Freie Kunstanstalt muss sich gedulden

Altlasten bremsen künftige Nutzung der Huber-Häuser aus

 Stefanie Sanktjohanser und Jörg Kranzfelder vom Verein „Freie Kunst­anstalt“ vor den Huber-Häusern
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Dürfen auf eigene Faust keine Reparaturen mehr an der Huber-Industriebrache in der Dießener Johannisstraße ausführen: Stefanie Sanktjohanser und Jörg Kranzfelder vom Verein „Freie Kunst­anstalt“.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Zur Untätigkeit verdonnert wurden die umtriebigen Bewerber um die Huber-Häuser in der Johannisstraße. Es gibt sogar ein Betretungsverbot für die „Freie Kunstanstalt“, die hier ein integratives Kulturzentrum aufbauen möchte. Nachdem einige Mitglieder zum Zeichen ihrer Entschlossenheit auf eigene Faust Reparaturarbeiten an den teils maroden Industriehallen im Innenhof durchgeführt hatten, untersagte die Marktgemeinde als Besitzer des Immobilien-Ensembles „Unbefugten das Betreten“. Zum einen aus Haftungsgründen, zum anderen wegen der sicher vermuteten Altlasten in der Bausubstanz und im Boden.

Nicht um die künftige Nutzung, sondern nur darum ging es in der aktuellen Gemeinderatssitzung. Bürgermeisterin Sandra Perzul konnte zu Beginn mitteilen, dass der langjährige Rechtsstreit mit der Erbengemeinschaft zu Gunsten der Marktgemeinde endgültig beendet ist. Ein Gespräch zusammen mit Bauamtsleiterin Johanna Schäffert bei der Unteren Altlasten- und Bodenschutzbehörde im Landratsamt Landsberg ergab die Anordnung umgehender bodenschutzrechtlicher Prüfungen durch ein zertifiziertes Sachverständigenbüro.

Bevor sich die Gemeinde also überhaupt konkrete Gedanken über die Zukunft der Huber-Häuser oder auch über einen möglichen Verkauf machen kann, sind umfangreiche Prüfungen und Analysen angesagt. Es geht um die Erfassung „nutzungsbedingter Bausubstanzkontaminationen während der langjährigen Gewerbenutzung als Druckerei“. Qualitativ und quantitativ ist Spurensuche angesagt von Chlor-Kohlenwasserstoffen, Schwermetallen, Kohlenwasserstoffen wie Hydraulikölen, Heizöl oder Maschinenölen und „leichtflüchtigen aromatische Kohlenwasserstoffen wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole“. Das Landratsamt fordert auch Status-Quo-Bewertungen von konkreten Schadensfällen aus den Jahren 1993/1994 sowie von 2011.

Wie Bürgermeisterin Sandra Perzul betonte, sei der Markt Dießen als Eigentümer auch ohne eine Umnutzung verpflichtet, die Gutachten unverzüglich zu beauftragen. Die Ergebnisse seien wesentliche Grundlage für das weitere Vorgehen. Darum sei es nicht sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt eine künftige Nutzung wie beispielsweise als Kunstanstalt zu beschließen.

Die Kosten für die Altlasten-Untersuchung sind im Haushalt 2021 nicht eingestellt, wobei die Größenordnung der Auftragssumme schwer abschätzbar sei, so Perzul. Der Gemeinderat beschloss deshalb einstimmig, von drei zertifizierten Sachverständigenbüros Honorarangebote einzuholen. Eine Entscheidung über die künftige Nutzung des 2.450 Quadratmeter großen Huber-Areals wird es also erst nach dem Vorliegen der Untersuchungen sowie den Beseitigungsmaßnahmen geben. Eine Zeitvorhersage sei hier unmöglich, wie Johanna Schäffert ausführte. Damit rückt das von Kunstanstalt-Vorsitzender Stefanie Sanktjohanser und ihrem Vize Jörg Kranzfelder samt vielköpfigem Team bereits konkret ausgearbeitete Kulturzentrum in unbestimmte Ferne.

Wie mehrfach berichtet, gründete Joseph Carl Huber (1870 – 1948) 1890 in Dießen eine Druckerei, die er immer weiter ausbaute und unter wechselnden Namen führte wie „Druckerei J. C. Huber & Sohn“ oder „Graphische Kunst- und Verlagsanstalt Jos. C. Huber K.G.“. Namhafte Verlage und Unternehmen zählten zu den Kunden. In der Blütezeit war Huber mit bis zu 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Marktgemeinde.

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