Sitzsamba aus der Holledau

Andreas Hofmeir mit bayerischem Musikkabarett im Stadttheater

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Sitzt das Mantra des Abends endlich im Hirnstamm des Publikums? Prüfende Blicke von Jazz-PIanist Tim Allhoff und Tubist Andreas Martin Hofmeir.

Landsberg – Andreas Hofmeir bleibt sich treu. Auch wenn draußen Schnee fällt: Die Füße des Tubisten bleiben barfuß. Zusammen mit Jazzpianist Tim Allhoff spielte er am Sonntagabend im Stadttheater „brasilianische Liebeslieder“ und deklamierte „schrecklich wahre Geschichten aus meinem Leben mit der Tuba“ von seiner Biografie ‚Kein Aufwand‘. Ein Programm zum herzhaft Lachen mit musikalisch hochwertigem Zwischenspiel.

Das Wichtigste vorab: „Die Tuba ist von allen Instrumenten das jüngste und höchst entwickelte aller Instrumente, und alle anderen sind im Endeffekt nur rudimentäre, prähistorische Vorläufer auf dem Weg hin zu dieser Vollendung“. Das ist Hofmeirs Mantra. Und das muss sein Publikum lernen. Mehrmals wird der exakte Wortlaut geprüft, unter strengen Blicken von Hofmeir und seinem Begleiter in „Drama“-Mütze, Jazzpianist Tim Allhoff – „geboren in Augsburg, aber Münchener“, betont der.

Schwaben-Oberbayern ist der zweite Running Gag des Tubisten und Mitgründers von LaBrassBanda. Gleich bei der Begrüßung lässt er sich genüsslich in den Fettnapf sinken: Landsberg sei Schwaben. Tumulte im Publikum. Hofmeirs feixende Reaktion: „Darauf hab ich mich schon den ganzen Weg hierher gefreut.“

Als er die Geschichte über Dvoraks Neunte „Aus der neuen Welt“ fabuliert – der Komponist habe die sieben „sinnbefreiten“ Tuba-Töne in der Sinfonie nur geschrieben, um den Tubisten vom Fremdgehen mit seiner Frau abzuhalten – und das „Pro-Ton-Einkommen“ des Tubisten im Vergleich zum Streicher errechnet, freut sich das Publikum. Schwaben sind sparsam. Hofmeir feixt.

Noch ein Rote-Faden-Gag: die Musik. Die kündigt Hofmeir stur als „brasilianische Liebeslieder“ an – aus aller Welt. Darunter „The Girl from Ipanema“ oder Vittorio Montis „Csárdás“, genial auch Piazzollas argentinischer Beitrag. Brasilien deshalb, weil Brasilianer ebenso wie Hofmeir und die Bayern auf die Kraft der Ruhe setzen. Ein „passt scho“, das das Publikum in der „schicksalsergebenen abfallenden Oktave“ mitsingen darf.

Die Musik ist ein Genuss. Hofmeir spielt virtuos, mal drängend, mal sanft, samt Sitzsamba aus der Holledau. Allhoff begleitet genussvoll oder stoisch, erlaubt sich hin und wieder einen improvisatorischen Ausbruch – das passt. Kein Wunder, spielen hier doch gleich zwei ECHO-Preisträger gemeinsam auf. Und offensichtlich macht Allhoff Hofmeirs Klamauk Spaß: Die Noten wirbeln nur so durch die Luft, wenn er umblättert. Wobei er wohl seltenst Noten braucht. Schließlich sind die beiden bei der ‚Kein-Aufwand-Teil-2‘-Tournee ein eingespieltes Team. Allhoff ist schon länger als Ersatz für Gitarristen André Schwager an des Tubisten Seite.

Auch Hofmeirs literarische Ergüsse und Zwischenmoderationen darf man genießen. Gedichte in der Kunstsprache ‚Starckdeutsch‘, in der die Trompete zur „Tromputte“ wird. Erzählungen von Reisen in vollen Zügen und peinlichen Unterhaltungen über obskure Berufe. Oder Hofmeirs Vergangenheit im Heeresmusikcorps samt „durchgeknalltem Major“. Der gerne mal „Macarena für vier tanzende Tubisten“ arrangierte.

Hofmeir beherrscht seine Instrumente. Aber er liebt sie auch. Weshalb sie Namen haben. Fanny heißt seine Tuba, Franz die Trompete. Und die Posaune – die er doch nicht gar so mag – Frau Grießmayer. Vielleicht auch mit ei. Und ohne e.

Eigentlich habe er Schlagzeug spielen wollen, erzählt der Tubist mit Professur am Mozarteum in Salzburg. „Ich dachte, da kann man nebenher essen.“ Schlagzeuger gab‘s, aber der Tubist fehlte. „Ich hab zu spät ‚Nein‘ geschrien“. Was für ein Glück.

Susanne Greiner

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