Alle unter einem Dach

In den Mannschaftsgebäuden der ehemaligen Lechrainkaserne sollen künftig die Asylbewerber des Landkreises zentral untergebracht werden. Foto: Bauch

Derzeit sind im Landkreis 49 Asylbewerber untergebracht – im Juli sollen 20 weitere folgen. Der Landkreis kommt seinen Aufgaben „gerne nach“, so Landrat Walter Eichner (CSU), jedoch hat er im Moment ein echtes Platzproblem. Im Gespräch ist bereits seit Längerem, eine Unterkunft in den Gebäuden 7 und 8 der ehemaligen Lechrainkaserne zu ermöglichen. Die Regierung von Oberbayern untersucht derzeit diese Gebäude im Eigentum der Stadt Landsberg. Und: Es liegt eine, bis dato noch unbeantwortete, Kaufanfrage der Regierung vor.

Zu wenig Platz und Unstimmigkeiten im Zusammenleben der Asylbewerber, die derzeit in Kaufering untergebracht sind, fordern schon bald eine dauerhafte Lösung für den Landkreis. „Wir sind im Gespräch mit der Regierung von Oberbayern und wollen eine Gemeinschaftsunterkunft einrichten“, so Landrat Walter Eichner (CSU). Sein Ziel sei es, zusammen mit der Stadt und der Regierung die ehemalige Lechrainkaserne als Standort zu gewinnen. „Der Staat untersucht derzeit die Kosten und arbeitet an einem Konzept“, erläutert Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt. Im Fokus stehe eine „zentrale Lösung“. Dazu gebe es schon bald Gespräche, auch mit der Stadt, welche Eigentümerin der Lechrainkaserne ist. „Derzeit wird geprüft, ob und unter welchen Maßgaben dort zwei Gebäude als Gemeinschaftsunterkunft in Frage kommen“, erklärt Ines Schatz von der Regierung von Oberbayern. Diese Prüfung beinhalte laut Stadtsprecherin Eva Schatz auch die Kostenschätzung für die Umbaumaßnahmen der Gebäude. Eine abschließende Reaktion gebe es bisher nicht, aber es liege eine Kaufanfrage der Regierung bei der Stadt Landsberg vor. „Die Investition für die Umbaumaßnahme wird wohl deutlich höher als bisher geschätzt“, so Schatz, daher ziehe die Regierung eher einen Kauf in Betracht. Voll ausgelastet Derweil hat die Regierung bereits die nächste Zuweisung von 20 Asylbewerbern an den Landkreis Landsberg kund getan. Derzeit sind allerdings nicht genügend Wohnungen vorhanden, beziehungsweise noch nicht entsprechend eingerichtet. Deshalb nahm der für das Ausländeramt zuständige Sachgebietsleiter Ernst Schilcher mit der Regierung Kontakt auf, um die Zuweisung erst Mitte Juli erfolgen zu lassen. „Derzeit sind wir voll ausgelastet“, begründet Presse­sprecher Müller diesen Vorstoß der Kreisbehörde. Außerdem gestaltet sich laut Thomas Szczepkowski, Sachgebietsleiter im Sozialamt, das Zusammenleben der 49 Asylbe­werber in der Schlesierstraße in Kaufering bereits problematisch. Mehrere Mütter mit Säuglingen, auch alleinerziehende, leben auf engstem Raum zusammen mit teilweise fremden Männern. Auch die unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen der Bewohner verursachten Spannungen. „Es sind schon teils massive Probleme psychischer Art sowie größere und kleinere Schwierigkeiten im Zusammenleben aber auch mit der Gesamtsituation der Asylbewerber aufgetreten“, berichtet Szczepkowski. Und weiter: „Trotz aller Bemühungen durch die Liegenschaftsverwaltung und des Ausländeramtes um eine einigermaßen harmonische Wohnungsbelegung ist das Zusammenleben in den Häusern problematisch.“ Für fünf Jahre Die Stadt unterstütze grundsätzlich das Vorhaben, in der ehemaligen Kaserne eine Unterkunft zu ermöglichen, betont Eva Schatz. Das Signal: Eine Vermietung für fünf Jahre würde man durchaus mittragen. Das sei auch bereits informell vom Stadtrat behandelt und bestätigt worden. „Eine Anfrage bezüglich des Verkaufs ist aber noch nicht beantwortet.“ OB Mathias Neuner (CSU) allerdings sieht diese Lösung nicht ganz so optimistisch: „Die exponierte Lage kann durchaus zum Problem werden.“ Die Gebäude stünden sehr isoliert und seien „weit ab vom Schuss“. Die Verhandlungen zwischen Stadt, Landkreis und Regierung seien zwar am Laufen, doch „mehr Integration der Asylbewerber ist woanders leichter“, so Neuner. Nicht nur der Platz und das Zusammenleben scheint ein Problem – auch die soziale Betreuung der Asylbewerber stößt derzeit an ihre Grenzen. Das BRK kümmert sich ehrenamtlich darum, doch eine Betreuerin kann und will altersbedingt ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen. In Ge­mein­schaftsun­- terkünften erhalten die Wohlfahrtsverbände auch staatliche Zuschüsse – das entfällt bei dezentralen Unterkünften wie der in Kaufering. Bei der Betreuung handle es sich laut Szczepkowski um „freiwillige Leistungen“, die aber aus Sicht der Verwaltung notwendig ist. Der Kreisausschuss stimmte daher zu, das BRK dieses Jahr mit 30000 Euro zu bezuschussen, damit es in eigener Regie die Sozialarbeit vor Ort gewährleisten kann.

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