Ein Fund gibt Rätsel auf

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Ausschnitt des Gemäldes, an dem die Schäden am Gemälde deutlich zu erkennen sind. Hier die Inschrift MACULA NON EST IN TE.

Kinsau – Hat nicht jeder schon einmal davon geträumt, etwas ganz besonderes zu finden? Hat sich nicht jeder schon einmal vorgestellt, einen verschollenen Schatz zu entdecken? Zwei Kinsauer Bürger hatten jetzt das große Glück, auf dem Dachboden des Pfarrhofs eine Rarität aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken.

Es ist eine staubige Angelegenheit, der die beiden Freiwilligenhelfer Alexander Resch und Dietmar Hefele nachgehen. Seit Tagen sind der 2. Bürgermeister und der Kirchenpfleger damit beschäftigt, den Dachboden des Pfarrhofs im Rahmen der Restaurierung zu entrümpeln. Nicht im „Hau-Ruck-Verfahren“, wie es bei Männern oft üblich ist. Fingespitzengefühl hat Vorrang. Vorsicht ist angesagt. Ist ja auch die Mutter der Porzellankiste. Stück für Stück wird förmlich jeder Zentimeter abgegrast. 

„Nur nichts übersehen , was von Bedeutung sein könnte“, ist die Devise der beiden Stöberer, die für ihre Gemeinde diese Eigenleistung erbringen. Einiges wurde entdeckt, was sofort auf dem Schrotthaufen landete. „Man hat halt viel aufgehoben, um es irgendwann mal wieder zu verwenden. Gerade in der „schlechten Zeit“ wurde nichts weggeworfen“, ist die Erklärung von Bürgermeister Marco Dollinger. 

Kurz und präzise 

Resch und Hefele stöbern in jedem Winkel. Bringen alles ans Tageslicht, was nicht niet- und nagelfest ist. Auch ein Stück von zerknittertem Sackleinen, das unter einen Balken gestopft ist. „Sieht aus wie ein großer Lumpen“, dachte sich Alexander Resch. Beim Auseinanderwickeln folgt die große Überraschung. Kirchenpfleger Dietmar Hefele erkennt sofort, dass es sich um ein Gemälde handeln muss. Pulsschlag ganz hoch, der Adrenalinschub nicht nur sprichwörtlich. Alarm wird gegeben. Bürgermeister Dollinger wird zum Pfarrhof gerufen. Seine Sichtprüfung: Kurz, knapp, aber präzise. Es muss ein wertvoller Fund sein. 

Dollinger will das Stück keinesfalls zusammenlegen. Will weitere Schäden verhindern. Er organisiert ein langes Plastik-Abwasserrohr. Darauf wird das Fundstück aufgerollt. Fundstück? In Dollingers Kopf fahren die Gedanken Achterbahn. Wurde ein kleiner Schatz entdeckt? Der Bürgermeister lässt die Rolle sofort ins Gemeindehaus bringen. Sicher ist sicher. 

Vor Ort befindet sich Kirchenmaler und Restaurator Wolfgang Reitschuster. Er ist mit den Putzarbeiten am Pfarrhof beschäftigt. Reitschuster wird sofort mit ins Boot geholt. Er begutachtet das auf dem Holz- fußboden ausgelegte Rundgemälde mit einem Durchmesser von fast drei Metern. Nach seiner Einschätzung datiert er das Werk auf Mitte des 17. Jahrhunderts. Wow, das haut selbst den stämmigen Bürgermeister fast um. 

Engel und der Tod 

Das Gemälde zeigt nach erster Betrachtung ein Marienbildnis und unterstreicht mit Schriftzügen die Reinheit der Mutter Jesu. In diesen drei Inschriften wird ausgedrückt, dass Maria die allerreinste Mutter und von der Erbsünde bewahrt geblieben ist. MATER PURISSIMA; MACULA NON EST IN TE und TOTA PULCHRA ES lauten die drei Inschriften auf dem Gemälde. Engel in allen Variationen und der Tod umrahmen die Darstellung. Besonders ein Engel mit verbundenen Augen beeindruckt den Bürgermeister besonders und gibt ihm Rätsel auf. 

Eine weitere Beratung kommt von Kreisheimatpflegerin Dr. Weisshaar-Kiem. Sie empfiehlt, erstmal die Farben zu sichern. Das bedeutet, die Farbschichten sollen mit dem Trägermaterial, in diesem Fall ist es grobes Leinen, wieder verbunden werden. Zirka 2000 Euro müsste die Gemeinde dafür einplanen. Das soll auf alle Fälle geschehen. Denn „es ist schon etwas Außergewöhnliches für Kinsau, wenn so etwas gefunden wird“, schwärmt Dollinger. 

Nach seiner Planung soll das Gemälde auf alle Fälle wieder im Pfarrhof einen Platz finden. Und zwar so, dass alle Bürger dieses einmalige Stück bewundern können.

Hans-Helmut Herold

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