"Beschämendes Niveau"

Beifall für den Abriss

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Das Wohngebäude auf dem Schmittenbauer-Hof wird abgerissen: Mehr als 200 überwiegend Alt-Kauferinger Bürger besuchten die Infoveranstaltung über die Zukunft des Areals im Leonhardisaal. Der Abend geriet dann aber zur Diskussion über Flüchtlinge in Kaufering.

Kaufering – Das mehrere hundert Jahre alte Wohngebäude auf dem Schmittenbauer-Grundstück wird nicht saniert, sondern abgerissen. Auch werden keine Sozialwohnungen auf dem Areal errichtet, in die möglicherweise Flüchtlinge einziehen könnten. Das beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, die stark von der negativen Stimmung einer Informationsveranstaltung am Abend vorher in Alt-Kaufering geprägt war. Dabei hatte es gute und sachliche Argumente sowohl für den Erhalt als auch für den Abriss gegeben.

Anders als am Abend vorher verlief die Diskussion im Marktgemeinderat sachlich. Stimmungsmache aus dem Publikumsbereich hatte sich Bürgermeister Erich Püttner verbeten. Selten zuvor hatte eine Marktgemeinderatssitzung so viele Besucher. Manfred Huber von der Kauferinger Mitte, einer der Befürworter der Sanierung, brachte es auf den Punkt: „Hätten wir vor einem halben Jahr über den Abriss des Wohngebäudes auf dem Schmittenbauerhof ohne Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert, wäre vielleicht ein anderes Stimmungsbild entstanden.“ So aber geriet sowohl die Informationsveranstaltung für die Bürger, als auch die Marktgemeinderatssitzung zur Abstimmung über die Unterbringung von Flüchtlingen.

Für eine Sanierung hätte gesprochen, dass der Freistaat sich mit einem Zuschuss von 90 Prozent an den Kosten beteiligen würde. Ärger hatte es im Vorfeld gegeben, weil die Verwaltung Ende Dezember sicherheitshalber schon einen Antrag auf Zuschüsse gestellt hatte, den Marktgemeinderat aber erst im Januar im Rahmen einer nichtöffentlichen Sitzung informiert hatte (der KREISBOTE berichtete). Die Abrissbefürworter verwiesen dagegen auf den schlechten Zustand des Gebäudes und die nicht mehr zeitgemäßen Baulichkeiten, beispielsweise ihrer Raumhöhe von nur 2,05 Meter. Das „Glump“ gehört abgerissen, war immer wieder zu hören. Als glühende Verfechter einer Sanierung bekannten sich die Marktgemeinderäte Andreas Keller , Hans-Jörg Pilz, Dr. Patrick Heißler (alle GAL) und von der Kauferinger Mitte Manfred Huber. Alle betonten, dass es sich um ein erhaltenswertes Gebäude handle.

Klar für einen Abriss plädierten dagegen die Fraktionen von CSU, SPD und UBV. Letztlich spielten aber die Sachargumente nicht die entscheidende Rolle bei der Abstimmung im Marktgemeinderat. Es war die Stimmungslage im Dorf, keine zusätzlichen Flüchtlinge auf dem Schmittenbauer-Areal zu akzeptieren, die den Ausschlag gab. Eine große Rolle spielte dabei auch die Anordnung des Landratsamtes, demnächst bis zu 300 Flüchtlinge in der ehemaligen Tennishalle neben dem Schwimmbad unterzubringen. Bei dieser Entscheidung hatte die Marktgemeinde kein Mitspracherecht, wohl aber bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf dem ­Schmittenbauerhof.

Auf die geänderte Stimmungslage wies auch Sascha Kenzler hin. In einem State­ment sagte er, man müsse die Ängste der Bevölkerung im Dorf ernst nehmen. Das sei ja wohl jedem klar geworden, der bei der Informationsveranstaltung im Leonhardisaal dabei gewesen sei. Selbstkritisch hinterfragte Kenzler auch, ob „wir als gewählte Vertreter der Bürger wegen unzureichender Kommunikation die nachlassende Akzeptanz für die Flüchtlingsproblematik nicht auch noch gefördert haben“. Die Informationsveranstaltung im Leonhardisaal war eine der größten Bürgerversammlungen, die Kaufering je erlebt habe. Trotz der um Sachlichkeit bemühten Beteiligten herrschte eine aufgebrachte Stimmung. Gejohle und lang­anhaltenden Beifall gab es für die Redner, die gegen Flüchtlinge Stimmung machten. Einer der Dörfler schien sich inzwischen sogar als „bedrohte Minderheit“ zu fühlen.

Gabriele Triebel, 2. Bürgermeisterin und GAL-Marktgemeinderätin fand vor dem Hintergrund der Tragödie in Syrien das Niveau beschämend. Das sagte sie auch deutlich in der Marktgemeinderatssitzung. Wie es mit dem Schmittenbauer-Areal nun weitergehen soll, ist noch offen. Zunächst soll ein Bebauungsplan dafür sorgen, dass Planungssicherheit für mögliche Investoren herrscht. Ein Investor ist bisher allerdings nicht in Sicht.

Siegfried Spörer

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