich?“, fragte sich heute mancher Passant auf dem Landsberger Hauptplatz. Und einige stellten diese Frage auch denjenigen Personen, die sich rund um den aufgebauten kleinen Pavillon versammelt hatten. Die Antwort lautete immer gleich: Es ist der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai“. Bereits zum 19. Mal beteiligte sich auch der Beirat für Menschen mit Behinderung im Landkreis daran.

Ziel dieses Tages sei es, auf die Situation von Menschen mit Behinderung im Landkreis aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können, betonte Behindertenbeauftragte Barbara Juchem. Zum Stand vom 31. Dezember 2016 lebten insgesamt 10.691 Menschen mit Behinderung im Landkreis.

Seit 25 Jahren engagieren sich im Beirat für Menschen mit Behinderung ehren- und hauptamtliche behinderte und nichtbehinderte Menschen. Ihr Ziel: Das Thema „Leben mit Behinderung“ in die Öffentlichkeit zu bringen und für gleichberechtigte Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung einzutreten. Zum „Protesttag“ am 5. Mai unterstützt auch die Aktion Mensch die verschiedenen Projekte und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Engagement in allen Orten zu bündeln. Deshalb steht der Tag auch jedes Jahr unter einem anderen Motto. Heuer: „Komm, wir gestalten unsere Stadt“.

Ganz wörtlich nahmen das, laut dem Geschäftsführer des Beirats für Menschen mit Behinderung Hans-Peter Bichler, am Freitag auch Schulklassen. Sie malten und gestalteten am Vormittag ein Plakat. Auch probierten die Schüler, einen Rollstuhl über die extra dafür aufgebaute Holzrampe zu bewegen.

Viel erreicht habe man in Sachen Barrierefreiheit aber bereits, so die Landkreis-Behindertenbeauftragte Barbara Juchem. Beispielsweise würde alle Ampeln im Stadtgebiet Schritt für Schritt mit einer Blindenausstattung nachgerüstet. Oder auch im Herkomermuseum hätte man trotz beengter Verhältnisse den Einbau einer Rollstuhl-Toilette bestmöglich gelöst. Auch die neuen Vorschriften für Gehwegmarkierungen werden umgesetzt. Beispielsweise geschehe das bei neuen Bauprojekten wie in der Johann-Arnold-Straße, der Ummendorfer Straße und der Altöttinger Straße, wie Juchem betont. Überquerungshilfen sowohl für seh- als auch für gehbehinderte Personen werden hier eingebaut.

Trotz aller Verbesserungen blieben allerdings auch noch immer Fragen, betont die Behindertenbeauftragte: Sind Busse und Bahn für alle nutzbar? Wie barrierefrei sind Freizeit-, Sport- und Kulturangebote? Können behinderte Kinder und Jugendliche überall mitmachen? Wo sind die Arbeitsplätze für behinderte Menschen? Wie barrierefrei sind unsere Medien?

Bei der Erreichung von Barrierefreiheit werde man außerdem immer an Grenzen stoßen und Kompromisse eingehen müssen: Denn die Natur könne niemals vollständig barrierefrei sein.

Astrid Neumann

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