"Er war für uns alle immer präsent!"

Ein charismatischer Mensch, vorbildlicher Unternehmer und sozial engagierter Menschenfreund ist am Freitag zu Grabe getragen worden. Sechs Tage nach seinem plötzlichen Herztod im Alter von 65 Jahren fand Manfred Hirschvogel auf dem Friedhof in Denklingen die letzte Ruhe. Lauter noch als die Würdigung, die der Verstorbene durch die Ansprachen von Angehörigen und Freunden erfuhr, sprach die enorme Anteilnahme der Trauergäste. Rund 2500 Menschen waren erschienen, um von Manfred Hirschvogel Abschied zu nehmen.

Da die Dorfkirche St. Michael dem Andrang nicht gewachsen war, hatte man im Außenbereich Bänke unter einem Fallschirm als Sonnenschutz aufgestellt und übertrug den Trauer­gottesdienst auf zwei große Außenleinwände. Bis ins Detail perfekt organisiert, war sogar an Gratisgetränke gedacht worden, die den Trauernden den Aufenthalt in der Hitze angenehmer machten. In der vollbesetzten Kirche schmückte eine rote Rose ein schwarz gerahmtes Bild Hirschvogels. Der Denklinger Pfarrer Oliver Grimm und sein Schongauer Kollege Bernhard Mooser zelebrierten den Trauergottesdienst gemeinsam mit Pater Henryk Bichta, dem früheren Denklinger Pfarrer Jakob Zeitl­meir und Monsignore Erwin Albrecht, kirchlicher Beauftragter beim Bayerischen Rundfunk. Dort arbeitet Hirschvogels Lebensgefährtin Elisabeth Malzer, mit der ihn eine zweijährige Beziehung verband. „Er hat Großes aus seinem Leben gemacht und viel Schweres getragen“, so Grimm über den Verstorbenen. Da war die Verantwortung für die Hirschvogel Holding („Seine Firma war sein Leben.“), da war der Unfalltod seines erst 19-jährigen Sohnes Frank vor vier Jahren („An dem Leid zerbrach seine Ehe“). Grimm zeichnete auch das Bild eines lebensfrohen Manfred Hirschvogel, der ein guter Skifahrer war, Gedichte schrieb, guten Wein, klassische Musik und schnelle Autos schätzte. Cousin und Mit-Gesellschafter Werner Hirschvogel würdigte den Verstorbenen als „wunderbare Persönlichkeit“. Der kommissarische Geschäftsführer der Hirschvogel Holding, Josef Baumeister, sprach vielen aus dem Herzen, als er sagte: „Ein Albtraum ist Realität geworden.“ Es herrschten Angst, Leere und Unsicherheit, wie es ohne Manfred Hirschvogel weitergehen solle, „der doch für uns alle immer präsent war“. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Anton Stahl erinnerte an den Unternehmer als einen Chef, der den Mitarbeitern glaubhaft vermitteln konnte, dass ihm alle gleich wichtig waren. Seine Tür habe immer jedem offengestanden, „er war der Lenker, Denker und Ansprechpartner für alle“. Zutiefst getroffen zeigte sich auch Stefan Witt als Vertreter des Industrieverbands Massivumformung. Hirschvogel habe welt­- weit große Anerkennung genossen, „seine Bescheidenheit und Fachkompetenz waren uns Vorbild, er hat zusammengeführt und vermittelt und uns das Gefühl gegeben, eine einzige große Familie zu sein“. Die Lücke, die Hirschvogel in den Führungsgremien der Bran­chen­verbände hinterlasse, sei kaum zu schließen. Weilheim-Schongaus Landrat Friedrich Zeller sprach im Namen der Kommunalpolitik, besonders des Landsberger Landrats Walter Eichner und der Denklinger Bürgermeisterin Viktoria Horber. Hirschvogel habe Menschen mit wenigen Worten und leisen Tönen gewinnen können. Er habe viel zum Wohlstand der Region beigetragen. „Und doch hat ihn der Erfolg nicht verführt, er ist immer auf dem Boden geblieben.“ Seit 14 Jahren war Hirschvogel Mitglied des Lions Clubs Schongau-Pfaffenwinkel, wo sein Verlust tief empfunden. „Manfreds Tod hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagte Präsidentin Ulrike Ramsauer. Hirschvogel, obwohl der mit Abstand größte Unternehmer unter den Mitgliedern, habe sich frei von Standesdünkel sozial engagiert. „Er freute sich darauf, nun Zeit für Dinge zu haben, die ihm Freude machten“, so Ramsauer. „Das alles soll nun nicht sein. Der Tod ist grausam und unerbittlich.“ Hirschvogel hinterlässt seinen 25-jährigen Sohn Marc, seine Lebensgefährtin und seine 91-jährige Mutter Emma. "Dann sind Sie der Chef!" „Was passiert, wenn Dir etwas zustößt?“ Oft habe er Manfred Hirschvogel in den vergangenen Monaten diese Frage gestellt, erinnerte sich Josef X. Baumeister, Chief Financial Officer (CFO) der Hirschvogel Holding GmbH, in seiner Trauerrede. „Seine lockere Antwort war immer: ,Herr Baumeister, wo ist das Problem? Dann sind Sie der Chef.“ So ist es nun gekommen. Seit dem Tod Hirschvogels ist Baumeister kommissarischer Geschäftsführer des Unternehmens, für das beide gemeinsam erst im Februar ein neues Leitbild erarbeitet hatten. Demzufolge soll die Firma ein wirtschaftlich und finanziell un­abhängiges Familienunternehmen bleiben, das erfolgreich und dynamisch weiter wächst und für eine menschliche Leistungskultur steht, die hohen Respekt vor jedem Individuum und der Umwelt lebt. „Dieses Leitbild ist mir Vermächtnis und Auftrag“, versprach Baumeister. 1938 wurde das Unternehmen als Hammerwerk mit zu­nächst fünf Mitarbeitern von den Brüdern Willy, Anton und Hans Hirschvogel gegründet. Willy Hirschvogels Ehefrau Emma, damals 19 Jahre alt, arbeitete von Anfang an in der Geschäftsführung mit. Während des Zweiten Weltkriegs werden Teile für Flugzeugfahrgestelle geschmiedet. Nach dem mühsamen Wiederaufbau nach Kriegsende schmiedet man Teile für Landmaschinen, Anfang der 50er Jahre die ersten Getriebe und Nockenwellen für die Automobilindustrie. Unaufhaltsam das nun folgende Wachstum: 1955 übersteigt der Umsatz erstmals die Millionen-, 1969 die Zehn-Millionen-Grenze. Technisch wandelt sich das Werk, das in­zwischen Produktionshallen an seinem heutigen Standort an der B17 eröffnet hat, von der Hammer- zur Pressenschmiede. Manfred Hirschvogel, 1944 geboren, macht 1964 Abitur, studiert Physik in Stuttgart und steigt 1972 in die Firma ein. Unter seiner Führung beginnt 1988 die Internationalisierung des Unternehmens mit der Gründung eines Tochterwerks im amerikanischen Columbus/Ohio. Heute ist Hirschvogel ein weltweit operierender Automobilzulieferer auf dem Gebiet der Massivumformung von Stahl und Aluminium sowie anschließender Bearbeitung. Neben dem Stammwerk in Denklingen und der Niederlassung in den USA existieren Werke in Marksuhl und Schongau sowie in China, eine Beteiligung in Brasilien und Joint Ventures in Indien und Polen. Der konsolidierte Jahresumsatz der Gruppe – ohne Beteiligungen – liegt bei nahezu 400 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, 1700 davon in Denklingen und 600 in der Komponenten GmbH in Schongau.

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