Nichts für Tendenzbetriebe

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Nach der vor einem Jahr im Stadtrat präsentierten Studie aus dem Hause Consolutions könnte der Innenhof des Heilig-Geist-Spitales nach der Fertigstellung des Neubaus auch für kulturelle Zwecke genutzt werden.

Landsberg – Bis 2016 möchte Mathias Neuner die Altenpflege am Heilig-Geist-Spital endgültig umstrukturiert haben. „Wenn alles gut geht, machen wir in drei Jahren einen dicken Haken hinter das Thema“, so der Oberbürgermeister.

Auf den Weg gebracht ist inzwischen das „Interessenbekundungsverfahren“, mit dem sich mögliche Bauträger und Betreiber für den Neubau des Pflegeheims bei der Stadt melden können. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein. Der Bauträger bekommt dazu ein Grundstück im Jesuitengarten von maximal 6000 Quadratmetern zur Verfügung gestellt, damit er ein Haus für 100 bis 120 Betten errichten kann. „Damit ist der Bedarf für 20 bis 30 Jahre dann auch gedeckt“, hofft Neuner.

Die Stadt hat in dem Papier klare Vorstellungen formuliert, dazu gehört auch, dass sie das Grundstück nicht verkaufen, sondern möglichst bis zu 99 Jahre in Erbpacht vergibt – ein Punkt, der nicht jedem Kandidaten schmeckt. „Freigemeinnützige Unternehmen, die es zum Teil schon seit Jahrhunderten gibt, haben damit weniger Probleme als eine private Firma, die vielleicht gerade erst zehn oder 20 Jahre auf dem Markt ist“, weiß Heimleiter Andreas Létang. „Tendenzbetriebe“, wie etwa die Caritas, ecken bei der Stadt eher wegen ihrer persönlich stark einschränkenden Bedingungen in den Arbeitsver­- trägen an. „Das ist ein Punkt, den wir gerade besprechen“, räumt der OB ein. 

Da die Stadt Landsberg in dem bis 15. April laufenden Verfahren noch mehrere weitere Forderungen stellt, könne es durchaus passieren, „dass keiner der Interessenten alle Punkte erfüllt“, sagt Neuner, dann müsse abgewogen werden. „Gut ist an dem Verfahren auf jeden Fall, dass in einem ansonsten schlecht vergleichbaren Markt ein paar Eckpunkte gesetzt werden, die man objektiv gegenüberstellen kann“, so Létang. Für ihn sind auch die zahlreichen Gutachten, Expertisen und Konzepte, die die Stadt in den vergangenen Jahren erstellen ließ, eine sinnvolle Investition gewesen. „Für den Prozess insgesamt war das wichtig. Vor drei Jahren war der Stadtrat noch der Meinung, man müsse die Pflege im Spital auf alle Fälle selbst machen. Jetzt hat man gesehen, warum das so nicht geht.“ Nach dem langen Entscheidungsprozess komme man jetzt wieder auf Ideen von 1991 zurück, „wobei man der Fairness halber sagen muss, dass sich inzwischen die Klientel und die Pflege selbst stark verändert haben.“

Mit der Vergabe der Pflege an einen Partner (Neuner: „Das ist defintiv nicht die Aufgabe der Stadt.“) will man sich auch finanziell endlich wieder Spielraum verschaffen. "Im Moment kostet uns die Pflege in dem dafür ungeeigneten Gebäude jedes Jahr 450000 bis 500000 Euro“, berichtet Andreas Létang. Mit dem Neubau, der nicht mehr unter der Regie der Stadt steht, würde nicht nur diese Belastung wegfallen. Der künftige Betreiber soll außerdem einen Erbpachtzins bezahlen. Die Höhe müsse erst aus­gehandelt werden, so der OB, es müsse aber „deutlich mehr als ein symbolischer Preis“ dabei herauskommen. Létang: „Dann wären wir so weit, dass wir nicht mehr aus dem Stiftungsvermögen das Defizit aus der Pflege subventionieren, sondern wieder gestalten könnten.“

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