Beschwerden über Sammersee-Festival 

Sex auf fremder Hollywood-Schaukel

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Die Anwohner rund um das Sammersee-Festival im Restaurant Forster genießen die winterliche Ruhe. Wenig Touristen und vor allem keine enthemmten Jugendlichen stören ihre Privatsphäre und dringen in die Gärten ein.

Schondorf – Enthemmte Jugendliche, Alkohol, Randale und Vandalismus - nach den unerfreulichen Ereignissen nach Schulpartys in der Schondorfer Seeanlage (wir berichteten) steht nun das Sammersee-Festival im Visier erboster Anwohner. 30 Nachbarn entlang des Seerestaurants Forster haben bei der Gemeinde eine Petition eingereicht, um das lautstarke Festival mitten im Wohngebiet künftig zu verbieten.

Speziell geht es um die Seestraße und Seeanlage bis zum Minigolfplatz sowie um die Straßen An der Point, Weingartenweg und St. Jakobs Bergerl. Die Unterzeichner des Schreibens, das dem KREISBOTEN vorliegt, haben nach elf Jahren Sammersee-Festival endgültig die Nase voll. Die stetig zugenommene Lärmbelästigung im Außenbereich des Seerestaurants Forster bis vier Uhr morgens sei nicht mehr akzeptabel. Unzumutbar sei das Verhalten vieler Festivalbesucher ohne Rücksichtnahme gegenüber eingezäunten und erkennbaren Privatbereichen. Hausfriedensbruch während des Festivals am 20. und 21. Juli 2018 sei an der Tagesordnung gewesen.

So hätten Teilnehmer trotz geschlossener Gartentore auf privaten Grundstücken Alkohol- und Bierflaschen versteckt, die Gärten als Toiletten benutzt und sogar auf Hollywood-Schaukeln Sex gehabt. Benutze Kondome und Tampons wie auch leere und zerbrochene Flaschen mussten die Anwohner entsorgen. „Solche Vorkommnisse überschreiten weit die Toleranzgrenze“, schreiben die Anwohner an Bürgermeister Alexander Herrmann.

In diesem Jahr seien besonders viele Flaschen auf der Straße, an Grundstückseinfahren und in privaten Gärten zerschlagen worden, anstatt sie im Sammelbereich zu deponieren. Auch Getränkekartons und sonstiger Müll wurden mutwillig in die Privatbereiche der Anwohner geworfen. Dieses Verhalten sei weder von der Polizei noch von der vom Veranstalter eingesetzten Security verhindert worden. Mit „Wir ersuchen um Rückantwort, aus welchen Gründen wir Anwohner dies erneut im nächsten Jahr dulden sollen“ endet der Brief an die Gemeinde.

Wegen der gesperrten Umgebung des Festival-Geländes haben die Anwohner Zufahrtsscheine zu ihren Häusern bekommen, was oft wenig genutzt hätte, so eine erboste Anwohnerin. Die Jugendlichen seien einfach auf den Straßen sitzen geblieben, hätten die Anwohner bepöbelt und auf die Autos geklopft. Motorradfahrer hätten vor den Einfahrten geparkt und eine Anwohnerin, die auf das Freibleiben hinwies, mit „Schleich dich, du alte Sau!“ beschimpft. Viele Besucher, auch ältere, hätten bewusst keinen Eintritt bezahlt, sondern feierten, krakelten und tranken außerhalb des Festival-Geländes.

Bürgermeister Herrmann las die Petition der Anwohner im Gemeinderat vor und bat um Vorschläge, wie man die Vorfälle im nächsten Jahr verhindern könne oder ob man das Festival verlegen bzw. gar verbieten wolle. Wobei es nicht nur Herrmann und die Mehrzahl der Gemeinderäte schade fanden, dieses von Jugendlichen selbst organisierte Non-Profit-Festival sterben zu lassen. Ein Dutzend Anwohner, die im Rathaussaal anwesend waren, nahmen befremdet zur Kenntnis, dass eine angedachte Verlegung auf den Sportplatz „mit Lärm für die Anwohner verbunden wäre“. Etwas, was die Nachbarn rund um die Seewirtschaft Forster seit elf Jahren ertragen müssen. Sätze wie „Man kann der Jugend doch nicht ihr Festival wegnehmen“ brachten die Gäste auf die Palme. Sie wollten sich zu Wort melden, was die Gemeinderäte aber mehrheitlich ablehnten.

Sie diskutierten vielmehr um künftige Schadensbegrenzung: Mehr Security und Polizei, Reduzierung des Festivals auf nur einen Tag oder ein Wiedereintrittsverbot ab 22 Uhr für Besucher etc. Man werde auf jeden Fall sehr zeitnah mit den Veranstaltern sprechen, wie man künftig „die eigenartige Steigerung von Vorfällen“ (Zitat Herrmann) parallel zu den Ereignissen bei den Seepost-Schülerpartys verhindern kann. So müssen sich die Anwohner gedulden, wieweit ihre Petition Früchte tragen wird.

Dieter Roettig

Vertane Chance für die Jugend

Über die Auswüchse von unkontrolliertem Alkoholkonsum gab und gibt es im sonst so beschaulichen Schondorf immer wieder unerfreuliche Schlagzeilen: Komasaufen, Drogen, Randale und Vandalismus nach Schülerpartys in der Seeanlage bis rauf zum Bahnhof oder jetzt Ärgernisse rund um das letzte Sammersee-Festival, das Anwohner nicht länger ertragen wollen.

Da machte es absolut Sinn, dass CSU-Gemeinderat Rainer Jünger einen öffentlichen „Sicherheits-Check für Schondorf“ organisiert hatte. Landrat Thomas Eichinger, Dießens Polizeichef Alfred Ziegler, Notarzt Oliver Ferlings, die Elternbeiratsvorsitzenden Anke Neudel (Ammersee-Gymnasium Dießen) und Silke Hohagen (Mädchen-Realschule Dießen) sowie Jugendvertreter sollten zusammen mit Besuchern über Ursachen und Präventionsmaßnahmen diskutieren. Ohne die Jugend über einen Kamm zu scheren oder zu verurteilen. Aber um vielleicht ein Rezept zu finden, wie man frustrierte und enthemmte Jugendliche wieder einkriegt.

Wurde leider nichts daraus. Denn eine Woche vor dem Termin hat Schondorfs CSU-Vorsitzender Andreas Böttcher die Veranstaltung abgeblasen. Ohne Begründung der Lokalpresse gegenüber, die die Ankündigung bereits im Blatt hatte. Vielleicht hält er es mit der Noch-CDU-Vorsitzenden Angela Merkel: Wenn man über Probleme nicht redet, dann gibt es sie nicht…

Dieter Roettig

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