"Ich lass‘ dir die Knochen brechen!"

Amtsgericht Landsberg: Wirt bedroht Gast wegen schlechter Internet-Bewertung

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Wegen einer schlechten Internetbewertung wurde ein Gast vom Wirt bedroht.

Landsberg – Weil ein Gast im Internet eine schlechte Bewertung über sein Restaurant abgegeben hatte, drohte der Wirt, ihm „die Knochen brechen“ zu lassen. Vom Amtsgericht Landsberg wurde der Gastronom jetzt wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Im letzten Herbst wurde ein 59-jähriger Lehrer von Freunden in das Lokal des Angeklagten eingeladen. Beeindruckt war er nicht von dem Besuch in der Vereinsgaststätte in Kaufering. Der Service sei schlecht und langsam gewesen und das Essen habe nach Convenience-Produkten geschmeckt, schrieb er hinterher in einer Online-Bewertung auf der Plattform Tripadvisor.

Etwa zwei Wochen später habe er einen Anruf vom Wirt bekommen, berichtete der 59-Jährige im Zeugenstand. „Er sagte, ich solle die Bewertung innerhalb von sieben Tagen löschen. Sonst würde er jemanden vorbeischicken, der mir die Knochen bricht.“

Der 54-jährige Gastwirt bestritt das. Den Anruf habe es zwar gegeben, nicht aber die Drohung. Die negative Bewertung habe er nicht hinnehmen können, da der Zeuge „noch nie“ in seiner Kauferinger Gaststätte gewesen sei. Der negative Online-Kommentar habe rein persönliche Gründe.

Tatsächlich gab es eine Vorge­schichte. Die beiden Männer kannten sich aus dem Lokal, das der Angeklagte zuvor in der Landsberger Altstadt betrieben hatte. In einem Saal gleich nebenan fand im Januar 2019 eine Ausstellung mit Bildern des 59-Jährigen statt, der neben seiner Lehrtätigkeit als Künstler arbeitet. Für die Vernissage sorgte der Angekagte für das Catering und einigte sich mit dem Künstler auf einen Fixpreis. Hinterher wollte er mehr als den vereinbarten Betrag. Und schon damals fand der 59-Jährige, „dass das Gebotene in keinem Verhältnis zum Preis stand“.

Etwas später verabredete sich der Künstler mit einigen Galeristen, denen er seine Ausstellung zeigen wollte. Doch man stand vor verschlossener Tür. Die Öffnungszeiten des Ausstellungsraums hingen mit denen der Gaststätte zusammen – und obwohl diese eigentlich hätte offen sein sollen, war der Wirt nicht da. „Das war sehr peinlich für mich“, so der 59-Jährige. Er stellte dem Gastronomen eine Aufwandsrechnung, die dieser allerdings nicht bezahlte.

Was die versuchte Nötigung betraf, so stand vor Gericht Aussage gegen Aussage. Doch sowohl der Anklagevertreter als auch Richter Michael Eberle glaubten den Angaben des Künstlers – unter anderem, weil dieser auf Nachfrage noch genau sagen konnte, was er an jenem Tag in Kaufering gegessen hatte. Was er später im Internet schrieb, sei „kein Racheakt“ gewesen, so Eberle, sondern schlicht eine Bewertung – und diese sei wohl nicht „aus dem luftleeren Raum“ gekommen. Der Gastronom hatte im Laufe seiner Vernehmung angegeben, in seinem Lokal lediglich zwei Hilfsköchinnen ohne einschlägige Ausbildung zu beschäftigen.

Verteidiger Patrick Freutsmidl machte in der Aussage des Künstlers Widersprüche aus, was aber letztlich nicht ins Gewicht fiel. Der Gastwirt wurde zu einer Geldstrafe von 2.800 Euro (70 Tagessätze zu je 40 Euro) verurteilt.

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