Die Schifffahrt ruht

(Un-)Wetter verhagelt Passagier-Rekord auf dem Ammersee

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Dampferausflüge machen bei schönem Wetter doppelt Spaß. Die Ammersee-Flotte – hier das MS„Utting“ am Dießener Steg – verzeichnete heuer rund 40.000 Passagiere weniger als im Rekordjahr 2019. Das durchwachsene Wetter war schuld.

Stegen – Mit „nur“ 755 Sonnenstunden im Bundes­schnitt ist der Sommer 2019 auf Platz 4 seit Beginn der Messungen 1951. In Bayern schien die Sonne mit 780 Stunden etwas länger. Dafür war der Freistaat mit 235 Litern pro Quadratmeter nach Baden-­Württemberg das zweitniederschlagreichste Bundesland. Keine guten Voraussetzungen für ein Rekordjahr auf dem See.

Unvergessen das Hochwasser kurz vor dem Dießener Töpfermarkt und das schwere Gewitter am Nachmittag des 10. Juni, als in der Ammersee-Region Hagelkörner mit bis zu acht Zentimeter Durchmesser nieder­prasselten. So durchwachsen das Wetter, war demnach auch die Saison für die Bayerische Seenschifffahrt.

Auf dem Ammersee gab es diesmal kein Rekordergebnis bei den Passagierzahlen. Zwischen 280.000 und 300.000 Tickets wurden für die Motorschiffe „MS Utting“ und „MS Augsburg“ sowie für die Raddampfer „RD Dießen“ und „RD Herrsching“ bis zum Saisonende am Sonntag verkauft. Im Vorjahr waren es 340.000 Fahrgäste.

Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt mit Sitz in Schönau am Königssee, ist trotzdem zufrieden mit der Saison auf dem Ammersee: „Wir liegen immer noch im Fünf-Jahres-Mittel auf den Rundfahrten und Routen von Dießen nach Herrsching, Utting, Schondorf oder Breitbrunn.“ Sogar die Brunch-, Schlemmer- oder Schlager-Sonderfahrten waren ausgebucht.

Besonders gefragt war auch heuer wieder das 2017 in Dienst gestellte Motorschiff „Utting“ für 500 Passagiere, wobei bei den Kindern die Edelstahlrutsche vom Oberdeck ins Heck hinunter der Hit war. Gut angenommen wurde auch das kostenlose WLAN auf jedem Schiff. Zig-Tausende von Fotos und Selfies fanden so blitzschnell ihren Weg ins World-Wide-Web.

Nostalgiker genossen die Fahrten auf dem historischen Raddampfer „Dießen“ von 1908 oder auf dem Raddampfer „Herrsching“. Dieser Neubau von 2002 mit den Charme und Luxus der großen Seereisen verbindet die Epoche hoher Schiffsbaukunst von früher mit dem Hightech von heute. Die Fans der beiden Raddampfer genießen den Blick bis hinüber zur Zugspitze ganz im Süden des Sees, während die Schaufelräder beruhigend im tiefblauen Wasser platschen.

Der ursprünglich mit Kohlen beheizte Schaufelraddampfer „Dießen“ galt lange Zeit als das Flaggschiff der Ammersee-Flotte. 1974 wurde er auf Diesel umgestellt und zuletzt 2005/2006 generalüberholt. Die „Dießen“ ist der dienstälteste noch in Betrieb befindliche Raddampfer Bayerns. Viele denken, das sei der Raddampfer „Ludwig Fessler“ auf dem Chiemsee. Der aber wurde erst 1926 in Betrieb genommen.

Jetzt überwintert die Ammersee-Dampferflotte erstmal in der Stegener Werft und wird dort ausgiebig gewartet, bis die neue Saison Mitte April 2020 startet.
Dieter Roettig

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