Altlandrat Erwin Filser ist 80

Der Elder Statesman von Apfeldorf

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Genießt das Leben ohne Politik: Jubilar Erwin Filser in seinem Garten.

Apfeldorf – Ein Elder Statesman ist ein ehemaliger Politiker, dessen Meinung noch gefragt ist. Nicht jeder Ex-Bundeskanzler ist gefühlt ein Altbundeskanzler. Helmut Schmidt: klar. Gerhard Schröder: unklar. Einer, der den Titel „Altlandrat“ sicher zu Recht trägt, ist Erwin Filser. Zwölf Jahre Bürgermeister in Apfeldorf, 18 Jahre Landrat des Landkreises Landsberg, 28 Jahre als Bezirksrat in Oberbayern und zwei als Bezirkstagspräsident. Filser gehört zum CSU-Urgestein der Region. Am Montag feierte er seinen 80. Geburtstag – Corona-bedingt jedoch ruhig zu Hause.

Es kommt vor, dass bei den Filsers im beschaulichen Apfeldorf das Telefon läutet, und der eben wiedergewählte Landrat Thomas Eichinger dran ist. Auch der scheidende Bürgermeister Georg Epple und sein Nachfolger Gerhard Schmid lassen sich gelegentlich blicken. Nicht etwa, um sich Rat einzuholen – so möchte Filser das nicht verstanden wissen. Aber dass bei den Jüngeren das Interesse da sei, wie man früher Politik gemacht habe.

Zum Geburtstag schrieben Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Markus Söder. „Was die alles über mich wussten“, grübelt der Jubiliar, „die scheinen eine Akte über mich zu haben.“ Herrmann verwies auf Filsers Verdienste: die Sanierung des Lechtalbads, die Kreisseniorenheime oder das innovative System der Müllentsorgung. Ein Projekt, auf das Erwin Filser stolz ist: die Psychiatrie am Klinikum Landsberg. „Gegen den Widerstand der Ärzte. Die wollten das nicht haben“, sagt er. „Wie oft hat heute jemand Probleme und weiß nicht mehr weiter. Der muss nicht bis nach München, um Hilfe zu bekommen.“

Nicht einfach

Kommunalpolitik heute und gestern? „Anders“, findet der 80-Jährige, „aber es war früher auch nicht einfach. Was da oft diskutiert wurde!“ Im Bezirkstag etwa: „Wir hatten mit der CSU die absolute Mehrheit. Aber da kamen von der SPD viele Junge, 68er – die haben Power gemacht.“

Und dann das: Filser stolperte im Jahr 2000 als Bezirks­tagspräsident über die „Lustreisenaffäre“: Für 750.000 Mark waren oberbayerische Bezirksräte für die bezirkseigenen Wohnbaugesellschaften von 1991 bis 1998 auf Reisen gegangen. Zwar hieß der Präsident zu jener Phase Hermann Schuster. Doch Filser musste seinen Hut nehmen. „Mitgefangen, mitgehangen“, sagt er. Was ihn schmerzte, war die Presseberichterstattung: „Die schossen sich auf das Thema ein. Ich hab gebraucht, um das zu verdauen. Aber das ist längst Geschichte.“

Loslassen

Filser konnte von der Politik loslassen – was nicht alle können. Und er mischte sich nie bei seinen Nachfolgern ein: „Das gehört sich nicht.“ Da wandte er sich lieber dem Privaten zu. Als Kirchenpfleger seiner Pfarrgemeinde. Und am Acker: Der Landwirtssohn zog Gemüse in Ökoqualität. „Leider kann ich das nicht mehr. Ich hab jetzt künstliche Kniegelenke, da kann ich nicht mehr auf den Knien rumrutschen.“

Bleibt noch seine Leidenschaft Sport. Als junger Kerl war das Eishockey, bei dem er Triumphe feierte: „Wenn ich denk, gegen wen wir Bauernbuben alles gespielt haben: Regensburg, Riessersee, Bad Tölz.“ Die Apfeldorfer Eishackler lehrten von 1962 bis 1966 in der großen A-Klasse (der Oberliga entsprechend) Clubs das Fürchten, die heute in der Bundesliga spielen.

Dem Puck nachjagen geht längst nicht mehr. Dafür Golf. Und das mit einem Handicap von etwa 25 – wie Uli Hoeness. Gar nicht so übel, dafür dass er keine Turniere spielt: „Nur zum Spaß, nicht für den Ehrgeiz.“

Ohne Händeschütteln

Und am wichtigsten: Erwin Filser erfreut sich guter Gesundheit. Damit das so bleibt, sagte er wegen der Corona-Krise die Feier im Pfarrhof ab. So klopfen halt doch die Gratulanten bei ihm an die Tür. „Die kriegen schon ein Bier, aber das mit dem Händeschütteln und dem Schmusen lassen wir sein.“ In diesem Jahr steht ohnehin noch ein Jubiläum an, an dem mancher mit ihm eventuell anstoßen kann: Im August feiern seine Frau Christa und er den 55. Hochzeitstag.
Klaus Mergel

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