Gepfefferte Abi-Rede

Fliegen nicht erwünscht!

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Mit 1,4 hinaus ins Leben: Hannah Berger und Isabelle Bilgram sind die erfolgreichsten Abiturientinnen des Abitur-Jahrgangs 2015 am Ammersee-Gymnasium, gefolgt von sieben Mitschülern, die 1,7 erreichten.

Dießen – „Jeder wart’ auf irgendwas, jeder wart’ auf irgendwen“, heißt’s in einem Lied von Kabarettistin Martina Schwarzmann, über das sich die heuer 81 Abiturienten des Ammersee-Gymnasiums (ASG) in einer humorvollen, eigens auf sie zugeschnittenen Bearbeitung ihrer Oberstufenkoordinatorin Christine Greinwald amüsieren durften. Das Warten auf das Reifezeugnis hatte am Freitag ein Ende: Begleitet vom persönlichen Lieblings-Sound betrat jeder Absolvent die Bühne, um seinen Namen auf die riesige Schultafel zu schreiben und um das Zeugnis entgegen zu nehmen.

Das Thema Warten griff auch der erste Redner, Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch, auf. Den Eltern riet er, während des nun anstehenden Entscheidungsprozesses in Sachen Beruf oder Stu­dium Geduld zu bewahren, die Abiturienten bat er „bleibt tolerant, auch mit euren Eltern.“

Schulleiter Klaus Rechenberger fasste zusammen, dass der Abiturjahrgang 2015 weniger mit Spitzenleistungen als mit einer soliden Basis brillieren könne. Neun Abiturienten schlossen mit einer Eins vor dem Komma ab, die Bestnote lag bei 1,4. Gerne erinnerte der Schulleiter an die erste Lese­nacht am ASG, die die heutigen Abiturienten als Fünftklässler einführten oder an die erste Schulolympiade, die der Abitur-Jahrgang im Rahmen des P-Seminars Sport initiierte.

Die besten Wünschen gab Rechenberger seinen Schützlingen gekoppelt an ein Zitat der Schriftstellerin Luise Rinser (1911-2002) mit auf den Weg, die mit ihrem Ehemann, dem Komponisten Carl Orff, und mit ihren beiden Söhnen einige Jahre in Dießen lebte: „Wir haben viel stärkere Flügel als wir glauben. Wir wagen es nur nicht sie zu entfalten. Wir wagen es nicht zu fliegen.“

„Wir waren in jeder Sekunde bereit zu fliegen, wir wurden nur ständig daran gehindert“, konterte Paul Auerbach, Sprecher der Abiturienten, in einer gepfefferten Abiturrede, die zu denken gab. Stattdessen, so Auerbach, sei versucht worden die Schüler mittels Verweisen und Sozialdiensten in Formen zu pressen, und zwar „in solch spießige, wie sie dem Chef gefallen.“ Lob gab es für Hausmeister Stefan Gehrmann, der die Sozialdienste zu wertvollen Erfahrungen gemacht habe, sowie für Nachhilfelehrerin Corinna Schürer: „Sie hat vielen von uns durchs Abi geholfen, besonders in Mathe“. Der Applaus gab dem Redner recht.

Zum versöhnlichen Abschluss der Abiturfeier gab es eine Premiere: Erstmals wurde ein „Preis für die beste künstlerische Entwicklung“ – ausgelobt von den Betreibern der Schulmensa, Annette und Bobby Rudat-Sieber – verliehen. Über die Auszeichnung, honoriert mit 100 Euro, durfte sich Lisa Roßmann freuen. „Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir durch die Gänge gehen und an den Wänden eure Arbeiten bewundern dürfen“, lobte Anette Rudat-Sieber. Am 17. Juli wird eine Ausstellung mit den besten Werken aus dem Kunstunterricht des Abiturjahrgangs 2015 im Taubenturm eröffnet.

Musikalisch umrahmt wurde die Abiturfeier vom wundervollen, perfekt intonierten Sound der ASG-Big Band unter der bewährten Leitung von Lothar Ringmayr.

Ursula Nagl

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