Anlaufstelle für Rat suchende Familien – SOS-Beratungsstellen werden 30

Das rosa Haus in der Spöttinger Straße 4 ist Familien aus dem Landkreis wohlbekannt. Tausende von Kindern und Jugendlichen haben sich dort in den vergangen Jahrzehnten Rat und Hilfe geholt, Tausende Eltern sich Erziehungstipps geben oder ihr Baby speziell fördern lassen. Jetzt feiern die beiden SOS-Beratungsstellen ihr 30-jähriges Jubiläum – am 30. Oktober mit einem „Tag der offenen Tür“ und einem Rück- blick auf drei bewegte Jahrzehnte im Dienste der Ratsuchenden.

Ilse Zimmermann, Bereichsleiterin der SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, kann sich noch gut an die Anfänge erinnern, als SOS-Kinderdorf die Trägerschaft der Lebenshilfe übernahm: „Hauptaufgabe war es, uns bekannt zu machen und Schwellen für die Ratsuchenden zu senken“, erzählt sie. Durch ihre fundierte Arbeit erwarb sich die Stelle schnell einen guten Ruf. So halfen die fünf Vollzeitmitarbeiter 1979 bereits 300 Ratsuchenden. Schwerpunkte waren zu Beginn neben der Einzelfallhilfe Elterbildungskurse, Hilfen für rechtschreibschwache Schüler und ein hohes Engagement in der offenen Jugendarbeit. Mit Wohngruppe Ein knappes Jahr später übernahm SOS-Kinderdorf auch die Trägerschaft der Entwicklungsdiagnostischen Beratungsstelle. Auch die zwei Mitarbeiter dort betreuten in ihrem ersten Jahr schon 87 Kinder, so Bereichsleiterin Dr. Susanne Dillitzer. 1982 wurde in der Spöttinger Straße erstmals eine SOS-Wohngruppe angeboten – für Jugendliche, die nicht mehr zu Hause aber noch nicht selbstständig leben konnten. Im selben Jahr übernahm die Beratungsstelle offiziell die Suchtbe- ratung für Jugendliche im Landkreis. „Schon in den Anfangsjahren“, betont Zimmermann, „behielten die Mitarbeiter der Beratungsstelle immer die gesamte Lebenssituation der Ratsuchenden im Blick. Integrative Gruppe Bei der Entwicklungsdiagnostischen Beratungsstelle stieg die Zahl der Klienten im Jahr 1987 um 25 Prozent – unter anderem, weil die Zusammenarbeit mit den Kindergärten intensiviert wurde. Ein Jahr zuvor hatte Diplom-Psychologin Waltraud Harzer die Leitung der Beratungsstelle übernommen. 1993 betreute die Entwicklungsdiagnostische Beratungsstelle im Fuchstal die erste integrative Kindergruppe in einem Regelkindergarten mit einem heilpädagogischen Fachdienst. 1993 verließ der langjährige Leiter der Erziehungsberatungsstelle, Dr. Ulrich Tauschmann, die Spöttinger Straße. Seine Nachfolge trat ein Jahr später Diplom-Psychologe Franz-Xaver Müller an, den 2003 Ilse Zimmermann ablöste. 1995 gab die Erziehungsberatungsstelle die Suchtberatung ab und baute die sozialpädagogische Familienhilfe als eine intensive Form der Unterstützung für Familien konzeptionell und personell aus. Zuvor hatte man die Jugendwohngruppe in eine fle- xible Form des betreuten Einzelwohnens für Jugendliche umgewandelt. 1999 wurden die Sozialpädagogische Familienhilfe und das betreute Einzelwohnen zur neuen Sozialpädagogischen Familien- und Ju- gendhilfe (SFJ) zusammengelegt. Die SFJ bezog in der Spöttingerstr 2b neue Räume. MiniMax-Start Im Jahr 2000 hob die Entwicklungsdiagnostische Beratungsstelle den Treffpunkt „MiniMax“ aus der Taufe, der seitdem Anlaufstelle und Kontaktbörse für junge Familien ist. 2001 wurde außerdem eine so genannte Schreisprechstunde eingeführt, berichtet Dillitzer. In den nächsten Jahren stiegen die Anmeldezahlen in allen Bereichen stetig. 2005 wurden alle SOS-Einrichtungen im Landkreis Landsberg zum Hilfeverbund SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech zu- sammengeschlossen. In der Erziehungsberatungsstelle hatte sich die Anzahl der Ratsuchenden inzwischen verdreifacht – bei in etwa gleichem Personalstand wie zu Beginn. Dies erforderte ein methodisch anderes Vorgehen und das Zurück- fahren der präventiven Angebote. Zudem sind die Fragestellungen immer komplexer geworden, so Zimmermann. Vor drei Jahren wurde es für die SFJ zu eng und die Mitarbeiter zogen in neue Räume in der Katharinenstraße 30. In der Entwicklungsdiagnostischen Beratungsstelle erschwert der Rahmenvertrag für Frühförderung seit 2006 die Arbeit: Pro Kind steht danach nun erheblich weniger Förderzeit zur Verfügung. Dr. Dillitzer, die 2007 die Leitung übernahm, stellt fest, dass sich auch für die Frühförderung die Aufgabenstellungen gewandelt haben: „Behinderungen sind nur noch ein Thema unter vielen.“ Beide Beratungsstellen arbeiten seit Beginn vernetzt und präventiv. So riefen sie 2008 gemeinsam mit dem Gesundheits- und dem Jugendamt das sehr erfolgreiche Präventionsprojekt „Landsberger Eltern-ABC“ ins Leben.

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