Untreue, Unterschlagung, Munitions-Besitz

Ein Polizist auf Abwegen

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Verwarnungsgelder veruntreut, Fundsachen unterschlagen: Der Polizeibeamte wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt

Dießen – „An einer Freiheitsstrafe führt kein Weg vorbei“, das musste selbst der Verteidiger des 36-jährigen Polizisten, der wegen Untreue, Unterschlagung und Besitz von Munition angeklagt war, einräumen.

Während seines Dienstes in der Polizeiinspektion Dießen soll der Angeklagte aus einer Jacke, die ihm als Fundsache übergeben worden war, Geld genommen und Verwarnungsgelder nicht abgegeben, sondern in die eigene Tasche gesteckt haben. Am Ende der Verhandlung am vergangenen Donnerstag räumte er die Taten ein und wurde von Richterin Sabine Grub zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der auf der Anklagebank sitzende Polizeibeamte wollte nichts zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen sagen. Sein Verteidiger Jochen Uher verwies lediglich auf zwei Punkte: Dass der Angeklagte in Besitz von Munition war, lasse sich schlecht negieren, so Uher. Deshalb räume das sein Mandant auch ein. Auch auf die Untreue ging der Verteidiger näher ein: Dass der 36-Jährige die Verwarnungsblöcke, durch die er befugt war, Verwarnungsgelder auszustellen, nicht wie normalerweise gefordert monatlich abgerechnet hatte, sei ebenfalls „unstrittig“. In den Jahren 2011 und 2012 habe der Polizeibeamte einmal 675 Euro und einmal 545 Euro nicht bei seiner Dienststelle abgegeben, sondern für eigene Zwecke verwendet, lautete die Anklage. Außerdem habe er das Federmäppchen eines Kollegen an sich genommen und aus dem abgesperrten Spind eines anderen Kollegen 295 Euro entwendet haben.

Aber damit noch nicht genug: Der Vorwurf gegen den 36-Jährigen, der wohl am schwersten wog, war ein anderer. So soll der Polizeibeamte aus einer Jacke, die ihm als Fundsache übergeben worden war, mindestens 200 Euro entnommen haben, um sie zu behalten. Im April 2012 hatte ein Dießener an einer Tankstelle eine Jacke gefunden, die dort auf dem Boden lag. Dem Mann fiel das Gewicht des Kleidungsstückes auf, woraufhin er in den Taschen nachsah. Dort fand er, seinen Angaben vor Gericht zufolge, ein Handy und eine Geldbörse. Er beschloss daraufhin, das Sakko auf die Polizeidienststelle zu bringen. Dort übergab er das Kleidungsstück an den Angeklagten. Geldscheine habe er nicht gesehen, lediglich „viele Kreditkarten“ seien in der Geldbörse gewesen, so der Dießener.

Da er unter Zeitdruck gewesen sei, habe er die Fundanzeige unterschrieben und verließ die Dienststelle wieder, schilderte der Finder vor Gericht. Nachdem der Besitzer der Jacke verständigt worden war und diese bei der Dießener Polizei abholte, musste er feststellen, dass „zwischen 200 und 300 Euro“ fehlten, die er in einem Terminplaner aufbewahrt hatte. Der Verdacht fiel auf den Finder. Gegen diesen wurde im Anschluss sogar ermittelt. Da ihm die Tat jedoch nicht nachgewiesen werden konnte, wurden die Ermittlungen gegen den Mann wieder eingestellt. Vor Gericht beteuerte der Dießener nochmals, einen Terminplaner habe er nicht gesehen.

Eine Kollegin des angeklagten Polizisten, die als Zeugin vor Gericht erschienen war, konnte bezeugen, dass es der Angeklagte war, der die Jacke entgegengenommen hatte. Im An- schluss habe sie die Dienststelle verlassen. Die Jacke verblieb in der Obhut des Polizeibeamten.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Verteidiger und Staatsanwaltschaft, erging der Beschluss, von der Verfolgung der Vorwürfe mit dem Federmäppchen und dem Dieb- stahl aus dem Spind des Kollegen abzusehen. Nach einer weiteren Unterbrechung, stellte Richterin Sabine Grub dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung in Aussicht. Schließlich ließ der angeklagte Polizist die Taten durch seinen Rechtsanwalt einräumen. Er selbst wollte sich immer noch nicht äußern.

Verteidiger Jochen Uher verwies allerdings noch auf die Gründe für die Taten des Polizisten: Der finanzielle Aufwand, dem sich sein Mandant durch ein krankes Kind und eine Autoreparatur ausgesetzt sah, seien die Ursache für die Taten gewesen. Zumindest als Polizist stehe der Angeklagte dann vor einem Scherbenhaufen, so sein Verteidiger. Deshalb verwies er das Gericht darauf, „Augenmaß zu bewahren“.

Doch für Richterin Sabine Grub wogen die Taten schwer: Er habe als Polizeibeamter seine Vorbild- und Vertrauensfunktion missbraucht. Außerdem habe er durch die Unterschlagung der 200 Euro aus der Fundjacke massive Folgen für einen Unschuldigen in Kauf genommen. So verurteilte Grub den Polizisten wegen eines besonders schweren Falls der Untreue, Unterschlagung und vorsätzlichem Besitz von Munition zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Als Bewährungszeit legte Grub drei Jahre fest.

Außerdem kommen auf den Polizeibeamten die Kosten des Verfahrens sowie eine Geldauflage von 1000 Euro zu – die Staatsanwaltschaft hatte zuvor ein Jahr und vier Monate gefordert. Letztlich verwies Grub auf die „erheblichen weiteren Konsequenzen“: Der 36-Jährige wird wohl nicht nur seine Arbeit verlieren, sondern auch den Anspruch auf die Pensionskasse.

Astrid Erhard

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