Füße hochlegen? Nein danke!

Alfred Geyer beendet seine Polizeilaufbahn – Als Ruheständler möchte er sich weiter engagieren

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Alfred Geyer geht in den Ruhestand – nach 46 Jahren.

Landsberg – „Ich bin mit Leib und Seele Polizist.“ Und das merkt man dem Dienststellenleiter der Landsberger Polizei Alfred Geyer auch an, wenn er über seine Arbeit spricht. Seit 46 Jahren ist er jetzt im Dienst, die letzten 13 davon in Landsberg. Am 29. November räumt Geyer seinen Posten und wird im Historischen Rathaus offiziell in den Ruhestand.

„Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es passt“, sagt Geyer über seine Entscheidung Polizist zu werden. Er habe als Jugendlicher natürlich noch gar nicht einschätzen können, was ihn in diesem Beruf alles erwartet, letztlich hat er wohl alles richtig gemacht. Was er besonders an seinem Beruf mag? „Er ist abwechslungsreich und man ist nahe an den Menschen dran.“ Man habe mit den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zu tun – vom Bettler bis zum Manager eines Unternehmens treffe man auf viele verschiedene Persönlichkeiten. Dabei habe er es nicht nur mit Verbrechern zu tun gehabt, sondern auch viele gute Menschen kennenlernen dürfen.

Genauso ist es auch mit den Erfahrungen, die er über die lange Zeit gemacht hat. Da gibt es unschöne Erinnerungen, die sich „im Kopf verankert haben“. Wie zum Beispiel relativ am Anfang seiner Karriere. Als Geyer noch bei der Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck gearbeitet hat, kam es eines Tages zu der Situation, dass er einem Verdächtigen ganz alleine gegenüberstand. Dieser hatte die ganze Zeit seine Hände in den Manteltaschen. Später stellte sich heraus: Der Mann hatte einen geladenen Revolver in der Tasche, den Finger die ganze Zeit am Abzug. „Als wir ihn gefragt haben, warum er nicht geschossen hat, meinte er, das wüsste er auch nicht“, berichtet Geyer. Ein Schockmoment. „Ich bin dankbar, dass ich heute noch hier sitze.“

Auch eine Schießerei in Geltendorf wurde zum einschneidenden Erlebnis. Damals ist ein junger Kollege von einer Kugel getroffen worden. Trotz Schutzweste erlitt er schwere innere Verletzungen. Wenn der 62-Jährige über diese Erlebnisse spricht, merkt man ihm an, dass diese Vorfälle ihm auch heute noch nahe gehen.

Nichtsdestotrotz vergisst Geyer auch nicht die schönen Momente während seiner Laufbahn. Und davon habe es auch viele gegeben, berichtet er mit einem großen Lächeln im Gesicht. Vor allem das Ruethenfest scheint es ihm angetan zu haben. „Es ist einfach klasse, diese zufriedenen Kinderaugen zu sehen.“ Er, und auch die gesamte Dienststelle, freue sich immer auf diesen besonderen Termin. Aber im nächsten Jahr wird er das Familienfest dann wohl nur noch als Zivilist besuchen. Nach mehr als vier Jahrzehnten beendet er seine Laufbahn im aktiven Dienst.

Den Laden am Laufen halten, ein offenes und gerechtes Betriebsklima schaffen und für die Sicherheit der Bürger sorgen. So beschreibt Geyer seine bisherigen Aufgaben. Er möchte, dass „jeder ruhig schlafen kann“. Und das könnten die Bürger im Landkreis auch. Trotz mehr Arbeit durch die wachsende Computerkriminalität oder Geflüchteten seit 2015, seien die Menschen sicher. Es gebe keine Angsträume oder Brennpunkte.

Der gebürtige Franke hat seine Ausbildung in Nürnberg absolviert, anschließend ging es nach Wolfratshausen. Am längsten, insgesamt 20 Jahre, war er bei der Kripo in Fürstenfeldbruck. Dort hat er als „waschechter Kriponese“, wie er sich selbst bezeichnet, unter anderem das neu gegründete Wirtschaftskommissariat mit aufgebaut und auch gleich die Leitung übernommen.

Im März 2005 kam er dann nach Landsberg. Und hier hat es ihm so gut gefallen, dass er sogar zweimal seinen Ruhestand um jeweils ein Jahr verschoben hat. „Früher habe ich mir wie so viele andere gedacht: Ich? Länger arbeiten? Im Leben nicht!“, gibt Geyer zu. Aber die Arbeit habe ihm einfach Spaß gemacht und die Akzeptanz der gesamten Dienststellen hatte er auch. Und weil seine Gesundheit ebenfalls mitgespielt hat, habe er sich eben dazu entschieden noch ein paar Dienstjahre dranzuhängen.

„Aber irgendwann reicht´s auch mal“, erklärt Geyer. Einen Nachfolger für die Dienststellenleitung gibt es schon, nur der Name ist noch nicht offiziell bekannt. Aber einen Ratschlag gibt es trotzdem schonmal vom Vorgänger: „Mensch bleiben.“ Das ist für Geyer mit das Wichtigste.

Sorge, dass es ihm langweilig werden könnte, hat der baldige Ex-Chef nicht. Zunächst einmal gibt es am Haus einiges zu tun. Außerdem hat Geyer viele Hobbies: In die Berge gehen, joggen, schwimmen oder auch malen. In seinem Büro hängt sogar ein Werk von ihm. Motiv: Landsberg. Natürlich. Für solche Dinge fehlte ihm aufgrund er vielen Arbeit bisher die Zeit und Muse.

Aber neben seinen Hobbies, will Geyer sich auch weiterhin für andere einsetzen. „Zu einem Ehrenamt würde ich nicht ‚nein‘ sagen.“ Für ihn komme Füße hochlegen nämlich absolut nicht in Frage.

Stephanie Novy

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