Doch keine SS-Baracke?

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Doch keine „SS-Baracke“? Für Anton Posset, Vorsitzenden der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, fehlen „authentische Zeugnisse“ für diese Annahme.

Landsberg– In die durch den KREISBOTEN-Beitrag „Würfel am Hindenburgring“ ausgelöste Debatte um das ehemalige Vereinsheim des „1. EVL-Fanclubs“ hat sich nun auch Anton Posset zu Wort gemeldet.

Der Vorsitzende der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert und Vizepräsident des eingetragenen Vereins „Europäische Holocaust­gedenkstätte Stiftung“ bezweifelt, dass es sich tatsächlich um eine „SS-Baracke“ aus dem KZ-Außenlager Kaufering VII zwischen Landsberg und Erpfting handelt.

Wie berichtet, wollen die beiden Landsberger Historiker Dr. Edith Raim vom Institut für Zeitgeschichte in München sowie Dr. Stefan Paulus Institut für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg in dem Bau eine ehemalige SS-Baracke ausgemacht haben. Das Gebäude sei ein „wohl in ganz Deutschland – und möglicherweise auch europaweit – einmaliges und unwiederbringliches Relikt der NS- Geschichte“. Es müsse sachgerecht abgebaut, wohl eingelagert und in restaurierter Form am Ursprungsort wie­- der­aufgebaut werden. „Sowohl die Häftlingserdbaracken als auch die SS-Baracke ihrer Peininger müssten als allerletzte Relikte bewahrt werden, um der Geschichtsvergessenheit vorzubeugen, so Raim und Paulus.

„Ein authentischer Ort benötige auch authentische Zeugnisse, kein zweifelhaftes ,einma­- liges Ensemble’“, hält Posset dagegen. Er habe 1996 „wichtige Zeitzeugengespräche mit mit Herrn Ruse“ zu dessen Erfahrungen und Leben im ehemaligen KZ-Kommando Kaufe­- ring VII in der Nachkriegszeit geführt. Ruses Mutter habe eine Baracke und etwa 10000 Quadratmeter Grund westlich der ehemaligen Lagerstraße erworben. Bilder aus dieser Epoche gebe es in seinem Archiv, so Posset. Man habe auch über Ruses Elektroladen am Hindenburgring 15 ½ gesprochen. Die Frage, ob diese Baracke von Kaufering VII sei, habe der Zeitzeuge verneint. Er habe sie in den Jahren nach 1952 für seinen Elektroladen erworben und ein Geschäft für Jahrzehnte eingerichtet. Es sei ihm, Ruse, gesagt worden, dass das Gebäude von dem ehemaligen Barackenarsenal an der Staustufe 15 am Zehnerhof stamme.

Posset dazu: „Meine Archivbilder dieses Bauwerkes belegen seine Vermutung. Auf kei­nen Fall hatte er die Baracke im ehemaligen ,Lager Hamburg’ abgebaut und hier aufgestellt. Auch dafür gibt es noch photografische Beweise aus den 70er Jahren.“ Ein weiterer Beleg für diese Feststellung sei auch in den schriftlichen „Übersichtsplänen“ aus dem Jahr 1944 von Barackenbauten in Stadt und Landkreis Landsberg zu sehen. Darin seien sind für den Landkreis 50 Barackenbauten unter der Rubrik „Juden-, Ausländer- und Kriegsgefangenenlager“ subsumiert. Für Landsberg seien 21 Orte aufgezählt – darunter auch die Justizvollzugsanstalt. Besonders augenfällig, so Posset, sei eine Angabe unter der Nr. 6 „Ausweichbaracke der Bayer. Wasserkraftwerke am Hindenburgring“. Auch diese könnte der Ruse-Bau sein.

Baracken wie die am Hindenburgring habe es für „Ostarbeiter“, für die Mitarbeiter der „Organisation Todt“, für Kriegsgefangene, für Luftwaffenhelferinnen in Grünsink, aber auch für die Wachmannschaften der Judenlager gegeben. Der Ruse-Bau sei ungewöhnliche lang und breit und weise auf einer Giebelseite eine Dachbodentür auf, die Gegenseite sei flach. Der Zustand des Holzbaus habe sich in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert, deshalb hält Posset Sicherung und Abbau ohne größten Kostenaufwand nicht für möglich.

Der Vorsitzende der Bürgervereinigung spricht von einem „historischen Schnellschuss“. Er rät: „Hier gehört das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit seinen archäologischen Bauexperten eingeschaltet.“ Die Forderung, dass dieser Bau für Kaufering VII gerettet werden müsste, zeige „historische Unkenntnisse der Quellenlage“. Er würde an dem authentischen Ort des KZ-Kommandos Kaufering VII eine austauschbare Installation errichten.

Der Besitzer der „Ruse-Baracke“ könnte nach Ansicht Possets durch diese „historisch falsche Zuweisung“ von seinem Mietobjekt schnell vertrieben werden, „um ein lukratives Bauprojekt in den Jahren nach 2015 mit herrlicher Stadtsicht zu errichten“.

Toni Schwaiger

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