»Angeschaut und nicht gelöscht«

Zwei Syrer wegen des Besitzes pornografischer Schriften verurteilt

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Wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften verurteilte das Amtsgericht Landsberg zwei Syrer zu Geldstrafen von 300 und 1800 Euro.

Landsberg – „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ – diesen Grundsatz zitierte Richter Alexander Kessler in einer Verhandlung gegen zwei Syrer gleich mehrfach. Denn er wollte den 23 und 22 Jahre alten Männern unmissverständlich klar machen, dass sie verurteilt werden würden, auch wenn ihnen das Unrecht ihrer Taten angeblich nicht bewusst war. Beide standen wegen des Besitzes kinder- beziehungsweise jugendpornografischer Schriften vor dem Amtsgericht Landsberg.

Er habe das Bild eines nackten Säuglings lediglich „als Spaß“ von Facebook heruntergeladen, um es einem Freund zu schicken, sagte der 22-Jährige aus. „Ich wusste nicht, dass man dafür bestraft wird.“ Da auf seinem Smartphone nur dieses eine Foto gefunden worden war, wog der Fall weniger schwer als der des anderen Angeklagten. Auf dessen Handy stellte die Polizei 53 Bilder mit verbotenem, teils gewalttätigem Inhalt sicher.

Der 23-Jährige sagte aus, er habe das Handy in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs gebraucht gekauft – die kinderpornografischen Fotos müssten also vom Vorbesitzer stammen. Dies hatte er auch schon bei der Polizei behauptet, ohne jedoch den Laden benennen oder eine Rechnung vorlegen zu können. Letztlich sei es auch „völlig egal“, wie die Fotos auf das Smartphone gelangt seien, führte Kessler dem Angeklagten vor Augen. Laut Gutachten wurde auf die Bilder zugegriffen, als das Handy schon im Besitz des Angeklagten war. „Sie haben die Bilder angeschaut und nicht gelöscht.“

Dass ihm das kindliche Alter der abgebildeten Mädchen nicht aufgefallen war, kaufte das Gericht dem Mann ebenfalls nicht ab. Die Opfer auf den Bildern waren zwischen zwei und 18 Jahren alt. Erschwerend kam hinzu, dass die Bilder laut Aussage des ermittelnden Polizeibeamten nicht etwa im stillen Kämmerlein entstanden waren, sondern professionelle Qualität aufwiesen. „Damit ist Geld gemacht worden“, war sich der Kripo-Beamte aus Fürstenfeldbruck sicher.

Einem Hinweis amerikanischer Behörden war es zu verdanken, dass die beiden Syrer in den Fokus der Beamten gerieten. Im Zuge einer großangelegten Ermittlung gegen die Verbreitung von Kinderpornografie hatte man festgestellt, dass das Bild des nackten Säuglings über den Festnetzanschluss einer Asylbewerberunterkunft im Bereich Eching aus dem Internet heruntergeladen worden war.

Der Nutzer hatte zwar bei der Einrichtung seines Accounts eine falsche Identität verwendet, dabei aber unter anderem trotzdem sein echtes Geburtsdatum angegeben. Ein Abgleich mit den Belegungslisten des Landratsamts führte die Ermittler zu einer Flüchtlingsunterkunft in Landsberg. Dort wurde das Zimmer des 22-jährigen Syrers durchsucht und sein Handy sichergestellt. Dass in einem Spind unter dem Bett auch das Smartphone des 23-Jährigen gefunden wurde, war Zufall.

Nicht vorbestraft

Zugunsten der Angeklagten sprach, dass beide nicht vorbestraft waren und dass sie bei der Durchsuchung kooperiert und freiwillig die Handys entsperrt hatten. Ansonsten hätten die Zugangscodes aufwändig geknackt werden müssen.

Beide zeigten sich vor Gericht einsichtig und beteuerten, keine pädophilen Neigungen zu haben. „Solche Menschen sind psychisch krank“, äußerte der 23-Jährige über den Dolmetscher, der den beiden zur Seite stand.

Kessler verurteilte den 22-Jährigen zu einer Geldstrafe von 300 Euro (20 Tagessätze à 15 Euro). Der 23-Jährige muss 1.800 Euro (120 Tagessätze à 15 Euro) zahlen. Beiden Verurteilten gab der Vorsitzende eine Warnung mit auf den Weg: Sollte noch einmal etwas Ähnliches vorkommen, müssten sie mit Freiheitsstrafen rechnen.

Ulrike Osman

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