Streit zwischen Brüdern

Amtsgericht Landsberg: Nach Faustschlag auf einem Auge blind

Bei dem Streit wurde der 16-Jährige von zwei weiteren Jugendlichen geschlagen und verletzt.
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Ein Mann hat seinen Bruder so schwer verletzt, dass dieser nun auf einem Auge blind ist.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Auch in der Familie kann es laut werden. Oder vielleicht gerade da, ist man sich doch oft am nächsten. Bei einer Geburtstagsfeier kam es zum Streit zwischen einem 59-jährigen Landsberger und seinem Bruder, der ausartete: So weit, dass der Bruder auf einem Auge erblindete. Der 59-Jährige stand nun wegen schwerer Körperverletzung vor dem Schöffengericht.

„Ich bin schuldig“, sagte der 1993 von Russland eingewanderte An­lagenfahrer nach der Verlesung der Anklage durch Staatsanwältin Johanna Thunser. Er habe nicht mit Absicht gehandelt und die Folgen nicht voraussehen können. Er bereue seine Tat und wolle sich entschuldigen. „Das Ganze ist auch für mich eine Tragödie“, sagte er sichtlich bewegt.

Die Prügelei ereignete sich am 6. Juni vergangenen Jahres, auf der Geburtstagsfeier des Angeklagten, bei der seine Frau sowie sein Bruder und dessen Frau anwesend waren. Man habe sich gestritten – worüber, wird nicht verhandelt. Laut Amtsgericht habe es sich um das „Thema Coronavirus“ gehandelt. Verteidiger Sascha Schnarr korrigierte lediglich, der Angeklagte habe das „anders in Erinnerung“.

Der Anklage zufolge packte der 59-Jährige nach heftigem Wortwechsel seinen Bruder am Hals. Der schlug ihn gegen den Kopf, ging aber dann zu Boden, worauf der Angeklagte sich auf ihn setzte und mit der Faust je einmal auf das rechte und das linke Auge schlug. In diesem Moment griff die Schwägerin ein – die der Angeklagte gegen den Türrahmen stieß, worauf sie stürzte.

Der Bruder erlitt am rechten Auge eine Augapfelprellung, durch die sich die Netzhaut ablöste: Der Mann ist auf dem Auge blind. Zudem bestehe laut ärztlichem Gutachten der Verdacht auf Augapfelschrumpfung, durch die eventuelle ein künstliches Auge nötig werde. Die Schwägerin hatte eine Kopfplatzwunde und Verstauchungen an Fuß- und Handgelenk.

An dem Tag habe er mit seinem Bruder und seiner Frau eine halbe Flasche Wodka getrunken, zudem jeder der Brüder ein Bier, antwortete der Landsberger auf die Nachfragen von Richterin Katrin Prechtel. Er habe sich nicht betrunken gefühlt, habe keine Alkoholprobleme und sei generell kein aggressiver Mensch. Sein Bruder war als Zeuge geladen, hatte aber um Entbindung gebeten, so Prechtel. Er wolle „mit der Sache abschließen“. Seit dem Vorfall haben die Brüder keinen Kontakt mehr.

Vor der Gerichtsverhandlung sei es bereits zu einem Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) gekommen, informierte Schnarr. Der Angeklagte habe dem Bruder 35.000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, zudem die Anwalt- und Gutachterkosten, obwohl Letztere nicht im TOA vereinbart wurden. Auch der Schwägerin habe er, in Absprache mit deren Anwältin, Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro gezahlt, zuzüglich der Kosten für Medikamente.

Staatsanwältin Thunser setzte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monate auf Bewährung an, zudem eine Auflage von 5.000 Euro an den Bayerischen Blinden- und Sehbe­hindertenbund. Die Auflage sei niedrig, da dem Angeklagten noch Regressforderungen drohten. Strafmildernd seien der TOA, das Geständnis und dass der Angeklagte nicht vorbestraft sei. Dennoch sehe sie einen „Gewaltexzess“.

Schnarr beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie 3.000 Euro Geldauflage: Der Angeklagte habe ja bereits insgesamt rund 45.000 Euro an die Geschädigten gezahlt. Zudem sei dessen monatliche Belastung aufgrund von Schulden im Bezug zum Einkommen hoch, eine Regressforderung sei ebenfalls zu erwarten.

Prechtel folgte Schnarr, senkte die Auflage wegen zu erwartender Regressforderungen aber nochmals auf 2.000 Euro. Der Angeklagte habe sich reumütig gezeigt und nicht versucht, die Tat zu rechtfertigen.

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