Wegen ‚falschen Attests‘ vor Gericht

Amtsgericht Landsberg: Wo bleibt Zeuge Rolf Kron?

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Eine 28-Jährige aus Niedersachsen legt als Attest einen Vordruck vor, der von der Sprechstundenhilfe unterschrieben ist. Jetzt stand sie vor dem Amtsgericht Landsberg. Ihr Zeuge Rolf Kron kam leider nicht.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Eine 28-jährige Anlagenfahrerin aus dem niedersächsischen Friedland lässt sich vom Kauferinger Arzt Rolf Kron ein Attest ausstellen, das sie zum Nichttragen eines Mund-Nasenschutzes berechtigen soll. Es gab jedoch nie eine Untersuchung. Nun muss sie sich vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten. Der Vorwurf seitens Staatsanwalt Philip Kramer: Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse und Vortäuschen eines falschen Gesundheitszustandes gegenüber Behörden und Kontrollinstanzen. Wer nicht erscheint, ist ihr wichtigster Zeuge: Rolf Kron. 

Gleich zu Beginn der Verhandlung wird Kron bereits zum ersten Mal ausgerufen. Ohne Erfolg: „Dann fangen wir eben ohne ihn an“, beschließt Richter und Amtsgericht-Direktor Michael Eberle. Der Vorfall ereignete sich im Oktober letzten Jahres: Ein als Zeuge geladener Polizist (er war anwesend) war mit zwei Kollegen auf Fußstreife unterwegs in der Landsberger Innenstadt, in der zu diesem Zeitpunkt Maskenpflicht bestand. In der Herkomer-Passage trafen sie auf die Angeklagte – ohne Maske –, die ein Attest vorweisen konnte, ausgestellt vom Kauferinger Arzt und Homöopathen Rolf Kron.

Es sei ein Formvordruck gewesen, mit Lückentext für die Personalien, so der Polizist. Eine Diagnose habe es nicht enthalten. Auch habe es nicht Kron selber, sondern eine Sprechstundenhilfe unterschrieben. So etwas sei schon mehrfach aufgetaucht, berichtet der Polizist. Weshalb man intern bereits folgende Vorgehensweise befolge: „Attest mit entsprechender Diagnose: okay, Attest mit Lückentext und ohne Diagnose: nicht okay.“ Den daraufhin ausgesprochenen Platzverweis habe die Angeklagte aber befolgt.

Dennoch ging der Vorfall mit Strafbefehl vom März an die Staatsanwaltschaft. Denn laut Gesetz muss ein Arzt einen Patienten untersuchen, damit er den Gesundheitszustand überhaupt benennen kann. Das vorgelegte Attest hätte also laut Staatsanwaltschaft gar nicht verwendet werden dürfen. Gegen den Strafbefehl hat die Angeklagte Einspruch eingelegt.

Herr Kron sei ihr von einem Verwandten empfohlen worden, erklärt sie auf Anfrage des Richters. Ihr Vater und sie stünden der Alternativmedizin näher als der herkömmlichen Schulmedizin. Gemeinsam mit Vater, Partner und eineinhalbjährigem Sohn machte sie sich Ende Oktober auf einen Ausflug, um sich Landsberg anzuschauen und um Kron in seiner Kauferinger Praxis aufzusuchen.

Kontakte mit dem Alternativ­mediziner habe es jedoch schon früher gegeben, per Telefon und E-Mail. Schon am Telefon habe er sich „Zeit für mich genommen“, so die Angeklagte, die, wie sie sagt, an langjährigen Vorerkrankungen wie Migräneanfällen, Depression, Nervenzusammenbrüchen und Panikattacken leide. Kron sei der erste gewesen, der ihr helfen konnte. Er kam wohl nach einem Telefonat am 1. Oktober, in der die Angeklagte diese Beschwerden geschildert habe, zu dem Schluss, dass es für sie nicht tragbar sei, eine Maske zu tragen. Das (Formblatt-) Attest habe er vorab per Post zugesandt.

Keine Untersuchung

Aber auch beim später stattfindenden persönlichen Termin habe keine körperliche Untersuchung stattgefunden, räumt die Angeklagte ein. Man habe über ihre Probleme gesprochen, etwa die Migräne. Es habe ja keine akuten Beschwerden gegeben. Der Sohn sei allerdings untersucht worden. Bezahlt habe sie für dessen Behandlung 70 Euro, für Gespräch und Erstellen des (neuen, etwas ausführlicheren) Attestes für sie selbst 17 Euro. Das attestierte, dass sie für das Tragen einer Maske aus medizinischer Sicht befreit sei, da sich die Keimbesiedlung auf der Atemschutzmaske negativ auf ihre Gesundheit auswirke. Bezahlt habe sie „direkt und gleich in bar“. Herr Kron nehme ja nur Privatpatienten. Gegen ihre Beschwerden habe sie nichts verschrieben bekommen. Sie möchte das alternativ angehen, so die Angeklagte, arbeite etwa mit Lavendelölen. Darüber habe man gesprochen.

Von einer in ihrem Wohnort Friedland angesiedelten Ärztin lag ein weiteres Attest vor, ausgestellt am 29. April dieses Jahres, das vor Gericht verlesen wurde. Es diagnostizierte nach einem Treppensturz der Angeklagten Schmerzen im Lendenwirbelbereich, aber auch eine „depressive Episode“ sowie eine psychische und physische Stressbelastung, sodass sie als vernehmungs- und prozessunfähig einzustufen sei.

Nur wenig später wurde das Attest ohne weitere Stellungnahme zurückgenommen. Mit der Ärztin habe und werde man noch Rücksprache halten, meint Eberle. Er halte diesen Vorgang für bedenklich. Man dürfe nicht der Ansicht sein, Ärzte könnten beliebig Atteste ausschreiben. „Sie wollen nicht – und suchen jemanden, der Ihnen das bestätigt.“

Nochmals wird Kron als Zeuge ausgerufen. Keiner kommt. Richter Eberle schaut persönlich nach, verlässt den Gerichtssaal, um Kron zu suchen. Um im Anschluss festzustellen, dass „der Zeuge Kron ordnungsgemäß zum heutigen Termin geladen wurde und unentschuldigt nicht erschienen ist.“

Das Gericht rät der 28-Jährigen eine Beschränkung des Einspruchs an und den Strafbefehl, der sich auf 20 Tagessätze à 50 Euro beläuft, anzunehmen. Für Verteidiger Sascha Schnarr aus Landsberg kommt das nicht in Betracht. Auf den Zeugen Kron könne nicht verzichtet werden. Als Unterbevollmächtigter ist Schnarr derjenige, der die Verhandlungstermine wahrnimmt. Denn Anwältin und Hauptbevollmächtigte Karina Bänsch kommt aus Frankfurt/Oder.

Gegen Kron wird für das Nicht­erscheinen vor Gericht ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro erhoben. Weiterhin werden ihm die durch sein Fernbleiben verursachten Kosten auferlegt. Am 1. Juli geht es weiter.

»Kein Vergnügen«

Dann findet der neue Termin statt, zu dem Kron erneut als Zeuge geladen wird. „Mit einer PZU (Postzustellungsurkunde), damit „er weiß, dass das hier kein Vergnügen ist“, so Eberle. Und bittet die Angeklagte nochmals, darüber nachzudenken, ob es sich wirklich rentiere, „das hier durchzuziehen.“ Fortsetzung folgt.

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