"Wann passiert endlich was?"

Anton Hofreiter in Landsberg

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Der Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen Anton Hofreiter in der Sonderbar.

Landsberg – Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter kommt mit der Bahn. Und deshalb wohl auch zu spät. Das von den Grünen anberaumte Treffen des Bundestagsabgeordneten mit der Landsberger Jugend hatte mit der Sonderbar den passenden Ort als Rahmen gewählt. Dennoch kamen nur wenige Jugendliche, um Hofreiter auf den Zahn zu fühlen.

Geladen hatte der Kreisverband der Grünen mit Vorstandssprecherin Christine Reineking und Lanrats-Kandidat der Grünen Dr. Peter Friedl. Hofreiter habe sich „richtig viel Zeit“ für den Landkreis genommen, betonte Reineking, denn am Abend des gleichen Tages war er auch noch bei einer Veranstaltung in Geltendorf. Zur Diskussion kamen auch Lennart Möller, mit 20 der jüngste Kreistagskandidat der Grünen, OB-Kandidat Moritz Hartmann und mehrere Mitglieder des Jugendbeirats. Die „Bude ist ziemlich gefüllt, aber ich hatte mit mehr Jugendlichen gerechnet“, kommentierte Friedl. Denn ‚privat‘ war nur noch eine junge Frau anwesend. Ansonsten war das Publikum weitaus älter.

Was sich dennoch zeigte: Jugendliche haben offensichtlich eher die Chuzpe, grundlegende Dinge infrage zu stellen. Zum Beispiel ein Wirtschaftssystem. Oder auch das Credo des immerwährenden Wachstums. Und das ohne die Abgeklärtheit und auch ohne den Pessimismus, den Ältere bei solchen Fragen an den Tag legen. Was mit der Grund dafür sein dürfte, dass es die Fridays-for-Future-Teilnehmer geschafft haben, das Thema Umwelt und Klima zum Wahlkampfthema zu machen.

Nach Hofreiters Ansprache meldeten sich die anwesenden Jugendlichen mit Fragen, in denen das Unverständnis gegenüber der Tatenlosikeit der Politik deutlich wurde. So wollte Lennart wissen, weshalb das Thema Klimaschutz erst jetzt wirklich angegangen werde, obwohl es die Grünen bereits 1989 deutlich angesprochen hätten („Alle reden von Deutschland, wir reden vom Klima“). Ganz deutlich wurde die Ungeduld der Jugend in der Frage: „Wann passiert denn endlich was für die Umwelt?“

Jugendbeiratsmitglied Leo Lischka, der für den Landsberger Stadtrat kandidiert, wollte wissen, wie die Grünen den Fachkräftemangel beim ÖPNV angehen wollten. Den habe auch Landsberg zu spüren bekommen, als wochenlang der Zugverkehr zwischen der Lechstadt und Kaufering mangels Lokführer eingestellt werden musste. Ein Kollege Lischkas prangerte den hohen Ticketpreis bei den Öffentlichen an: „Ich zahle pro Tag vier Euro, um von Pitzling nach Landsberg in die Schule zu kommen.“

Abschließend fragte Lennart Hofreiter, wie er zum „Märchen vom unendlichen Wachstum“ stehe. Eine Frage, die schon der „Club of Rome“ in den 70ern aufwarf. Und eine Frage, deren Beantwortung dem Bundestagsabgeordnete verständlicherweise schwerfiel: „Wir bräuchten ein ökonomisches System, das diesen extremen Wachstum nicht braucht. Aber wie das aussehen könnte, darauf haben wir noch keine Antwort.“
Susanne Greiner

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