Hammerschlag des Schicksals:

Junge Mutter nach Geburt vierfach amputiert

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Man sieht Andrea Dahm nicht an, was sie durchlitten hat. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Roland (2. von links) ordnet sie ihr Leben neu. Rotary-Präsident Robert Haberstock (links) und Vorstandsmitglied Dr. Dietmar Sowa (rechts) leisteten finanzielle Hilfe zur Selbsthilfe.

Kaufering – Für Andrea Dahm und ihren Ehemann Roland ist am 14. März zunächst ein Traum in Erfüllung gegangen: Ihre zweite Tochter, Charlotte, kam gesund auf die Welt. Dass die 37-jährige Mutter heute so entspannt in die Kamera lächeln kann, grenzt indes an ein medizinisches Wunder; denn beim Geburtsvorgang hatte sie eine meist tödlich verlaufende Fruchtwasserembolie erlitten.

Noch im Kreißsaal des Landsberger Klinikums war Andrea Dahm ins Koma gefallen, wurde mehrfach reanimiert und zur Intensivbehandlung mit einem Hubschrauber ins Klinikum Großhadern geflogen. Dort stabilisierten die Ärzte zwar über Wochen erfolgreich den Kreislauf der Patientin, jedoch hatten die permanenten Durchblutungsstörungen ein unaufhaltsames Absterben aller Extremitäten zur Folge.

Die niederschmetternde Diagnose: Um ihr Leben (wenn überhaupt) zu retten, blieb nur die unvorstellbar schlimme Option „Amputation aller vier Extremitäten...“ – beide Beine unterhalb des Knies, der rechte Arm und alle Finger der linken Hand. Für diese hochriskante Operation wurde die junge Mutter in die dafür prädestinierte Unfallklinik Murnau verlegt. Und woran selbst die dortigen Mediziner kaum glaubten: Andrea Dahm überstand alle Torturen. „Sie hatte Heerscharen von Schutzengeln“, sagt ihr Mann, „und einen unbändigen Willen, für ihre beiden Kinder am Leben zu bleiben!“ Nach monatelangem Reha-Aufenthalt in Murnau kehrte sie Anfang Dezember überglücklich in ihr erst 2012 neu gebautes Haus nach Kaufering zurück. Noch sichtlich geschwächt zwar von ihrem extremen Schicksalsschlag, aber bereits wieder kurzzeitig gehfähig dank behelfsmäßiger Beinprothesen.

Trotzdem ist nichts mehr wie es war: Die einst so erfolgreiche Immobilienmaklerin muss ihr Leben nun in allen Belangen neu ordnen. Ihr Arbeitgeber, die Sparkasse Landsberg-Dießen, steht ihr zwar mit Rat und Tat helfend zur Seite und auch aus dem Familien- und Freundeskreis erfährt sie fürsorgliche Unterstützung. Dennoch stehen viele Entscheidungen an, die sie und ihren Mann finanziell überfordern. Einen Treppenlift für 14.000 Euro hat Roland Dahm schon einbauen lassen, ein rollstuhlgerechtes Auto wurde bereits angeschafft, aber allein jede der notwendigen Armprothesen wird etwa 60.000 Euro kosten. Geld, das ihre bis dato kulante Krankenversicherung in jedem Einzelfall erst neu bewilligen muss.

Nächstenliebe

Um ein „Zeichen tätiger Nächstenliebe“ zu setzen, hat der Landsberger Rotary-Club in dieser Woche 5.000 Euro aus dem Erlös seines 1. Charity-Golfturniers an Andrea Dahm überwiesen. Rotary-Präsident Robert Haberstock und Vorstandsmitglied Dr. Dietmar Sowa überbrachten die „frohe Botschaft“ persönlich und trafen dabei auf zwei Menschen, die ihr Eheversprechen – in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein – in beeindruckendster Weise vorleben.

Wolfgang Schmitz

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