Welche Gefahr geht von Kampfhunden aus?

44 Kampfhunde im Landkreis gemeldet – 2017 fünf Beißattacken auf Menschen

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Rottweiler gehören zu den Kampfhunderassen – ob das gerechtfertigt ist, darüber scheiden sich die Geister.

Landkreis – „Der tut nix. Der will nur spielen“. Ein typischer Satz von Hundebesitzern. Meist mag dieser Satz auch zutreffen. In den letzten Wochen haben sich allerdings die Vorfälle mit gefährlichen oder sogar tödliche Hundeattacken in Deutschland gehäuft. Auffällig ist, dass es sich bei den Tieren häufig um sogenannte Kampfhunde handelt. Erst vor Kurzem hat am Münchener Hauptbahnhof ein Rottweiler fünf Menschen angefallen.

Im Landkreis sind 2017 44 Kampfhunde gemeldet worden. Darunter fallen Rassen wie Rottweiler, Staffordshire Bullterrier und viele weitere. Für die Erfassung dieser Tiere sind die jeweiligen Gemeinden zuständig. Sie müssen diese Zahlen auch an das Landratsamt weitergeben, die sie wiederum an die landesweiten Behörden leitet.

Die Gemeinden führen auch „Beißstatistiken“. Im Landkreis Landsberg wurden demnach im vergangenen Jahr fünf Personen von Hunden gebissen. Dauerhafte gesundheitliche Schäden hat glücklicherweise keiner davongetragen. Außerdem wurden elf andere Tiere, hauptsächlich Hunde, gebissen.

In Landsberg gibt es einen Verein, der sich mit einer bestimmten Kampfhundrasse beschäftigt. Der Allgemeine Deutsche Rottweiler Klub wurde bereits 1999 gegründet. Der Schwerpunkt des Vereins liegt nach eigenen Angaben bei „der Erziehung und Schulung von Rottweilern und der Vermittlung des Wissens um den richtigen Umgang mit dieser Hunderasse“. Auf die Anfrage nach einem Interview bekam der KREISBOTE aber keine Rekation.

Anders als bei Astrid Moser. Die Hundetrainerin und selbst ehemalige Besitzerin von Rottweilern, kennt sich mit Kampfhunden sehr gut aus. Wobei sie diesen Begriff nicht sonderlich mag. „Kein Hund, egal welcher Rasse, wird aggressiv geboren.“ Für sie liegt das Problem eindeutig „an der anderen Seite der Leine“. Das A und O sei die Sozialisierung. Die hätten aggressive Tiere oft nie erfahren. Außerdem würde auch vielen das Wissen über den richtigen Umgang fehlen. Das Problem gebe es auch bei anderen Rassen. „Aber ein fünf Kilo schwerer Chihuahua lässt sich leichter kontrollieren als ein 50 Kilo-Rottweiler.“, gibt Moser zu bedenken. Deshalb befürwortet sie auch eine Art Hundeführerschein. Halter müssten dann zur Hundeschule und würden den richtigen Umgang mit ihrem Tier lernen. Fehler, die zu Aggressionen beim Hund führen können, wäre damit vorgebeugt.

In Bayern unterstellt der Gesetzgeber bestimmten Rassen generell eine „gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit“. In der Kampfhundeverordnung wird allerdings festgehalten, dass der Halter durch einen Wesenstest beweisen kann, dass das bei ihrem Hund nicht der Fall ist. Sie bekommen dann ein Negativzeugnis ausgestellt. Von den 44 gemeldeten Hunden, haben zehn Tiere ein solches Zeugnis erhalten. Dieses Gutachten, auch Wesenstest, wird von einem Sachverständigen, zum Beispiel einem Tierarzt mit spezieller Zusatzausbildung erstellt.

Getestet werden dabei unterschiedliche Dinge wie Leinenführigkeit, Reaktion auf gängige Kommandos und unbekannte optische oder akustische Reize. Auch das Verhalten zu dem Besitzer, fremden Menschen und Tieren wird genau beleuchtet. Wichtig ist den Behörden auch, wie der Hund gehalten wird –Zwingerhaltung oder frei – und der „Verwendungszweck“. Wie etwa, ob das Tier ein Wachhund werden soll.

Nach dem bestanden Test braucht der Halter noch die Erlaubnis der Gemeinde, den Hund halten zu dürfen. In Bayern entscheidet jede Gemeinde selbst, ob und wie viele solcher Listenhunde sie zulässt. Läuft der Test nicht einwandfrei ab, muss der Hund aber nicht zwangsläufig abgegeben werden. Es kann zum Beispiel auch ein Leinen- oder Maulkorbzwang verhängt werden, um andere Menschen und Tiere zu schützen. Aktuell ist das bei drei Hunden im Landkreis der Fall.

Stephanie Novy

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