Interkulturell beim Frühstück

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Das „Interkulturelle Frühstück“ im „Kratzertreff“ kommt an, denn dort können alle Frauen beim gemeinsamen Miteinander voneinander lernen.

Landsberg – „Frauen-Treff, interkulturell“, steht oben auf dem Flyer. Der flotte Schriftzug entspringt einem offenen Herzen: „Hier treffen sich Frauen aus allen Kulturen“, steht im unteren Bereich und dazwischen eine Reihe von Terminen, jeweils am ersten und dritten Dienstag im Monat, ab 9:30 Uhr, im „Kratzertreff“ gleich neben der Karolinenbrücke.

Worum geht es? Jedes Jahr macht das Mehrgenerationenhaus (MGH) Ehrenamtliche aus dem Landkreis stark für neue Projekte. Daraus entstanden bereits ein „Erzählcafé“, ein „Repair Café“ und ein „Café der Kulturen“. Letzteres besuchen vor allem männliche Asylbewerber, die via Internet Kontakt zu ihren Angehörigen halten. Fast nebenbei lernen sie in den Wartezeiten dann auch Deutsch.

„Wie könnte man die Frauen ansprechen?“, fragten sich die neuen SeniorTrainerinnen. Aus Erfahrungen in Auslandsurlauben wussten sie, dass Frauen gern unter ihresgleichen sind. Die Idee wurde ausgebaut, und seit August gibt es nun das Projekt „Frauen-Treff“. Frauen reden hier miteinander, tauschen sich aus. Jene, denen die deutsche Sprache noch fremd ist, lernen mit jedem Mal nicht nur neue Begriffe, sondern auch die Herzenswärme der engagierten Frauen aus dem Landkreis kennen. Sie investieren ihre Zeit – und auch ihr Geld, weil die Parkplatzsituation in Landsberg kein günstiges Verweilen über Stunden erlaubt; sie bringen von daheim Kuchen und Tomaten mit; sie kaufen beim Bäcker Semmeln und beim Bauern Eier, selbst wenn die Projektkasse den Quittungen nicht mehr gewachsen ist. Kurz: Sie bringen ihren Idealismus in vielfacher Form ein.

„Noch viel mehr könnten wir tun, wenn wir nur mehr Mittel zur Verfügung hätten“, so der allgemeine Tenor. Und darum hoffen sie auf jene, die bereit sind, die Integration aktiv zu unterstützen. Vielleicht spendet ein Bäcker die Semmeln? Vielleicht will jemand ein paar Euro gegen eine Spendenquittung eintauschen? Der Advent steht vor der Tür. Adveniat heißt „sie komme an“, zum Beispiel eine Spende.

Denn es zeigen sich bereits Erfolge. So hat sich ein kleiner Besucherinnenstamm gebildet. In der Ferienwoche waren auch die Töchter dabei, die sonst die Schulbank drücken. Sie sind sprachlich schon viel weiter als ihre Mütter. Auch die Frauen aus Afrika, dem Nahen Osten und aus anderssprachigen europäischen Ländern bringen etwas für das gemeinsame Frühstück mit. Sie helfen beim Gestalten der gemeinsamen Zeit und nehmen Neues mit Freude bereitwillig auf. Locker lachend lernt man leichter. Und das ist hier – bei aller Ernsthaftigkeit des Vorhabens – Programm.

Ein Uhrenspiel hilft die Zeit zu benennen. Ein Buchstabenspiel hilft Wörter finden. Mit Qi Gong lernt man spielend oben und unten, links und rechts kennen. Jeweils ein Dienstag im Monat ist dem ungezwungenen Miteinander, der andere dem intensiven Studium der deutschen Sprache gewidmet. Im Advent steht gemeinsames Plätzchenbacken auf dem Programm. Denn die Männer essen so gern Süßes... auch die ausländischen.

Carmen Kraus

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