Konfliktwohnung oder mehr?

Kein Geld fürs Frauenhaus in Landsberg

Bedrohte Frauen - Frauenhaus Landkreis Landsberg
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Bedrohte Frauen finden im Frauenhaus Augsburg selten einen Platz. Eine Konfliktwohnung könnte helfen.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – Eigentlich hat der Landkreis Landsberg drei Plätze im Frauenhaus Augsburg. Eigentlich. Denn das Frauenhaus ist komplett ausgelastet, freie Plätze Mangelware. Deshalb stellte die Kreistagsfraktion der SPD einen Antrag auf Einrichtung von mindestens einer Konfliktwohnung. 

Wie im KREISBOTEN berichtet, ist die Situation im Frauenhaus Augsburg für den Landkreis Landsberg doppelt ärgerlich. Nicht nur, dass Frauen dort keinen Platz finden: Der Landkreis finanziert mit 70.000 Euro pro Jahr tatsächlich 14 Prozent der Kosten der Einrichtung, belegt aber im Durchschnitt pro Jahr nur 1,7 Prozent. „2019 war dort nur eine Frau aus dem Landkreis“, informierte die Sachgebietsleiterin für soziale Angelegenheiten am Landratsamt Andrea Gang vergangene Woche im Kreisausschuss. Zudem nehme das Frauenhaus beispielsweise auch keine Frauen mit älteren Kindern auf, ebenso keine Frauen mit Behinderungen. Und letztendlich wollten die meisten Frauen in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben.

Eine oder auch mehrere sogenannte Konfliktwohnungen, die bedrohten Frauen Schutz bieten, könnten dieses Problem entschärfen. Aber auch hier gebe es Probleme, so Gang. Einerseits das Problem der Dauerbelegung – das auch im Frauenhaus besteht. Die Frauen befänden sich oft in prekären Wohnsituationen, informierte Landrat Thomas Eichinger (CSU). Man könne sie dann auch nicht einfach ‚rauswerfen‘. Das Problem der Dauerbelegung habe es bereits bei den vor 2008 im Landkreis vorhandenen Konfliktwohnungen gegeben.

Zudem müsste der Landkreis diese Wohnungen, da sie begleitet sind, selbst finanzieren und für die Betreuung einen Träger suchen, betonte Gang. Dennoch sei eine Konfliktwohnung sicher günstiger als die Zahlungen an das Frauenhaus, war sich Eichinger sicher. Andererseits habe man im Frauenhaus generell schnell verfügbare und gut betreute Plätze. Für mögliche Konfliktwohnungen gebe es hier ja keinen „Bereitschaftsdienst“.

Tobias Linke (BP) begrüßte die Möglichkeit, bedrohte Frauen sowohl im Frauenhaus als auch in einer Konfliktwohnung unterbringen zu können. „Den Schlüssel kann man ja bei der Polizei deponieren.“ Peter Friedl (Grüne) sah die Konfliktwohnung als mögliche Übergangslösung, bis ein Platz in Augsburg frei werde. Allerdings sei es seiner Ansicht nach schwierig, für eine Konfliktwohnung die notwendige Sicherheit garantieren zu können. Vor allem dürfe deren Lage ja nicht bekannt werden.

Einige Kreisräte sprachen sich aber auch dafür aus, die Unterbringungsmöglichkeiten im Frauenhaus zugunsten mehrere Konfliktwohnungen ganz aufzugeben. Herbert Kirsch (FW) votierte sogar dafür, gleich in Richtung eines eigenen Frauen­hauses in Landsberg weiterzudenken. Das Frauenhaus in Augsburg aufzugeben, sah auch Wilhelm Böhm (CSU) als sinnvoll. Aber eine Konfliktwohnung allein genüge nicht. Vielmehr benötige man ein „Gesamtkon­zept“. Eichinger stellte bei dem Thema auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit mehrerer Landkreise in den Raum, egal, ob nun die Plätze im Frauenhaus Augsburg aufrechterhalten würden oder nicht.

Der Kreisausschuss beschloss, ein Konzept für Konfliktwohnungen zu erarbeiten und dieses dann im Sozialausschuss zur Beratung vorzulegen.
Susanne Greiner

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