Kampfabstimmung

Hauen und Stechen im BRK-Kreisverband

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Der neue Vorstand des BRK-Landsberg: Schatzmeister Roland Böck, Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner, 1. Vorsitzender Alex Dorow sowie seine beiden Stellvertreter Christian Hess und Johannes Erhard (von links).

Landsberg – Im Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) brodelt es – das wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung am Freitag im Landratsamt deutlich. Nach einer Kampfabstimmung übernahm CSU-Landtagsabgeordneter Alex Dorow das Amt des 1. Vorsitzenden.

Ein neuer Vorstand war zu wählen, und schon in seinen einleitenden Worten sah sich der scheidende Vorsitzende Franz-Xaver Rößle zu dem Aufruf bemüßigt, „dass wir die Wahlen fair und anständig über die Bühne bringen“. Als seinen Nachfolger hatte Rößle den Landsberger CSU-Landtagsabgeordneten Alex Dorow vorge­-schlagen – und sich prompt den Vorwurf der Manipulation eingehandelt. Diesen Vorwurf habe er in einem Brief an die Mitglieder entkräften können, so Rößle. „Das ist jetzt beigelegt und erledigt.“ Er sehe es als seine Pflicht an, einen guten Vorschlag für seine Nachfolge zu präsentieren.

Der Leiter der Rechtsaufsicht im Landratsamt, Andreas Graf, der den Wahlvorbereitungsausschuss geleitet hatte, nahm ebenfalls zu im Vorfeld geäußerter Kritik Stellung. Offenbar war bemängelt worden, dass die Namen der Bewerber vorab bekanntgegeben worden waren – und dass BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner sowie Kreisbereitschaftsleiter Georg Kobschätzky an der Ausschusssitzung teilgenommen hatten. Die Vorgänge sollten transparent sein, unterstrich Graf. „Der Wahlvorbereitungsausschuss tagt nicht hinter verschlossenen Türen.“ So sei auch die Bekanntgabe der Wahlvorschläge zu verstehen. Lediglich Wahlwerbung dürfe der Ausschuss nicht betreiben und habe dies auch nicht getan.

Solchermaßen eingestimmt, nahmen die fast 200 Anwesenden die Vorstellung der Kandidaten zur Kenntnis. Alex Dorow verwies unter anderem darauf, dass er als Mitglied im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags das BRK politisch vertreten könne. Schwierigkeiten innerhalb des Kreisverbandes müsse man am Runden Tisch ausräumen. Wie im Laufe des Abends mehrfach angemerkt wurde, gibt es offenbar Spannungen zwischen den ehrenamtlichen und den hauptamt­lichen Kräften.

„Ich habe schon mein halbes Leben beim BRK Landsberg verbracht“, konnte Dorows Gegenkandidat Dr. Tobias Christ­mann ins Feld führen. Der Diplompädagoge und Arbeitspsychologe kam als Zivildienst­- leistender zum Rettungsdienst und wurde später Ausbilder.

"Fehlbesetzung"

Aus der Versammlung kamen unumwundene Fragen an die beiden Bewerber. Christmann mache kein Hehl daraus, dass er Andreas Lehner als Kreisgeschäftsführer für eine „Fehlbesetzung“ halte und ihm aus dem Weg gehe, sagte ein Teilnehmer. „Wie soll da die Zusammenarbeit funktionieren?“ Christmann antwortete ebenso unumwunden, dass er zu Lehner seit einem Jahr keinen Kontakt habe. „Wir werden uns arrangieren können. Mir geht es nicht um Einzelfeindschaft. Von Alex Dorow wollte ein Mitglied wissen, ob er neben seiner Landtagsarbeit überhaupt genug Zeit für das BRK haben werde. Er werde so viel Zeit aufbringen wie nötig, entgegnete Dorow lapidar. Sonst müsse er eben manches delegieren. Die Wahl, die geheim in eigens aufgebauten Kabinen vonstatten ging, fiel mit 103 zu 88 Stimmen zu Dorows Gunsten aus.

Das Amt des ersten stellvertretenden Vorsitzenden ging an Christian Hess, der sich mit 132 zu 61 Stimmen gegen die nicht persönlich anwesende Reichlinger Bürgermeiserin Margit Horner-Spindler durchsetzte. Zwei­- ter Stellvertreter wurde der Penzinger Bürgermeister Johannes Erhard. Er bekam 119 Stimmen gegenüber 73 für seinen Gegenkandidaten, den SPD-Kreisvorsitzenden Dr. Albert Thur­ner. Schatzmeister wurde Roland Böck, Vorstandsmitglied der Sparkasse Landsberg-Dießen. Zum BRK-Chefarzt wählte die Versammlung den Kauferinger Allgemeinmediziner Dr. Tim Voegele. Justitiar wurde Michael Erl, hier unterlag der bisherige Amtsinhaber, Franz-Xaver Rößle.

"Über Erwarten gutes Ergebnis"

Wirtschaftlich steht das BRK Landsberg nicht schlecht da. „Ein über Erwarten gutes Ergebnis“ präsentierte der scheidende Vorsitzende Franz-Xaver Rößle am Freitag in seinem Rechenschaftsbericht 2012. Der erwirtschaftete Überschuss des BRK-Kreisverbandes liege bei voraussichtlich 200000 Euro. Dazu beigetragen hätten unter anderem die sozialen Dienste, die Ausbildung und auch das Sonderengagement bei der Be­­treuung der im Landkreis untergebrachten Asylbewerber. Rückläufig sei allerdings der Bereich der Blutspenden.

Erfreut vermeldete Rößle auch: „Wir haben praktisch keine Schulden.“ Der Überschuss werde den Rückstellungen für die Sanierung der Gebäude in der Ehrenpreisstraße zugeführt. Was im BRK Landsberg fehle, sei der Bereich der stationären Pflege. Ob man sich bei der Stadt als Pflegepartner für den Neubau am Heilig-Geist-Spital bewerbe, müsse geprüft werden. Wie berichtet, läuft gerade das sogenannte Interessenbekundungsverfahren.

Derzeit gehören dem BRK-Kreisverband Landsberg laut Rößle 3420 ehrenamtliche und 164 hauptamtliche Kräfte an. Außerdem unterstützen 10765 Fördermitglieder den Verband.

Ulrike Osman

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