Bürgermeister Georg Epple vor dem Ruhestand

Genießertyp aus dem Lechrain

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Georg Epple, hier beim traditionellen Neujahrsempfang, schaut zufrieden auf seine Zeit als Apfeldorfer Bürgermeister zurück.

Apfeldorf – Georg Epple hält es mit Konfuzius. Der 72-Jährige zitiert, wenn es um einen Rückblick auf seine Amtszeit geht, etwas frei den chinesischen Philosophen: „Wertvolle Menschen sind streitlos, streitvolle Menschen sind wertlos.“ Das passt, irgendwie. Auch, wenn der scheidende Bürgermeister sicher nicht immer mit allen einer Meinung war – laut und ungehalten erlebte man ihn praktisch nie. Mehrheiten sammeln, Gleichgesinnte motivieren, das Netzwerk anzapfen – und dann umsetzen, das war eher sein Ding. Und weniger das lange Diskutieren.

Mit dieser Strategie hat er sicher etwas bewegt. In den zwölf Jahren, in denen „der Epple Schorsch“ als Bürgermeister die Geschicke Apfeldorfs in der Hand hatte, waren doch einige Erfolge zu verzeichnen. Die Sanierung des alten Pfarrhofs, dem wieder neues Leben eingehaucht wurde. Die Kinderkrippe – als eine der ersten Gemeinden im Landkreis hatte Apfeldorf eine. Die Erhaltung der Grundschule in dem kleinen Lechraindorf. Die Dorferneuerung, die noch vom Vorgänger Hermann Floritz auf­iniitiiert wurde. Oder das Thema Trinkwasserversorgung, das mit der Tiefbrunnensanierung und der entsprechenden Förderung auf den Weg gebracht wurde.

Doch „der große Vorsitzende“, wie er von manchem im Gremium auch lästerhaft genannt wurde, möchte diese Projekte keinesfalls als seine alleinigen Verdienste verstanden wissen: „So etwas macht nie einer allein, das können nur alle zusammen.“ Es seien viele Hebel, so Epple, die man bewegen müsse, damit etwas passiere. Dazu zähle auch das Baugebiet Esele, gegen das manche heute immer noch murren. „Damit haben wir wieder viele Kinder, ohne die es auch die Schule nicht mehr gäbe, zusammen mit der Kooperation mit Kinsau.“

Zufrieden macht ihn auch die Tatsache, dass Apfeldorf wieder eine Ärztin habe. „Wie wertvoll das ist, eine am Ort zu haben, sehen wir gerade jetzt in der Corona-Krise.“ Dass es bei vielen der Themen Zweifler gab, damit kann er leben. „Die Ewiggestrigen laufen halt mit, mit denen muss man einfach leben.“

Beherztheit sei gefragt – egal ob es um das Dorfgemeinschaft oder einen Kindergarten gehe. „Bauen wird einfach nicht billiger, auch wenn man lange und immer wieder drüber redet.“ Und ja, der Kindergarten, der gerade umgebaut wird: Das gibt er unumwunden zu, das hätte er sich anders vorgestellt. „Ich hätte mir einen Neubau gewünscht“, sagt er. „So haben wir heute doch nur eine Notlösung.“ Der alte Kindergarten sei für 20 Kinder gebaut, nun müssten 50 drin betreut werden. „Gerade jetzt, wenn alle auf Abstand gehen müssen, rächt es sich, wenn man das Falsche zur falschen Zeit entscheidet.“

Aber gut, als Niederlagen möchte er solche Dinge nicht bewerten. Epple kann gut damit leben, dass sich solche Herausforderungen künftig seinem Nachfolger Gerhard Schmid und den neuen Gemeinderat stellen werden. Das Dorfgemeinschaftshaus etwa: „Das ist eine echt große Nummer, das will wohldurchdacht sein. Und wenn man keine Mehrheit zusammenbekommt, sollte man die Finger davon lassen.“

Ebenso sieht er den Bau des Feuerwehrhauses, ein Mehrgenerationenhaus und auch die Fortführung des Breitbandausbaus als wichtige Posten am Zettel der Nachfolger. Kostet halt alles Geld. Was Apfeldorf leider nicht im Übermaß hat. Ein Problem sieht er bedauernd im Scheitern des Gewerbegebiets durch eine Entscheidung vom Verwaltungsgericht: 90 Prozent Auspendler am Ort, zehn Prozent Einpendler. Neben Gewerbesteuern seien Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze gefragt: „In Schönheit gestorben ist am Ende doch gestorben.“

Dass sein Nachfolger Schmid in Zukunft einen guten Job machen wird, daran hegt Epple keinen Zweifel: „Gerhard hat das Fachwissen und die Begeisterung, damit bringt man Dinge voran.“

Ob es für ihn persönlich nun ruhiger wird? In der Landwirtschaft seines Sohnes ist der Rentner ja weiterhin aktiv. „Als „Knecht und Facility Manager“, sagt er und lacht. „Ich werde mich schon beschäftigen.“ Wieder ein wenig mehr Golfen, das hat er sich vorgenommen. Und vielleicht mal den Stift in die Hand nehmen und zeichnen und schreiben. Damit er nicht in ein Loch fällt, das ist ihm wohl bewusst.

Falls doch Langeweile herrschen sollte: In einem der zahlreichen Vereine Apfeldorfs engagieren, vielleicht als Vorstand irgendwo? Epple winkt ab. „Einen Vereinsvorstand mit 72 kann keiner mehr brauchen.“ Doch das Ehrenamt hat viele Gesichter im Lechrain. Etwa beim Schmankerltag, der zu Beginn der Amtszeit von Epple entstand, erfunden von Evi Baab, und der sich zu einem großen Erfolg entwickelte. Bei dem Event sind immer Leute gefragt, die Würstel grillen, Kuchen backen oder Bier ausschenken. „Ich glaub“, meint Epple mit stillem Lächeln abwinkend, „das ist nicht ganz das meine. Ich bin eher der auf der anderen Seite: der Genießertyp.“
Klaus Mergel

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