35-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt

Amtsgericht Landsberg: Neun Monate für prügelnden Vater

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Der 35-jährige Familienvater wurde zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Landsberg – Alles Leugnen half nicht – Richter, Staatsanwältin, Nebenklagevertreter und sogar die Verteidigung hatten zuletzt keinen Zweifel mehr an der Schuld des Angeklagten. Der 35-jährige Familienvater hatte in einer weitschweifigen Darstellung abgestritten, was die Anklage ihm vorwarf – nämlich in zwei Fällen seine Frau geschlagen zu haben. Doch die Aussagen der Geschädigten und der beiden ältesten Kinder des Paares bestätigten die Vorwürfe.

Die Vorfälle hatten sich im Oktober 2019 und im Januar 2020 ereignet. In einem Fall trug die 33-jährige Ehefrau ein blaues Auge davon, das auf Polizeifotos dokumentiert war. Bei den vorausgegangen Streitereien ging es mal um Geld, mal um ein Kind, das er mit einer anderen, in der Schweiz lebenden Frau hat. Zur letzten großen Auseinandersetzung im Januar kam es, weil die Frau mit einer Freundin telefonierte und der Mann hörte, wie sie seinen Namen erwähnte. Bei den folgenden Handgreiflichkeiten versuchten die beiden ältesten Kinder – ein 15-jähriges Mädchen und ein zehnjähriger Junge – dazwischen zu gehen, wurden jedoch vom Vater grob aus dem Zimmer geschubst.

Als die Kinder nun vor Gericht befragt werden sollten, musste der Vater den Sitzungssaal verlassen. Sonst hätten sich beide nicht getraut, ihre Aussagen zu machen, wie eine Vertreterin des Jugendamts sagte. „Dass die Kinder hier aussagen mussten, ist eigentlich das Schlimmste“, befand Nebenklagevertreter Markus Becker später. Er vertrat die Interessen der Ehefrau. Die Altenpflegerin lebt inzwischen mit ihren vier Kindern vom Angeklagten getrennt, „hat Arbeit, ist gut integriert und schlägt sich durch“, so Becker. Die Kinder – die beiden jüngeren sind sechs und vier Jahre alt – seien aber durch die Geschehnisse sicherlich traumatisiert. Die aus Sierra Leone stammende Familie ist seit 2014 in Landsberg.

Für Staatsanwältin Julia Ehlert zeigte die Verhandlung, dass die angeklagten Taten „nur die Spitze des Eisbergs waren“. Sie könne keinerlei Aspekte finden, die zugunsten des Angeklagten sprächen. Den Kindern habe man angemerkt, wie verängstigt sie waren. Eine Geldstrafe hielt die Anklagevertreterin nicht mehr für ausreichend und forderte für den 35-Jährigen ein Jahr Haft auf Bewährung.

Verteidiger Helge Müller-Roden erklärte, die Anklage müsse man akzeptieren. Allerdings sei das Verhalten der Ehefrau nicht ausreichend untersucht worden – die Gewaltausbrüche seien „eventuell wechselseitig“ gewesen. Tatsächlich war auch der Mann nach einer Auseinandersetzung mit Bisswunden beim Arzt, was die Frau nicht bestritten hatte. Sie habe sich aber lediglich gewehrt.

Als „brutal und gefährlich“ bezeichnete Richter Michael Eberle das Verhalten des Angeklagten. Dass die Kinder die Prügeleien mit ansehen mussten, fiel erschwerend ins Gewicht. Das Urteil: neun Monate Haft auf Bewährung und 150 Stunden soziale Dienste, die innerhalb von acht Monaten abzuleisten sind. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, für zwei Drittel dieser Zeit wird dem 35-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

„Sie bekommen eine Chance“, gab Eberle dem Verurteilten mit auf den Weg. Den hatte die Tragweite des Ganzen offenbar erst gegen Ende der Verhandlung eingeholt. Bei seinem letzten Wort weinte er – und versicherte, man werde ihn vor Gericht nicht wiedersehen.
Ulrike Osman

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