Alte Dame zu Besuch – landsberger bühne zeigt tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Einer langen Tradition in der Lechstadt folgend, er-öffnet die landsberger bühne einmal mehr das neue Jahr auf der Bühne des Stadttheaters; dieses Mal mit einem kleinen Jubiläum: „Der Besuch der alten Dame“ ist die 90. Inszenierung seit Bestehen der Landsberger Bühne, die einst als Laienspielbühne unter dem Dach der Volkshochschule firmierte. Premiere für Dürrenmatts tragische Komödie in drei Akten ist am Freitag, 16. Januar.

In dem Klassiker der deutschen Theaterliteratur, 1956 mit Therese Giehse in Zürich uraufgeführt, stellt Dürrenmatt die moralische Standhaftigkeit einer ganzen Stadt auf die Probe: die Milliardärin Claire Zachanassian (Franziska Dietrich) hat ihren Besuch in ihrer Geburtsstadt Güllen angekündigt. Güllen geht es schlecht, die wirtschaftliche Lage scheint aussichtslos – da keimt die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung durch die berühmte Tochter der Stadt. Diese stellt auch tatsächlich Geld in Aussicht, knüpft aber Bedingungen an das Angebot: sie fordert den Tod des Kaufmanns Alfred III (Sepp Wörsching) und ist bereit, der Stadt dafür einen Scheck über eine Milliarde auszustellen. Sie, die Güllen vor 45 Jahren in Schimpf und Schande verlassen musste, nachdem Alfred III sie mit einem Kind sitzengelassen und vor Gericht verleumdet hat, will nun Gerechtigkeit. Die Güllener, allen voran der Bürgermeister (Franz Krauß) und der Pfarrer (Ralph Wilbert) weisen dieses unmenschliche Angebot entrüstet zurück. Nach und nach vollzieht sich aber kaum merklich ein Wandel in der Einstellung und der Lebensweise der Menschen. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben und die Tatsache, dass die damals Davongejagte nun eine berühmte Person ist, beginnen in ihren Köpfen zu arbeiten. Sie fangen an auf etwas größerem Fuß zu leben, die Kaufleute gewähren Kredite, langsam kehrt der Wohlstand nach Güllen zurück. Alfred III beobachtet die Entwicklung argwöhnisch und will die Stadt verlassen. In seiner Mischung aus Angst, schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen schafft er die Flucht aber nicht, sondern stellt sich dem Gericht seiner Mitbürger. Friedrich Dürrenmatt zeigt hier in immerwährender Aktualität deutlich die Verführbarkeit und Käuflichkeit der Menschen, die Macht einer Gruppe gegenüber dem Einzelnen und das dringende Verlangen des Einzelnen in eine Gruppe aufgenommen zu werden, auch zum Preis seiner eigentlichen Überzeugung. Die Proben unter der Leitung von Claudia Dlugosch und Diedke Lichtenstern laufen auf Hochtouren. Nach der Premiere am 16. Januar um 20 Uhr im Stadttheater Landsberg sind weitere Abendtermine am 17., 22., 23., 24., 27., 29., 30. und 31. Januar; zusätzlich findet am 18. Januar eine Aufführung um 17 Uhr statt. Karten im Vorverkauf gibt es beim KREISBOTEN am Rossmarkt in Landsberg.

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