Vermögen selektiv vernichten

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Für manche ein Juwel, für andere einfach nur lästig: die Platanen-Allee in der Theodor-Heuss-Straße.

Kaufering – Die Platane an sich hat’s nicht leicht: Kaum wächst und gedeiht sie und wird richtig groß, wird’s der Nachbarschaft zu viel. In Kaufering gab der Gemein­derat jetzt mit 11:10 Stimmen dem Drängen von Anwohnern nach und wird in der Theodor-Heuss-Straße „selektiv“ Bäume fällen lassen.

Damit sind die Platanen sogar noch gut davongekommen. Wäre es nach einigen Bürgern gegangen, hätte die Kommune sogar alle 82 Bäume restlos abholzen sollen, entsprechende Anträge lagen dem Marktgemeinderat vor. Auch auf nicht so mächtig werdenden Ersatz legten diese Anwohner keinen Wert, wie sie schrieben: „Unserer Meinung nach müssten auch keine neuen Bäume gepflanzt werden, da alle Anlieger eigene Bäume und Sträucher in ihrem Garten haben. Alle Pflanzungen und Pflegemaßnahmen kosten die Gemeinde viel Geld.“ Eine Vorstellung, die Franz Lang, bei der Marktgemeinde für die Grünanlagen zuständig, die Haare zu Berge stehen lässt. „Es gibt landkreisweit keine solche Allee. Mit der könnte man einen Preis gewinnen, die ist mit Geld nicht zu bezahlen“, meinte er und appellierte an das Gremium, „so wenig wie möglich fällen zu lassen.“ Dafür hatten auch zahlreiche Kauferinger bei ihrem Bürgermeister plädiert. Erich Püttner: „Es gab zu dem Thema sehr viel Brief-, e-Mail- und Telefonverkehr. In den letzten Tagen wurde in allen Mails gefordert, die Platanen stehen zu lassen.“ Dass es aber zumindest einigen Bäumen an den Kragen geht, war bereits nach einer eigens zu diesem Thema einberufenen Bürgerversammlung und der dort erfolgten Trendabstimmung der Anwohner absehbar. 16 Teilnehmer hatten damals dafür gestimmt, alle Bäume zu fällen, 18 sprachen sich dafür aus, den Bestand zu reduzieren, neun wollten alle Platanen stehen lassen. Die Argumente neben Laub- und Schattenwurf: Die stark wachsenden Bäume beschädigten mit ihren Wurzeln Asphaltwege und Gartenmauern. Franz Lang hat einen anderen Verdacht: „Mehrere Hauseigentümer haben inzwischen Photovoltaik-Anlagen installiert. Da sind die Bäume jetzt einfach im Weg.“

Bunt, wie das Herbstlaub

 Nach dem Gutachten einer Fachfirma standen dann drei Varianten zur Auswahl: Formschnitt bei allen Bäumen, teilweise Fällung und Formschnitt beim Rest oder komplette Abholzung. In der Diskussion gingen die Meinungen dazu bunt durcheinander. Prof. Michael Kortstock etwa wollte „die Allee erhalten, aber die Platanen nach und nach durch andere Bäume ersetzen“. Mindestens die Hälfte der Bäume fällen wollte Manfred Nieß. Er hat kein Verständnis für die Befürworter der Platanen: „Die wohnen da alle nicht, die haben die Nachteile durch die Bäume nicht. Die haben aber auch keine Nachteile, wenn wir sie fällen.“ Hans-Jörg Pilz hingegen hatte im Vorfeld in Erfahrung gebracht, „dass jeder Baum 10000 bis 13000 Euro wert ist. Wir vernichten Gemeindevermögen, wenn wir sie fällen.“ Der Vorschlag, die Bäume nach und nach abzuholzen und durch andere Pflanzen zu ersetzen, fiel schließlich mit 4:17 durch. Mit einer Stimme mehrheit entschied sich der Gemeinderat dann dafür, „selektiv“ fällen zu lassen – ursprünglich hatte der Beschlussvorschlag „die Hälfte“ vorgesehen. Was das bedeutet, erläutert Bürgermeister Püttner auf Nachfrage des KREISBOTEN: „Die Fachfirma wird zusammen mit dem Umweltausschuss und Herrn Lang vor Ort jeden Baum einzeln anschauen und begutachten.“ Gefällt werden solle nur dort, wo tatsächlich Schäden entstehen, „das wird sicher nicht die Hälfte der Bäume betreffen; ich schätze sogar, nicht einmal ein Viertel.“ 

1000 Euro pro Baum

 Dass das zu Schwierigkeiten mit Anwohnern führen könnte, weiß auch Lang. „Das wird Ärger geben und Fragen, warum dieser Baum gefällt wird und jener nicht. Da müssen wir einfach standhaft bleiben und uns durchsetzen.“ Seine Berufserfahrung sagt ihm: „Wir haben’s noch immer hinbekommen.“ Für die Gemeinde wird die Aktion aber nicht ganz billig. Nach ersten Angeboten von Experten muss für Fällen und Abtransport eines Baums mit knapp 1000 Euro gerechnet werden. Der Formschnitt kostet pro Platane 450 und danach alle zwei Jahre 210 Euro.

Christoph Kruse

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