Amtsgericht Landsberg: 70-Jähriger wegen Attacke gegen Ehefrau verurteilt

Mann mit Flasche vor Frau
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Ein 70-Jähriger hat seine unter anderem gewürgt. Danach verletzte er das Kontaktverbot. Jetzt wurde er verurteilt. (Symbolbild)
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    vonUlrike Osman
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Ammersee – Körperverletzung und Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz haben einen 70-jährigen Ammerseeanrainer vor den Strafrichter gebracht. Der Mann soll laut Anklage im September 2020 seine Ehefrau attackiert und kurz darauf gegen das gerichtlich verfügte Kontaktverbot verstoßen haben.

Sie sei an jenem Tag gegen 23.30 Uhr von einem Essen mit Freundinnen nach Hause gekommen und habe ihren Mann „wie immer“ vor dem Fernseher angetroffen, berichtete die 54-Jährige, die unter den Vorfällen immer noch leidet. Er war stark alkoholisiert – auch das war laut der Frau nichts Neues. Ihr Mann habe regelmäßig Wein, Cognac und Whisky konsumiert.

An diesem Abend mündete ein zunächst normales Gespräch schnell in Geschrei von Seiten des Mannes. Es weckte sogar den damals 16-jährigen gemeinsamen Sohn. „Deine Mutter hurt rum“, soll der 70-Jährige, der einen Doktortitel in pädagogischer Psychologie besitzt, gebrüllt haben.

Später versuchte er, die Frau aus dem Bett zu ziehen, zog sie an den Haaren durchs Esszimmer, griff mit beiden Händen an ihren Hals und drückte zu. Die 54-Jährige rief die Polizei – und noch während die Beamten im Haus waren, unternahm der Mann einen Suizidversuch, bei dem er sich nicht unerheblich verletzte. Er landete im Krankenhaus.

Drei Tage später erwirkte die Frau vor dem Amtsgericht Landsberg ein Kontaktverbot gegen den Rentner. Der schrieb ihr vom Krankenbett aus dennoch Nachrichten per WhatsApp, in denen er um Kleidung, Schuhe und sein Handyladekabel bat. Einmal betrat er in der Folgezeit auch das gemeinsame Grundstück im östlichen Landkreis – angeblich, um zu überprüfen, ob der Swimmingpool im Garten eingefroren sei. Ein anderes Mal schickte er per Handy ein Foto der Rechnung für die Grundsteuer, damit diese pünktlich bezahlt werde.

Sein Mandant habe zunächst nicht begriffen, dass er aufgrund des Kontaktverbots nichts davon hätte tun dürfen, erklärte Verteidiger Florian Zenger. An den Gewaltausbruch am Abend des 18. September könne sich der Mann nicht erinnern. Das Ganze tue ihm aber „unglaublich leid“. Der 70-Jährige macht inzwischen eine Alkoholtherapie, lebt in einer Ferienwohnung und hat eingesehen, dass seine 18-jährige Ehe am Ende ist.

Er hoffe aber trotzdem, dass das Kontaktverbot vom Familiengericht soweit gelockert werde, dass er seinen Sohn im Haus besuchen könne, so der Angeklagte. Strafrichter Michael Eberle machte ihm da wenig Hoffnung. Da der Sohn aber inzwischen 17 Jahre alt ist und zeitweise in einem Tennis-Camp in Tirol lebt, könne man sich sicher auch außerhalb des gemeinsamen Grundstücks treffen.

In seinem Urteil wertete das Gericht einiges zugunsten des bis dato unbescholtenen Angeklagten – etwa, dass er offenbar nicht die Absicht gehabt habe, seine Frau mit den Whatsapp-Nachrichten zu verängstigen. Rechtlich gab es an den Verstößen gegen das Kontaktverbot jedoch nichts zu rütteln und an der Körperverletzung erst recht nicht. Eberle verurteilte den 70-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 45 Euro und folgte damit dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Tagessatzhöhe von 50 Euro plädiert.

Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.
Ulrike Osman

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