"Perfides und durchtriebenes Vorgehen"

Amtsgericht Landsberg: 27-Jähriger wegen Missbrauchs einer Fünfjährigen verurteilt

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Ein 27-Jähriger missbrauchte eine Fünfjährige sexuell. er muss nun für knapp zwei Jahre ins Gefängnis.

Landsberg – Weil er beim Babysitten ein ihm anvertrautes fünfjähriges Mädchen missbraucht hat, muss ein 27-Jähriger aus dem südlichen Landkreis ins Gefängnis. Kurz vor der Tat war er bereits wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden.

Ein korpulenter junger Mann mit Dreitagebart und Brille saß im Amtsgericht Landsberg auf der Anklagebank, sichtlich um einen guten Eindruck bei Richter Alexander Kessler bemüht.

Ein umfassendes Geständnis des 27-Jährigen ersparte es dem inzwischen sechsjährigen Kind und seinen Eltern, vor Gericht befragt zu werden. Der Angeklagte hatte die Familie 2018 kennengelernt, war seitdem häufig dort zu Besuch gewesen und hatte schon öfter auf die Tochter und den eineinhalbjährigen Sohn aufgepasst – so auch an einem Tag im September letzten Jahres. Von 15 Uhr bis 21.30 Uhr waren die Kinder in seiner Obhut.

Der arbeitslose junge Mann gab zu, in dieser Zeit das Mädchen zu Doktorspielen animiert zu haben. Außerdem hatte er das Kind auf seinen Schoß gesetzt, um sich zu erregen. Das Ganze flog noch am selben Abend auf, weil das Mädchen den Eltern beim Heimkommen von dem „Geheimnis“ erzählte. Außerdem hatte der Angeklagte dem Vater aus einem Umschlag mit Bargeld 450 Euro gestohlen, was ebenfalls sofort auffiel. Der 27-Jährige gab das Geld zurück und bekniete die Eltern, ihn nicht anzuzeigen. Am nächsten Tag ging das Ehepaar zur Polizei.

Vor Gericht sagte der 27-Jährige aus, dass er mit 14 erstmals pädophile Neigungen an sich festgestellt habe. „Ich stand auf Mädchen, die erheblich jünger waren als ich.“ Er habe damals einen spezialisierten Therapeuten gesucht und sich zwei Jahre lang behandeln lassen. „Danach hatte ich es eine Zeit lang im Griff.“ Doch irgendwann habe es in seinem Kopf „klick“ gemacht und er habe angefangen, kinderpornografische Bilder und Videos anzuschauen. Deswegen wurde er im Sommer 2019 zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Auch, als er wenige Wochen später die Tochter seiner Bekannten missbrauchte, habe es wieder „klick“ in seinem Kopf gemacht, behauptete der Angeklagte. Doch an eine spontane Tat glaubten weder Staatsanwältin Birgit Milzarek-Sachau noch Richter Kessler. Der 27-Jährige war nämlich durchaus planvoll vorgegangen. Er hatte sich vergewissert, dass ein Bekannter, der die Küche der Familie streichen wollte, an diesem Abend nicht ins Haus kommen würde. Und er hatte der Fünfjährigen Einmalhandschuhe gegeben, „damit es für sie nicht so eklig ist“. Ob er nicht vielmehr habe verhindern wollen, dass Spuren des Mädchens an ihm nachweisbar sein würden, hakte die Staatsanwältin nach. „Auch, ja“, gab der Angeklagte zu.

„Es macht einen schier sprachlos“, konstatierte Milzarek-Sachau in ihrem Plädoyer. Sie warf dem 27-Jährigen ein „perfides und durchtriebenes Vorgehen“ vor. Er habe das Vertrauen der befreundeten Familie „aufs tiefste ausgenutzt und missbraucht“.

Eine weitere Straftat beging der gelernte Beikoch, der an einer geistigen Behinderung, einer Lernschwäche und einer Intelligenzminderung leidet und deshalb unter Betreuung steht, in einer Tankstelle in Landsberg. Dort arbeitete er eine Zeit lang – und klaute 565 Euro aus der Kasse. Er habe sich ein neues Handy kaufen wollen, gab er zu.

Die Staatsanwältin forderte zwei Jahre Haft. Bewährung komme nicht mehr in Frage. Das war auch Verteidiger Johannes Siegmund klar, der lediglich eine etwas kürzere Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten beantragte.

„Ihnen ist beim besten Willen nicht zu helfen“, beschied Richter Alexander Kessler dem Angeklagten, der bereits wegen Fahrens ohne Führerschein und wegen Betrugs vorbestraft war. Von den drei jetzt angeklagten Taten fiel der Missbrauch am schwersten ins Gewicht.

Es sei „bodenlos“, wie der 27-Jährige das Vertrauen der Familie missbraucht habe, so Kessler. Er verurteilte den Mann zu einem Jahr und neun Monaten Haft. Weil er zum Zeitpunkt der Taten unter offener Bewährung stand, wird er sogar noch länger im Gefängnis bleiben müssen. Denn auch die acht Monate aus der vorigen Verurteilung muss er nun absitzen.
Ulrike Osman

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