Amtsgericht Landsberg: Wenn Papa Mama schlägt

34-Jähriger attackiert Partnerin vor den Augen der Kinder

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Im nördlichen Landkreis eskalierte der Streit eines Paares.

Landkreis – Wenn die Emotionen hochkochen, kann es handgreiflich werden bei einem Paar aus dem nördlichen Landkreis. Die Frau verbüßt derzeit eine Haftstrafe wegen Körperverletzung, und auch der Mann wurde jetzt vom Amtsgericht Landsberg verurteilt.

Der Vorfall, über den Richter Michael Eberle zu entscheiden hatte, passierte im September 2018. Das Paar geriet in Streit, weil die Frau einer Freundin einen Topf Suppe bringen wollte. Der Mann argwöhnte, dass die 32-Jährige zu einem anderen Mann fahren wollte und verfolgte sie zu Fuß bis zum Bahnhof der Ortschaft. Hier ging die Auseinandersetzung weiter, wobei der 34-Jährige die Frau am Kragen gepackt und eine Morddrohung geäußert haben soll.

Schließlich kehrten beide samt Suppentopf in ihre Wohnung zurück, in der sich auch die drei gemeinsamen Kinder aufhielten. Hier soll der Mann seiner Partnerin weiter Vorwürfe gemacht haben. Um zu verhindern, dass sie die Polizei rief, schleuderte er ihre beiden Handys zu Boden und biss die Frau in den Finger. Als die 32-Jährige aus dem Fenster um Hilfe rufen wollte, soll er sie mit einer Hand am Hals gepackt und ihr mit der anderen Hand den Mund zugehalten haben. Der Frau wurde einige Sekunden lang schwarz vor Augen. Sie versuchte ins Bad zu flüchten, wo der Mann sie zu Boden schubste, sodass sie mit der Stirn an die Toilettenbrille knallte. Auch mit Vergewaltigung soll er gedroht haben.

Kinder sind Zeugen

Inzwischen hatten Nachbarn die Polizei gerufen. Zwei der Beamten belasteten den Angeklagten, der die Vorwürfe abstritt, vor Gericht schwer. Oberkörperfrei, schreiend und wild gestikulierend hätten sie ihn in der Wohnung angetroffen. Die Frau lag im Nebenzimmer blutend und weinend am Boden. Die drei Töchter des Paares, damals sechs und vier Jahre alt, hatten die Gewalt mitangesehen und waren entsprechend aufgelöst. „Sie riefen immer wieder, dass der Papa die Mama geschlagen hatte“, berichtete eine der ermittelnden Polizeibeamtinnen.

Während Staatsanwältin Kathrin Schmid von der Schuld des Angeklagten überzeugt war und ihn für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis stecken wollte, plädierte Verteidigerin Carola Schmidberger auf Freispruch, da die Geschädigte nicht glaubwürdig sei. „Sie hasst den Angeklagten und macht ihn für alles verantwortlich, was in ihrem Leben schiefgelaufen ist.“

Dass die 32-Jährige „problematisch“ sei, gestand auch Richter Michael Eberle zu. Auch sie hat bereits ihren Partner attackiert, verbüßt derzeit eine Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung und ist auch beim Jugendamt kein unbeschriebenes Blatt.

In diesem Fall aber seien die Aggressionen nicht von der Frau ausgegangen, war Eberle überzeugt – vor allem wegen der Reaktion der Töchter. „Was die Kinder nach so einem traumatischen Erlebnis ungefiltert von sich geben, muss man ernst nehmen.“ Auch hatte die Geschädigte, die aus der Haft vorgeführt wurde, die Vorwürfe bestätigt – und es lagen Fotos von den Verletzungen vor.

Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung lautete schließlich das Urteil. Außerdem muss der Mann 200 Stunden soziale Hilfsdienste leisten. Ihm kam zugute, dass er sich derzeit allein um die Kinder kümmert und durch sie sozial eingebunden ist. Das Jugendamt beurteilt ihn offenbar positiv, während die Frau nach ihrer Haftentlassung die Töchter nur in Begleitung sehen darf.
Ulrike Osman

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