Entwarung aus dem Landratsamt:

Hohe PFC-Belastung? Landsberger Trinkwasser ist nicht gefährdet

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Am Fliegerhorst Penzing ist der Boden stark mit Chemikalien belastet. Eine Gefahr für das Trinkwasser besteht indessen nicht mehr.

Landsberg – Ist das Landsberger Trinkwasser mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet? Diese Frage stellten sich am Freitag nicht wenige besorgte Bürger, nachdem im Bayerischen Rundfunk von einem um das 2.800-fache erhöhten Bodenwert für Per­fluor­hexansulfonsäure (PFHxS) die Rede war. Die Werte stammen aus der Stellungnahme der SPD, die eine direkte Anfrage im Bayerischen Landtag gestartet hatten. Landrats­amtssprecher Wolfgang Müller gibt Entwarnung: „Eine Belastung des Trinkwassers ist ausgeschlossen.“ Die gefährdeten Trinkwasser-Brunnen sind bereits vor Jahren abgeschaltet worden. Dennoch plant die Kreisbehörde in dieser Woche ein Gespräch mit Fachbehörden. Gibt es dann neue Erkenntnisse, wird die Öffentlichkeit informiert.

Der stark erhöhte Wert ist kein Grundwasserwert, sondern der Wert einer Bodenprobe vom Fliegerhorst Penzing, wie das Landesamt für Umwelt betont. Diese Bodenprobe zeigte einen PFHxS-Wert von 280 Mikrogramm pro Liter. Der vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit empfohlene Richtwert (einen ausdrücklichen Grenzwert gibt es nicht) für Trinkwasser liegt bei 0,1 Mikrogramm. Daher die angebliche 2.800-fache Überschreitung. Doch Obacht: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen: ein Boden- beziehungsweise Grundwasserwert mit einem Trinkwasserwert. „Aber Trinkwasser ist eine ganz andere Geschichte“, betont der Pressesprecher des Umwelt­amtes. Zudem gilt dieser Richtwert für die lebenslange Aufnahme der Chemikalie.

Dass am Fliegerhorst Penzing eine solche Belastung vorliegt, ist bereits länger bekannt. Sie stammt von der Verwendung fluorhaltiger Löschmittelschäume auf dem Flughafen. Eine Messung des Perfluoroctansulfonat-Wertes (PFOS) im Trinkwassers der dadurch beeinträchtigten Quellen Untermühlhausen ergab laut einer Landratsamtsmeldung aus 2013 einen Wert von 0,58 Mikrogramm pro Liter.

Der sogenannte Vorsorge-­Maßnahmewert des Landesamtes für Gesundheit für Erwachsene liegt bei 5 Mikrogramm pro Liter. Für Schwangere und Stillende allerdings bei 0,5 Mikrogramm – weshalb die Wasserversorgung der Quellen Untermühlhausen damals vorsorglich abgeschaltet wurde. Aber auch hier gilt es zu beachten: Dieser Vorsorgewert bezeichnet die Konzentration des Stoffes in einem Körpermedium, zum Beispiel Blutplasma. Und nicht die Konzentration der Chemikalie im Trinkwasser selbst.

Zu der verwirrenden Nachricht der angeblichen Überschreitung der Richtwerte um das 2.800-fache in Landsberg war es auf Nachfrage der SPD im Bayerischen Landtag gekommen. Die Partei bat um Messwerte der letzten zehn Jahre und um eventuelle Maßnahmen zur Sicherung der Gesundheit. Die Antwort des Staatsministeriums für Umwelt wurde von der SPD in ihrer Pressemeldung jedoch nicht präzise formuliert – wodurch es zu den verwirrenden Zahlen kam.

Die Gruppe der poly- und perfluorierten Chemikalien, zu denen PFOS und PFHxS gehören, können laut Studien in den USA Schilddrüse und Nieren schädigen. Auch gewisse Darmerkrankungen seien eine mögliche Folge. Zudem stehen sie im Verdacht, das Erbgut zu verändern, somit krebserregend zu sein.

Die Stoffe sind zudem sehr langlebig und reichern sich in der Umwelt an. Deshalb fordert die SPD eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Ob die ebenfalls von der Partei geforderten Blut- und Muttermilchproben sinnvoll sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber fraglich.

Die Untersuchungen in Penzing dauern laut dem Landesamt für Umwelt noch an. Insgesamt würden in Bayern 20 Industriestandorte und Flugplätze geprüft. Nötige Maßnahmen seien bereits ergriffen worden. Nähere Angaben machte das Amt nicht.

Susanne Greiner

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