Alle tanzen nach seiner Pfeife

Ein Pfiff und alle 22 Männer der zwei Fußballmannschaften schauen zu Julius Egen-Gödde. Das ist soweit nichts ungewöhnliches für einen Schiedsrichter, das Alter von Egen-Gödde dagegen schon. Schon seit drei Jahren lässt der gerade erst 16 Jahre alt gewordene Nachwuchsschiedsrichter die Akteure auf dem Rasen nach seiner Pfeife tanzen. In der vergangenen Saison kam Egen-Gödde erstmals bei den Erwachsenen in der Kreisliga zum Einsatz. Mit ein bisschen Glück könnte ihm schon bald der Sprung in die Bezirksliga gelingen.

Angefangen hat alles beim Fußballspielen beim VfL Kaufering. Bei einem Spiel von Egen-Göddes kleinem Bruder fehlten die Schiedsrichter. Also schnappte er sich die Pfeife und half aus. Das war vor drei Jahren. Seitdem war der 16-Jährige auf mehreren Schiedsrichterlehrgängen und hat viel dazugelernt. Rund 40 Herrenspiele pro Saison pfeift er inzwischen als Nachwuchsschiedsrichter. „Eigentlich ist es egal, ob man ein Spiel von Jugendlichen oder von Männern pfeift, der Anspruch für den Schiedsrichter ist immer gleich“, erklärt sein Vater Ludger Egen-Gödde. Ernsthafte Probleme gab es bei Entscheidungen des jungen Schiedsrichters noch nicht. „Ich bin mir immer ziemlich sicher, wenn ich pfeife. Die Kunst ist es, bei Maulereien ruhig zu bleiben, denn wenn man nervös wird, macht man die meisten Fehler“, erklärt der 16-Jährige. Aber die sollte er vermeiden, denn oft wird Egen-Gödde bei seinen Einsätzen von Vertretern des Fußball-Verbands beobachtet und bewertet. „Sie entscheiden dann, ob man bereit ist für die nächste Stufe“, erklärt Egen-Gödde. “Dabei spielt Glück natürlich auch eine Rolle“,ergänzt sein Vater. Pro Liga braucht man in der Regel zwei bis drei Jahre Erfahrung, um in die nächsthöhere Klasse aufzusteigen. Da die Altersbeschränkung der Schiedsrichter bei 45 Jahren liegt, werden besonders junge Talente vom Förderkader unterstützt. Auch die Familie hilft, wo sie kann. „Schon bei nur einem Spiel nimmt sein Hobby ungefähr den halben Sonntag ein“, erklärt sein Vater. „Allein für die Hinfahrt brauchen wir meistens eine Stunde“, bestätigt der junge Schiedsrichter. Zumindest aber die Fahrtkosten werden rückerstattet. Fürs Pfeifen bekommt Egen-Gödde je nach Spiel zehn bis 30 Euro. Doch nicht nur aus diesem Grund steht der 16-Jährige am Wochenende gerne mit der Pfeife auf den Fußballplätzen. „Man kommt herum, lernt viele Vereine kennen, sieht die Sportplätze und man kommt kostenlos ins Stadion.“ Berufswunsch Polizist Sein großes Vorbild ist der ehemalige Bundesliga- und Weltschiedsrichter Markus Merk. „Er ist so ziemlich der beste deutsche Schiedsrichter, den es je gegeben hat“, erklärt der 16-Jährige. Er selbst hat dagegen noch kein konkretes Ziel, wie weit er mit seinem Hobby kommen will. „Ich mach’ es, so weit es geht“, sagt Egen-Gödde. Doch zunächst steht die berufliche Zukunft im Vordergrund. Wenn der 16-Jährige mit der Schule fertig ist, will er Polizist werden. „Der Beruf ist abwechslungsreich, spannend, und man muss richtige Entscheidungen treffen. Es ist ähnlich wie beim Pfeifen.“ Fußball spielt Egen-Gödde nur noch, um fit zu bleiben. Der Part des Offiziellen macht ihm einfach mehr Spaß. Damit ist der 16-Jährige unter seinesgleichen ziemlich allein. Viele Vereine suchen händeringend nach jungen Schiedsrichtern. Egen-Gödde kann das gar nicht verstehen: „Es ist wirklich ein sehr schönes Hobby und gar nicht so dramatisch, wie man denkt.“

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