Selbst der Blues trägt Lederhosen

„Luz Amoi“ lässt aufhorchen: bayerische Musik aus aller Welt

+
„Luz Amoi“ verbindet Heimatliches mit Weltmusik: Stefanie Pellmaier an der Geige, ihr Mann Stefan am Akkordeon, Gitarrist Johannes Czernik und Bassist Dominik Hogl. Mit dabei, aber nicht im Bild: Manuela Schwarz am Hackbrett.

Landsberg – Ein Konzert „für Berta“ soll es sein. Denn Berta an sich ist erdig, authentisch, eine von uns: Berta ist jeder. Aber Berta ist auch die Wirtin in Oberappersdorf, dem Lebensort von „Luz-Amoi“-Kopf Stefan Pellmaier. Eine Wirtin, die „dem Franz ansieht, dass er heut sein Bier auf 13 Grad will“ – so nah dran ist sie an den Leuten. Und so nah dran ist die Musik von „Luz Amoi“. Mit Herz, auch Schmalz, mit Spielfreude und einem Ideenreichtum, der Einflüsse aus der Welt mit Bayerischem zusammen- und nach Bayern bringt. Am Sonntagabend spielten die fünf Multiinstrumentalisten auf Einladung der Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum im ausverkauften Stadttheaterfoyer. Ein Konzert, bei dessen letzter Zugabe manch einer Gänsehaut hatte – wegen so viel schönem Gfui.

Gleich der zweite Song holt die Wirtin ins Theaterfoyer: „Hey Berta“, singt Johannes Czernik, Lead-Sänger – und Saxophonist, Klarinettist, Gitarrist – in bestem Dixie-Jazz-Stil. Berta, die sehnlichst erwartet wird, mit einem „Rucksack voll mit Luft und Liebe, Zeit und ein kleines bisserl Geld“. Ob der Titel so heißt? Ungewiss. Denn noch gibt es kein ‚Berta-Album‘. „Das haben wir erst vor zwei Wochen aufgenommen, live“, berichtet Konzertmoderator Pellmaier.

Die Inhalte der selbstkomponierten Lieder drehen sich um Liebe, Gefühl, um Regentage in Oberappersdorf, „dem schönsten Dorf der Welt“, sagt Pellmaier. Selbst am „Regentag“: Stefanie Pellmaier tropft Regentöne auf ihrer Geige, der Gatte haucht Wind durch seinen Akkordeonbalg, Czernik säuselt auf der Klarinette. Bis sich aus der Regenstimmung ein melancholischer Landler herausschält. Kurz bäumt sich die Musik auf, fängt an zu kreiseln, am Ende fast Zirkusmusik, bevor wieder die Geige mit ihren Tropfen übernimmt.

Kontrastprogramm: Es geht ins Warme, nach Italien, bester Italopop mit Schmalz. Dann wieder zurück an den „Steilhang“, im wedelnden Volksliedtakt, von da zum „Märzenschnee“, ein Stück, das zum geerdeten Träumen einlädt. Liebe gibt es viel in den Texten, Natur auch. Und ab und zu, ganz selten, ein bisserl Gesellschaftskritik: beim Afro-Pop Stück mit Hackbrett und Blockflöte, das im fröhlichen Afrika-Sound den Konsum ankreidet: „Des was I hab is ned gnuag.“

Instrumentales gibt es auch. Und der Instrumente sind viele: Nicht ‚nur‘ Akkordeon, Steeldrum, Geige, Sax, Klarinette. Da greift Manuela Schwarz vom Hackbrett zur Harfe zum Schlagzeug. Und Kontrabassist Dominik Hogl tauscht sein ‚erwachsenes‘ Instrument gegen den Enkel, eine Ukulele-ähnliche Minigitarre.

Luz Amoi ist Vielfalt ist Luz Amoi. Ihre Musik zitiert Klezmer, Rock mit E-Gitarrensound, holt sich Salsa-Anreize für „Passt scho“, das karibische Kuba lugt um die Ecke, hawaiianisch-sphärische Steeldrum-Töne in der Dämmerung schmiegen sich in eine mitreißende Polka, wenn dann schließlich – musikalisch – die Sonne aufgeht.

Aber es bleibt immer in Bayern. Selbst der Blues trägt Lederhosen. Und wenn alle Fünf in einen Jodler einstimmen, kann man die Berge fast riechen.

Auch ganz Traditionelles, natürlich mit der Handschrift von Luz Amoi, ist zu hören. Zum Beispiel beim ersten eigenen Zwiefachen, „nach zwölf Jahren haben wir uns getraut“, grinst Pellmaier. „Schleifer“, bei dem auch Schuhplatteln via Klatschen Einzug hält, sei ein Zwiefacher, der sicher noch in 300 Jahren in den Liederbüchern drinstehen werde. Wird er, so originell urtümlich wie er ist.

Nach dem Luz-Amoi-Hit „Fuhrmann“ – lautes Johlen seitens der Zuschauer –, dem Bayern-Medley „Hammerschmied“ und der „Alten Katt“ kommt zum Abschied nochmal ganz viel Romantik. „Nachthimmel“ mit Hackbrett, Gitarre und einer leicht orientalisch anmutenden Geige entführt ins Dunkle mit funkelndem Sternenhimmel. In eine große Weite. In den Himmel über Oberappersdorf.
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

BRK stöhnt: Altkleider im Überfluss
BRK stöhnt: Altkleider im Überfluss
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Advents-Aktion "Dießen leuchtet" lockt mit vielen Attraktionen
Advents-Aktion "Dießen leuchtet" lockt mit vielen Attraktionen
100 Prozent für den "Trainerwechsel" im Landsberger Rathaus
100 Prozent für den "Trainerwechsel" im Landsberger Rathaus

Kommentare