Entscheidung zwischen Gut und Böse

Das Monster der Zukunft

+
Das „Monster“ lebt (von links): Kieren Morell, Meg Travers, George McLean und Gareth Fordryd (liegend).

Landsberg – „Frankenstein“: eine Story, die jeder im Kopf hat. Sei es das Original des viktorianischen Schauerromans, sei es eine der unzähligen Verfilmungen oder Parodien. Die American Drama Group Europe hat den Roman Mary Shelleys gekonnt mit Motiven des Boris-Karloff-Films vermischt und eine temperamentvolle und eindringliche Fassung präsentiert.

Victor Frankenstein – kein fanatischer Wissenschaftler, sondern ein junger Student, der eher zufällig in den Bann seines verrückten Professors (und dessen Tochter Elisabeth) gerät. Victor verliebt sich, der Preis für die Hand des Mädchens ist das Leugnen der Seele. Der menschliche Körper, eine Maschine, der Tod sei nur der totale Zusammenbruch des Mechanismus, der jederzeit repariert werden könne, so die Maxime des Professors. 

Das erste Experiment an einem Menschenaffen scheitert, das zweite Versuchsobjekt, eine Kobra, rächt sich nach der Wiederbelebung, indem es den Wissenschaftler tot beißt. Elisabeth, bis dahin konform mit ihrem Vater, schwört von dessen Ideen ab, während Victor im wahrsten Sinne des Wortes, Blut leckt und dessen Experimente weitertreibt – mit dem bekannten fatalen Ausgang: sein Geschöpf verselbständigt sich, sehnt sich nach Liebe und Nähe und bringt doch allen den Tod, die ihm zu nahe kommen. 

Als Frankenstein seine Geliebte an das Monster verliert und beide fliehen, bringt sich Victor mit seiner eigenen Höllenmaschine um. Die Inszenierung der American Drama Group Europe besticht – wie schon bei den vorherigen Gastspielen – durch eine temporeiche Spielweise, Witz, die Wandelbarkeit der wunderbaren Schauspieler und starke Bilder. Da fliegen Gummischädel ins Publikum, wird der Zuschauerraum zum Hörsaal, rennen die Schauspieler durchs Publikum. 

Kieren Mortell lotet als junger Medizinstudent Victor Frankenstein die ganze Skala von Wissbegier, Unsicherheit, Größenwahn und Verzweiflung aus, Meg Travers Elisabeth ist kein schwaches Mädchen, das nach viktorianischer Tradition öfter mal in Ohnmacht fällt, sondern eine starke Frau, die sich gegen ihren Vater und später Victor behaupten kann. 

Gareth Fordryd, das „Monster“: optisch Boris Karloff angeglichen, sorgt er für Angst, Schauer und Mitleid. Unendlich anrührend die Szene, in der er vorsichtige Freundschaft mit dem blinden Geigenspieler sucht und doch, quasi aus Versehen, dessen Tochter tötet. George McLean schlüpft in mehrere Rollen: er ist Igor, der Geiger, der Gefängniswärter und vieles mehr, immer gleich überzeugend und präsent.

Doch „Frankenstein“ ist kein bloßes Gruselstück, sondern, wie bereits der Roman, ein Exkurs um die Frage der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Moral, um die bewusste Entscheidung zwischen Gut und Böse. Darf die Forschung alles umsetzen, dessen sie fähig ist? Eine Frage, die ihre Aktualität wohl nie verlieren wird. Der letzte Satz des Wesens, das von der Wissenschaft erschaffen wurde: „We are no monsters, we are the future!“

Patricia Eckstein

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs

Kommentare