Anders Priester sein – Geltendorfer Pfarrer will Pfarrhelferin heiraten

Gemeindepfarrer Markus Schäfler ist gegangen. Er hat seinen Posten aufgegeben, das Pfarrhaus geräumt und den Ort verlassen. Grund: Der 36-Jährige will seine Pfarrhelferin Silvia Gerhardt heiraten. Am Goldenen Priesterjubiläum seines Amtsvorgängers Hans Schneider (siehe Seite 4) am Sonntag nahm Schäfler deshalb schon nicht mehr teil.

Die Nachricht vom Weggang Schäflers schlug in der vergangenen Woche in Geltendorf ein wie eine Bombe. Geahnt hatte niemand etwas. Schäfler wandte sich in einem bewegenden Brief an seine Gemeindemitglieder, den er auch auf der Homepage der Pfarrei veröffentlichte. „Ich habe erkannt, dass Gott mir in meiner Mitarbeiterin Silvia nicht nur eine treue Hausfrau und hervorragende Kollegin an die Seite gestellt hat, sondern eben auch eine Lebenspartnerin“, heißt es darin. Er habe lange gebraucht, dies zu akzeptieren und die entsprechend schwerwiegende Entscheidung zu treffen. „Wir müssen die Konsequenzen ziehen, denn alles andere wäre nicht ehrlich und somit für uns auch nicht tragbar.“ Dass Schäfler und seine Lebenspartnerin als tief religiöse Menschen nun exkommuniziert und damit von den Sakramenten ausge- schlossen sind, sei natürlich hart, ebenso wie die Tatsache, dass Schäflers Name aus den Archiven der Diözese Augsburg gelöscht wird, „so als ob es mich nie gegeben hätte.“ Niemals wieder Die 43-jährige, aus Hessen stammende Silvia Gerhardt begann erst mit 31 Jahren ein Fernstudium der Theologie. 2005 kam sie zunächst als Pfarrhausfrau nach Geltendorf, trat dann aber eine Teilzeitstelle als Pfarrhelferin an, als Schäfler von Pfarrer Schneider die Amtsgeschäfte übernahm. Sie kann nun ihre zweite Dienstprüfung nicht mehr abschließen und darf, ebenso wie Schäfler, niemals wieder in einer Pfarrgemeinde oder kirchlichen Einrichtung angestellt werden. Die Vorsitzende des Geltendorfer Pfarrgemeinderates, Heidi Huber, wünschte den beiden im Rahmen des Goldenen Priesterjubiläums „alles erdenklich Gute für ihr gemeinsames Leben“, und auch Jubilar Hans Schneider schickte seinem ehemaligen Nachfolger die besten Wünsche mit auf den Weg. Pater Prior Claudius Bals aus dem Kloster St. Ottilien, das bis zur Regelung von Schäflers Nachfolge die seelsorgerischen Aufgaben in Geltendorf übernimmt, kommentierte äußerst knapp: „Uns steht kein Urteil zu.“ Schäfler und Gerhardt stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Sie haben weder Anspruch auf Arbeitslosengeld noch auf Existenzgründungsforderung, hoffen aber auf eine Starthilfe der Diözese, um sich beruflich selbstständig zu machen. Sie wollen zum 1. Juli eine Beratungspraxis eröffnen, um „auf andere Weise Priester zu sein“.

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