Notfalls wird enteignet

+
Eine öffentliche Grünfläche mit Seezugang für die Allgemeinheit sehen die Planungen der Marktgemeinde zwischen Strandbadparkplatz und Seerestaurant St. Alban vor.

Dießen – Die Gemeinde Dießen hält nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanes „Seezugang St. Alban“ und nach Abwägung der dazu eingegangenen Stellungnahmen an ihrem städtebaulichen Planungsziel fest: Das Seegrundstück (8800 Quadratmeter) des Stipendienfonds der Stadt Augsburg, das sich nördlich des Strandbadparkplatzes bis zum Seerestaurant St. Alban erstreckt, wird in eine öffentliche Grünfläche mit einem Seezugang für die Allgemeinheit umgewandelt.

Der Bauausschuss hielt in seiner jüngsten Sitzung an der Planung aus dem Jahr 2012 einstimmig fest. Davon betroffen ist bekanntlich auch der Nutzungsbereich der Augsburger Seglergemeinschaft (SGA). Um ihr Ziel zu erreichen bietet die Gemeinde der Stadt Verhandlungen zum Erwerb der Flächen zu einem angemessenen Entschädigungspreis an. Ein Enteignungsverfahren wird nicht ausgeschlossen. Aus Dießener Sicht sind die verfolgten Planungsziele von so hoher Bedeutung, dass sie entgegenstehende Eigentümer- und Nutzungsinteressen aufwiegen. Alternative Flächen zur Erreichung dieses Planungszieles seien nicht vorhanden. 

Zwar gäbe es in St. Alban das öffentliche Strandbad, das allerdings nur in der Badesaison öffnet und Eintritt kostet. Das Röthelmoos, die Haller-Wiesen und die nördlich des Campingplatzes gelegenen Flächen des Landkreises seien aufgrund ihrer naturschutzrechtlichen Wertigkeit nicht als öffentliche Grünfläche geeignet, während die Seeanlage im Ortszentrum einen anderen Nutzungscharakter habe. 

Als Seegemeinde sei es dem Markt Dießen Anliegen und Verpflichtung seinen Bürgern und Gästen den See zugänglich zu machen. Auch die Campingplatznutzung auf dem Areal nördlich des Seerestaurants entspreche den städtebaulichen Zielen einer Fremdenverkehrsgemeinde. 

Nur noch geduldet? 

Die ursprünglich geplante gemeinsame Nutzung des Areals als kommunale Grünfläche, als Segelgelände und für den Bau eines Bootshauses für das Ammersee-Gymnasium sei, so die Gemeinde, an der „fehlenden Mitwirkungsbereitschaft“ der Augsburger Segler gescheitert, deren Forderungen seien mit den Planungszielen des Marktes nicht in Einklang zu bringen. 

Für die Wassersportanlage des Gymnasiums ist mittlerweile ein Landkreisgrundstück weiter nördlich vorgesehen, der SGA wird bis zum Auslaufen des Erbpachtvertrags mit der Stadt Augsburg im Jahr 2050 eine Duldung in Aussicht gestellt, falls sie danach Eigentum und Nutzung an Dießen übergibt. Für das Vereinsheim gibt es aus Sicht der Gemeinde keinen Bestandsschutz. 

Begrüßt wird die öffentliche Grünfläche in St. Alban vom Bund Naturschutz. Die Ortsgruppe Dießen verspricht sich davon mehr Schutz für das von Bootstransporten und Bootslagerungen bereits beanspruchte natürliche Kiesufer mit Quellflora. Der Landkreis hatte zum Bebauungsplan mitgeteilt, dass der Pächter des Campingplatzrestaurants auf einem Teil der Grünfläche einen Bier- oder Wirtsgarten plant. Auch dieses Vorhaben lehnte der Ausschuss ab. Zum widerrechtlichen Betrieb im vergangenen Sommer läuft bereits ein Verfahren bei der Unteren Baubehörde. 

In den Planentwurf aufgenommen wurde hingegen die Anregung des Segelclubs Landsberg, die Nordgrenze des Plangebiets zehn Meter südwärts zu verschieben, um die Zufahrt und die befestigten Flächen südlich des Restaurants später separat zu erfassen. Wegen dieser Änderung wird nun der Bebauungsplan „Seezugang St. Alban“ erneut ausgelegt.

Ursula Nagl

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Himmel oder Hummel
Himmel oder Hummel

Kommentare