Betrügerische Geschäfte 

Amtsgericht: 38-Jähriger wegen Geldwäsche angeklagt

PantherMedia 3742345
+
PantherMedia 3742345

Landsberg – Geldwäsche – so lautet der Vorwurf gegen einen 38-Jährigen aus dem südlichen Landkreis. Der Mann steht vor dem Amtsgericht Landsberg, weil er zunächst leichtfertig, dann vorsätzlich sein Konto für betrügerische Geschäfte seines Bruders zur Verfügung gestellt haben soll. Möglicherweise steckt aber auch eine international agierende Bande hinter den Taten.

In der Verhandlung vor Richter Michael Eberle äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen – er machte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Doch in den Zeugenaussagen zweier Polizeibeamter kam viel Belastendes auf den Tisch. Demnach eröffnete der 38-jährige Schlosser im Juni 2019 ein Konto bei der Sparkasse Landsberg-Dießen, auf das in den folgenden drei Monaten 150 Überweisungen von 113 Personen eingingen. Sie zahlten für Konzertkarten, die sie über Facebook gekauft hatten, oder für die Vermittlung von Krediten ohne Schufa-Auskunft. Allerdings erhielt keiner der Geschädigten jemals einen Gegenwert für sein Geld – alle waren auf einen Internet-Betrug hereingefallen. Insgesamt gingen auf dem Konto des Angeklagten fast 60.000 Euro ein. Das Geld wurde sukzessive an Geldautomaten im westafrikanischen Land Benin von Unbekannten abgehoben.

Es dauerte nicht lange, bis bei der Polizei die ersten Anzeigen eingingen. Über Facebook waren die dubiosen Verkäufer nicht mehr zu kontaktieren – das einzig Greifbare, das die Geschädigten in der Hand hatten, war die Bankverbindung des Angeklagten. Parallel meldete die Sparkasse den Behörden einen Geldwäscheverdacht, denn auch hier waren die vielen seltsamen Zahlungseingänge aufgefallen. Das Konto wurde gesperrt.

Im Oktober wurde der Angeklagte von einem Beamten der Polizei Landsberg vernommen und gab an, seinem Bruder auf dessen Bitte hin sein Konto zur Verfügung gestellt zu haben – angeblich, weil die EC-Karte des Bruders kaputt war. Als er den Bruder einmal auf die Geldbewegungen angesprochen habe, soll dieser ihn beruhigt haben. Das Geld komme von Freunden, es habe alles seine Ordnung.

Nicht ganz zum Image des Gutgläubigen passte allerdings die Tatsache, dass der 38-Jährige nach der Sperrung des Sparkassen-Kontos umgehend ein neues Konto bei der Deutschen Bank eröffnete – und dies sogar am Tag seiner polizeilichen Vernehmung. „Das ist dreist“, so einer der Ermittler. Auf dem neuen Konto gingen die Geschäfte munter weiter. Innerhalb von sechs Wochen trafen fast 17.000 Euro ein, der größte Teil des Geldes wurde wiederum in Afrika abgehoben.

Was die Polizei zugunsten des Angeklagten registrierte: Er hatte offenbar keinerlei Gegenleistung für die Zurverfügungstellung seines Kontos erhalten. Angeblich hatte ihm der Bruder versprochen, ihm einen Kredit über 80.000 Euro zu vermitteln. Dazu kam es jedoch nie.

Für die Betrugsfälle konnte bislang kein Täter ermittelt werden. Dass der ominöse

Bruder des Angeklagten überhaupt existiert, bezweifelt die Polizei inzwischen. Es sei wahrscheinlicher, dass eine ganze Bande hinter den Taten stecke, so der Ermittlungsleiter von der Kripo Fürstenfeldbruck.

Manche Geschädigte verloren Beträge um die 100 Euro, für andere ging es um Tausende. Ein 35-Jähriger aus Aulendorf (Baden-Württemberg) zahlte über 7.000 Euro in der Hoffnung auf einen Kredit von 45.000 Euro. Immer wieder forderte der

angebliche Kreditvermittler via Internet Geld von ihm – Bearbeitungsgebühren, Versicherungskosten, Aktivierungs- und Autorisierungsgebühren. „Aber der Kredit kam nie“, so der Geprellte im Zeugenstand.

Ein Urteil fiel am ersten Verhandlungstag noch nicht. Bis zum Fortsetzungstermin am

8. Oktober müssen Richter Eberle, Staatsanwältin Julia Ehlert und Verteidiger Nikolaus von Lucke nun noch umfangreiche Ordner mit Bankunterlagen durcharbeiten.

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein neuer Skatepark für Dießens Jugend
Ein neuer Skatepark für Dießens Jugend
Corona-Ampel im Landkreis Landsberg steuert auf Dunkelrot zu
Corona-Ampel im Landkreis Landsberg steuert auf Dunkelrot zu
Mit Seeblick: Ein Haus für große Heimkinder
Mit Seeblick: Ein Haus für große Heimkinder
Corona-Teststrecke im Fliegerhorst bei Penzing wieder offen
Corona-Teststrecke im Fliegerhorst bei Penzing wieder offen

Kommentare