Die alte Kastanie fällt

Die Kastanienallee am Kirchsteig prägt das Ortsbild von Dießen/St. Georgen. Ein Baum soll demnächst zugunsten eines Bauvorhabens gefällt und ersetzt werden. Foto: Nagl

Die Zukunft und die Pflege der Kastanienallee in Dießen ist ein Dauerbrenner. Diesmal war es ein Bauvorhaben am Kirchsteig 2, das den Bau- und Umweltausschuss veranlasste, wieder einmal darüber nachzudenken. Dem Vorhaben soll ein 140 Jahre altes Exemplar dieser für die Straße so charakteristischen Bäume zum Opfer fallen.

Geplant ist der Bau eines Wohnhauses mit einer drei Meter breiten und fast 14 Meter landen Holzlege entlang der nördlichen Eingangsseite. Im Fokus stand die Zufahrt zum Gebäude, die nach Planungsvariante 1 entweder teilweise über die bereits bestehende, östliche Zufahrt des Nachbarn oder auf kürzestem Weg direkt abzweigend vom Kirchsteig (Variante 2) erfolgen könnte. Vom Bauwerber wird Variante 2 bevorzugt, allerdings muss dafür eine etwa 140 Jahre alte, 17 Meter hohe Kastanie mit einem Stammumfang von fast drei Metern gefällt werden. Laut Baumgutachter Peter Kaun (Senior) wäre es zwar möglich die Kastanie noch einige Jahre zu erhalten, obwohl sie bereits stark geschädigt ist. Trotzdem riet er in seinem Gutachten zur Fällung und zu einer zwei Meter nach Westen versetzten Neupflanzung. Franz Sanktjohanser (Offener Kreis) schlug vor diesem Hintergrund vor, die gesamte Südseite der Allee auf ihren Zustand hin zu überprüfen und gegebenenfalls eine komplette Neupflanzung ins Auge zu fassen. Dann, so Sanktjohanser, könnten die jungen Bäume gemeinsam als „einheitliche Allee“ aufwachsen, anstatt als Nachpflanzung im Schatten der alten Bäume vor sich hin zu kümmern. Ein Vorschlag, der Michael Hoffmann (Grüne) auf den Plan rief. Nach Ansicht Hoffmanns verhält es sich bei den Bäumen wie bei den Menschen: „Es gibt große, kleine, dicke und dünne Leute, es muss nicht alles gleich sein. So ist eben die Natur.“ Außerdem könne der Bauwerber durchaus etwas tiefer in die Tasche greifen, um gleich eine stattliche junge Kastanie nachzupflanzen. „Fünf Meter sollten es schon sein“, lenkte Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger) ein. Schnell einigte man sich darauf, von einem Kahlschlag abzusehen und stattdessen die Fällung der betroffenen Kastanie inklusive Nachpflanzung zugunsten des Bauwerbers zu gestatten. Abstriche muss der Bauherr jedoch bezüglich seiner Holzlege machen. Diese darf maximal 1,50 breit werden, um dem Wurzelbereich der benachbarten Alleebäume nicht zu nahe zu rücken.

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