Wenn Freunde zu Feinden werden

Amtsgericht Landsberg: Der ehemals beste Freund

Zwei Autofronten zusammengestoßen
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Vormals beste Freunde, jetzt erbitterte Gegner: Ein 59-Jähriger und ein 70-Jähriger standen erneut vor Gericht.

Landsberg – Bis vor ein paar Jahren waren ein 59-Jähriger aus einem Dorf bei Landsberg und ein 70-Jähriger aus dem Landkreis Unterallgäu beste Freunde. Inzwischen sind sie erbitterte Gegner und führen einen Rechtsstreit in einer Immobilienangelegenheit. Kürzlich standen sich die beiden auch in einem Strafprozess gegenüber – der eine als Angeklagter, der andere als Geschädigter.

Auf der Anklagebank saß der 70-Jährige. Ihm wurde ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr in Tateinheit mit Sachbeschädigung vorgeworfen. Angeblich hatte er gegen 9.30 Uhr an einem Vormittag im März letzten Jahres den 59-Jährigen auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Pitzling und Pürgen am Überholen gehindert. Er sei betont langsam vor dem anderen hergefahren und habe zweimal nach links herübergezogen, als der 59-Jährige zum Überholen ansetzte. Beim zweiten Mal kam es zu einer geringfügigen Karambolage – beide Fahrzeuge trugen Kratzer und Dellen davon. Erst, als beide Fahrer ausstiegen, will der 70-Jährige bemerkt haben, dass der Unfallgegner sein ehemals bester Freund war.

Der wiederum unterstellte dem Angeklagten, ihm aufgelauert und den Unfall bewusst herbeigeführt zu haben. Der 70-Jährige habe zunächst in einem Seitenweg gestanden, sei dann direkt vor ihm auf die schmale Ortsverbindungsstraße eingebogen und weitergefahren, ohne zu beschleunigen („im zweiten Gang mit Standgas“), sagte der 59-Jährige aus. Er habe den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte ihn bewusst abgepasst habe.

Der herbeigerufenen Polizei gegenüber äußerte der 70-Jährige, sein ehemaliger Freund habe womöglich am Abend zuvor getrunken – und keinen gültigen Führerschein. Beides stellte sich als unzutreffend heraus. Staatsanwältin Yvonne Möller sah in diesen Äußerungen „deutlichen Belastungseifer“ auf Seiten des Angeklagten. Allerdings hatte der 59-Jährige tatsächlich einmal unter Alkoholeinfluss einen schweren Verkehrsunfall verursacht und war daraufhin seine Fahrerlaubnis losgeworden. Seinen derzeitigen Führerschein hat er offenbar im Ausland erworben.

Nur zum Kaffeetrinken

Der 70-Jährige Unterallgäuer konnte glaubhaft erklären, warum er an diesem Morgen in Pitzling war und dass er keineswegs dem 59-Jährigen aufgelauert habe. Vielmehr sei er zu seinem Anwalt in Pitzling unterwegs gewesen, war für den Termin aber zu früh dran. Deshalb habe er in einer Bucht neben der Straße geparkt, ein paar Anrufe erledigt und sich dann entschlossen, im Lengenfelder Gewerbegebiet noch einen Kaffee zu trinken. Langsam gefahren sei er, weil er eben noch so viel Zeit hatte.

Verteidiger Joachim Feller konnte zudem auf zahlreiche Ungereimtheiten in der Anklage verweisen. Woher habe sein Mandant wissen sollen, wann der 59-Jährige an der Straßeneinmündung vorbeikommen würde? Wie könne derjenige, der vorne fährt, einen Unfall provozieren? Und schließlich habe der 70-Jährige gar keinen Grund für die unterstellte Aktion gehabt – er hatte zuletzt einen Zivilprozess gegen den anderen gewonnen. Der wiederum sagte im Zeugenstand aus, dass der 70-Jährige seine Existenz zerstört habe.

„Es passt alles vorn und hinten nicht zusammen“, konstatierte Feller. Dass die Anklagevertretung – unter anderem aufgrund von vier Vorstrafen des Angeklagten – eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung forderte, könne er „kaum glauben“. Da es keinen objektiven Anhaltspunkt für den Unfallhergang gebe, forderte er Freispruch.

Genauso lautete dann auch das Urteil von Richterin Beate Kreller. Der vorliegende „geringe Verkehrsverstoß“ könne auch schlicht durch Unachtsamkeit passiert sein. Seinen Führerschein, der nach dem Unfall eingezogen worden war, erhält der 70-Jährige zurück.

Ulrike Osman

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