Amtsgericht Landsberg

Ammersee: Rentner in Rage

Alter Mann stehend
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Ein 78-jähriger Rentner wurde immer wieder rabiat. Jetzt muss er ins Gefängnis – wenn er haftfähig ist.

Ammersee – Immer wieder geriet ein 78-Jähriger in einem Ort am Ammersee mit seinen Nachbarinnen aneinander. Dabei wurde er rabiat, warf mit üblen Beschimpfungen um sich und schlug zwei der Frauen sogar. Vom Amtsgericht Landsberg wurde der Rentner jetzt wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Antreten müssen wird er sie wohl nicht – er ist nicht haftfähig.

  • Ein 78-Jähriger gerät immer wieder mit seinen Nachbarn aneinander.
  • Jetzt wurde er wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
  • Die muss er aber wahrscheinlich nicht antreten.

Der vielfach vorbestrafte 78-Jährige ist ein „schwer behinderter, schmerzgeplagter, kranker Mensch“, wie sein Verteidiger Bernhard Mehr sagte. Der Arzt des Rentners bezweifelte, dass der Mann physisch in der Lage wäre, Schläge auszuteilen – er leidet unter starken Bewegungseinschränkungen der Arme und Hände. „Es ist fraglich, ob er ausholen und zuschlagen könnte“, sagte der Weilheimer Mediziner im Zeugenstand.

Andererseits hat der 78-Jährige ein cholerisches Temperament und fühlt sich schnell provoziert. Als im Frühjahr sein Hund eingeschläfert werden musste und die Tierklinik eine Vergiftung als Ursache für möglich hielt, rastete er seinen Nachbarinnen gegenüber aus. Im Hausflur des Mietshauses bedachte er eine 63-Jährige und eine 69-Jährige mit einer regelrechten Schimpftirade. Als die 69-Jährige sich schützend vor die andere Frau stellte und den 78-Jährigen mit ausgestrecktem Arm auf Distanz halten wollte, schlug er ihren Arm weg. „Ich war nicht verletzt, aber geschockt“, sagte die Rentnerin aus. „Er sagte, dass er uns fertig macht.“

Die 63-Jährige bezeichnete die Vorfälle als „Horror-Szenario“ und konnte ein Handy-Video vorlegen, auf dem das Gebrüll des Angeklagten, gespickt mit Beleidigungen, zu hören war. Einer weiteren, 84-jährigen Hausbewohnerin warf der Mann vor, seinen Hund vergiftet zu haben. Auf sie soll er mit beiden Händen eingeschlagen haben. Zwei Tage später erlitt die Frau einen Schlaganfall.

Die herbeigerufene Polizei traf ihn „äußerst aggressiv und betrunken“ in seiner Wohnung an, wie ein 22-jähriger Beamter in Ausbildung berichtete. Es war nicht das erste Mal, dass der Rentner mit der Polizei zu tun hatte. Seit über 40 Jahren gerät er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt und hat auch schon Gefängnisstrafen abgesessen. Insgesamt hat er 30 Vorstrafen angehäuft.

Verteidiger Bernhard Mehr sprach von einer „schwierigen, schlimmen Gemengelage“. Der Tod des Hundes sei für den Mann „eine hochemotionale Geschichte“ gewesen. Als er sich ein neues Tier anschaffen wollte, hätten die Nachbarinnen beim Hundezüchterverein zu intervenieren versucht. Zum Zeitpunkt der angeklagten Vorfälle sei der Mann nicht nur betrunken gewesen, sondern habe auch unter Schmerzmitteln gestanden und sei nicht „Herr seine Sinne“ gewesen. Der Verteidiger ging von verminderter Schuldfähigkeit aus und plädierte auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 15 Euro.

Für Staatsanwältin Julia Ehlert kam dagegen nur eine Haftstrafe für den Angeklagten in Frage. Ein Jahr und drei Monate ohne Bewährung, lautete ihr Antrag. Die vielen Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit – im vergangenen Jahr stand der Mann wegen ganz ähnlicher Vorfälle vor Gericht – fielen negativ ins Gewicht. Der einzig positive Aspekt in den Augen der Anklagevertreterin: Der 78-Jährige ist inzwischen in einen anderen Landkreis gezogen.

Richter Michael Eberle hatte „viel Verständnis“ für die Ausführungen der Verteidigung. Beim letzten Mal hatte er es bei einer Geldstrafe belassen – dann aber hätte „nichts mehr vorkommen dürfen“. Dieses Mal lautete das Urteil auf ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Eberle hatte keinen Zweifel, dass der 78-Jährige trotz seiner körperlichen Verfassung zu den Attacken in der Lage gewesen war. „Wenn Sie in Rage sind, bringen Sie die Hände schon noch hoch.“

Bewährung bekam der 78-Jährige nicht, die Strafe antreten muss er wahrscheinlich trotzdem nicht. Bereits eine frühere Gefängnisstrafe wurde zurückgestellt, da der Mann haftunfähig ist. Demnächst stehen ihm wieder eine Operation und mehrfache Krankenhausaufenthalte bevor.
Ulrike Osman

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