"Mückenplage - Nein danke!"

Nächster Schritt gegen Mückenplage

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Wissenschaftler aus Oldenburg am Ammersee: Beim Aufstellen der Mückenfallen zur Untersuchung der Plagegeister: Doktorand Felix Sauer, Echings Bürgermeister Siegried Luge, Gemeinderat Rainer Jünger aus Schondorf und Doktorand Tobias Lauermann (v. links), der über Bartmücken bzw. Gnitzen forscht.

Eching – Der Sommer steht vor der Tür und man freut sich auf Badeausflüge, Biergartenbesuche oder laue Abende beim Grillen im heimischen Garten. Wäre da nur nicht dieses fiese Mückengetier, das einem jegliche Stimmung vermiesen kann. Mückenstiche sind unangenehm, sie jucken, können dicke Quaddeln und sogar heimtückische Krankheiten hervorrufen. Durch die vielen Regenfälle in den letzten Tagen und das Ansteigen des Wasserpegels befürchten Fachleute in der Fünf-Seen-Region heuer eine besonders große Population der sog. Überschwemmungsmücken.

Damit Ammersee und Co. künftig von den Quälgeistern weitgehend verschont bleiben, hat der Schondorfer Gemeinderat Rainer Jünger die Initiative „Mückenplage – Nein, danke!“ ins Leben gerufen und bereits viele Mitinitiatoren, Unterstützer und Sympathisanten ins Boot geholt, darunter Echings Bürgermeister Siegfried Luge. In seiner Gemeinde leiden Anwohner, Geschäftskunden und Gastronomiebesucher besonders unter den Stechmücken. Ziel der Initiative ist es, langfristig die Mückenplage giftfrei und umweltfreundlich einzudämmen, so wie es am Oberrhein, am Chiemsee und entlang der Amper bereits erfolgreich praktiziert wird.

Um dafür bei der Kommunalpolitik Gehör zu finden und auch sanften Druck auszuüben, bemüht sich die Initiative um eine sichtbare Willensbekundung der Bürger in der Fünf-Seen-Region. Und zwar mit einer Unterschriftensammlung über die Website www.mueckenplage-nein-danke.de. Die Resonanz mit über 700 Unterschriften nach nur wenigen Tagen zeigt, dass hier wirklich Handlungsbedarf für mehr Lebensqualität im Sommer an den Seen besteht. Die vielen eindeutigen Kommentare der Befürworter sollten sich laut Jünger die Kommunalpolitiker zu Gemüte führen und als Signal verstehen: Tut endlich was, wir haben die Quälgeister satt!

Rainer Jünger: „Bürgermeister und Gemeinderäte sollten über Parteigrenzen hinweg gemeinsam handeln und dringend eine Kartierung der Überschwemmungsflächen sowie eine Untersuchung der Mückenarten und Häufigkeit in Auftrag geben. Dies stellt die Basis für das Genehmigungsverfahren bei den nachgelagerten Behörden dar. Zusätzlich muss eine Organisation aufgebaut werden, die die Maßnahmen koordiniert und durchführt.“ Jünger stellt ausdrücklich klar, dass nur in sog. Plagenjahren, also bei bestimmten Pegelständen des Ammersees sowie ab einer hohen Larvenkonzentration Maßnahmen durchgeführt werden sollen. Die naturschutzkonforme Bekämpfung der Mückenlarven soll wie an Oberrhein oder Chiemsee mit dem giftfreien Bodenbakterium BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) erfolgen.

Wissenschaftliche Unterstützung bekommt die Initiative von dem Biologen Felix Sauer von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Er schreibt gerade seine Doktorarbeit zum Thema „Mückenarten in Deutschland und ihre Lebensraumbedingungen“. Dazu untersucht der Doktorand akribisch bundesweit 20 Gebiete mit ex­tremer Mückenpopulation, darunter auch den Ammersee. Sauers Forschungen sind dabei Teil eines umfangreichen Projekts der Uni Oldenburg. Klimawandel und globaler Handel förderten laut Sauer die Ausbreitung invasiver Stechmückenarten als Vektoren von Krankheiten.

Inzwischen hat Felix Sauer rund um den Ammersee von Eching über Inning, Herrsching, Dießen und Schondorf Mückenfallen aufgestellt, wobei die genauen Standorte geheim bleiben. Schließlich gibt es in der Region auch Mückenfreunde, denen die Initiative missfällt.

Die aufgestellten Fallen sind das Resultat aus über 16 Jahren akademischer Forschung zum Wirtsverhalten von Mücken. Sie werden weltweit von Wissenschaftlern, Medizinern, Epidemiologen und Gesundheitsbehörden verwendet. Mit Kohlendioxid, das direkt an der Eintrittsöffnung zum Ventilator ausströmt, werden die Mücken optimal angelockt und in den Fangbeutel eingesogen. Mücken machen sich nämlich auf die Spur der Menschen, weil sie unser ausgeatmetes CO2 wittern. Darum Kohlendioxid als Lockmittel. Die gesammelten Mücken werden von Felix Sauer und seinen Helfern regelmäßig abgeholt und morphologisch und molekulargenetisch auf ihre Art hin untersucht. Die Ergebnisse wird Felix Sauer auch der Initiative „Mückenplage – Nein, danke!“ zur Verfügung stellen. Zusammen mit einer baldigen Kartierung der mückenintensiven Gebiete rund um den Ammersee kann man hoffen, dass die Kommunalpolitik endlich reagiert und grünes Licht gibt für künftige Sommer ohne oder nur mit wenig Mücken. 

Dieter Roettig

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